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04.10.2002 - 

Mobile Commerce/Payment-Standards fehlen noch immer

Dienstleister offerieren mobiles Bezahlen

Weil noch immer kein Standard für Online-Zahlungen erkennbar ist, halten sich die Kunden beim Kauf über das Handy vornehm zurück. Ein neuer Ansatz mit Serviceanbietern für Mobile Payment könnte die Situation ändern. Von Peter Doerr und Hansjörg Höltkemeier*

Die Bezahlung ist nach wie vor die Achillesferse Internet-basierender und mobiler Anwendungen. Viele E- und M-Commerce-Initiativen scheitern, wenn es darum geht, aus Besuchern und Interessenten Käufer zu machen. Die Abbruchquote steigt enorm, sobald der potenzielle Kunde sich mit der Eingabe persönlicher Daten authentifizieren und schließlich Kreditkarteninformationen oder Bankverbindungen eingeben soll. Besserung ist nicht in Sicht. Zu heterogen und zu komplex sind die vielfach kartengestützten Bezahlsysteme vor allem für das Micropayment, zu unbekannt teilweise aber auch die Lösungsanbieter, als dass der Kunde einfach und sicher eine Payment-Transaktion durchführen könnte.

Das Bezahlen mit dem Mobiltelefon wird sich deshalb zu einer echten Alternative zu den kartenbasierenden Verfahren entwickeln. Das Handy ist zum einen in den Kernzielgruppen der E- und M-Commerce-Anbieter quasi flächendeckend verbreitet und akzeptiert. Zum anderen hat ein großer Teil der Mobilfunknutzer bereits seine Identität gegenüber den Mobilfunkanbietern verifiziert. Deshalb ist eine zusätzliche Registrierung vermeidbar. Die SIM-Karte ersetzt gleichsam die Geld- oder Kreditkarte und die Authentifizierung kann sich auf die Zuordnung des Bedieners zum Telefon, beispielsweise durch Abfrage einer Geheimzahl, beschränken. Damit sind Sicherheit und Bedienerfreundlichkeit vereinbar.

Das findet auch in der grundsätzlichen Akzeptanz dieser Art des Bezahlens seitens der potenziellen Nutzer seine Bestätigung. So gibt es bereits Einzellösungen für das Bezahlen mit dem Mobiltelefon, zum Beispiel an Getränkeautomaten (One in Österreich) oder bei kostenpflichtigen Internet-Downloads (Vodafone, Großbritannien). Auch existieren proprietäre Lösungen, bei denen sich die Mobiltelefonbesitzer allerdings wieder für einen dedizierten Bezahlservice registrieren müssen, ihre Mobiltelefonnummer und Bankverbindung hinterlegen und dann zur Bestätigung von Transaktionen angerufen werden, um mit Eingabe einer PIN eine Transaktion zu bestätigen (Paybox). Der breite Durchbruch ist aber auch diesen auf dem Handy basierenden Bezahlmethoden noch nicht gelungen. Eine Studie von A.T. Kearney hat ergeben, dass tatsächlich erst zwei Prozent, in Europa sogar nur ein Prozent der Mobiltelefonierer das Handy bisher tatsächlich zum Bezahlen genutzt haben.

Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass eine standardisierte Bezahlfunktion immer noch nicht zu den prinzipiellen Telekommunikationsfunktionen des Handys gehört und als solche flächendeckend angeboten wird. Obwohl die Mobilfunkanbieter optimale Voraussetzungen haben, das Bezahldilemma im M- und E-Commerce Umfeld zu lösen, sind bis heute weder bei der Einführung noch bei der Standardisierung von Provider-unabhängigen Bezahlmethoden mit dem Mobiltelefon nennenswerte Ergebnisse erzielt worden.

Proprietäre Services

Noch immer gelten die proprietären Services der einzelnen Provider - aktuell zum Beispiel die Multimedia Services (MMS) - als ein zentrales Kundengewinnungs- und Kundenbindungsinstrument. Deshalb werden Offenheit und Interoperabilität, also die Nutzung von Diensten anderer Provider - und eben auch eine übergreifende Bezahlfunktion -, vermieden. Übertragen auf das Finanzwesen hieße dies, dass es nur den Kunden der Bank A möglich wäre, in der Supermarktkette X per Karte zu bezahlen. Die anderen müssten sich entweder einen anderen Supermarkt oder eine neue Bank suchen. Dieses absurde Szenario scheint in der virtuellen Welt durchaus noch viele Anhänger zu besitzen.

Während die Mobilfunkanbieter sich durch exklusive Inhalte von der Konkurrenz absetzen wollen, sind andere Anbieter im E- und M-Commerce gerade daran interessiert, den gesamten Markt zu erreichen. Sie wollen sich nicht auf den erreichbaren Teil beschränken, zu dem ein einzelner Mobilfunkanbieter Zugang bieten kann. Mindestens vier Industriekonsortien adressieren deshalb die Fragestellung der Interoperabilität, und nicht zuletzt die GSM Association selbst bearbeitet das Thema bereits seit einiger Zeit.

Wer die heutige Situation verändern will, sollte sich das Beispiel des Kreditkartenwesens vor Augen führen. Dort gibt es so genannte "Issuer" - das ist die Bank, die das Konto des Käufers verwaltet - und die "Acquirer", also die Bank, bei welcher der Verkäufer sein Konto unterhält. Ein ganzes Netzwerk von Service-Providern und natürlich die Kreditkartengesellschaften selbst stellen nun die Dienste bereit, um eine Geld-Transaktion zwischen Issuer- und Acquirer-Bank abzubilden.

Kooperationen

Beide Parteien, Issuer und Acquirer, sind daran interessiert, möglichst viele Transaktionen abzuwickeln. Dabei unterstützen sie sich mit ihrem Erfolg gegenseitig und werden durch die Service-Provider technisch entlastet und vertrieblich gefördert. Vergleichbare Win-Win-Situationen müssen auch im M-Commerce Umfeld geschaffen werden, wenn es um die Zusammenarbeit von Content-Anbietern, den Telekommunikationsunternehmen, Banken und anderen Service-Providern geht.

Übertragen auf das mobile Payment könnte also die Interoperabilität durch Service-Provider hergestellt und die Dienstleistungsqualität damit deutlich verbessert werden. Tatsächlich gibt es verschiedene Bestrebungen, jenseits der Mobile Operator und der Banken als Anbieter verschiedener Bezahlalternativen neutrale "Third Parties" sowohl für die technische Konnektivität als auch für die Vermarktung einzusetzen. Ein Händler, der seine Online-Aktivitäten über ein Mobile Payment abrechnen möchte, hat dann nur noch einen Partner und eine Schnittstelle, um seinen Kunden das sichere und bequeme Bezahlen per Handy zu ermöglichen.

Die Service-Provider wiederum vervielfachen als unabhängige Akquirierer die Marketing- und Verkaufsaktivitäten der Mobile Operator. (wh)

*Peter Doerr ist Projekt-Manager Mobile Services bei EDS Deutschland in Rüsselsheim, Hansjörg Höltkemeier ist Partner bei der EDS/Csar - Consulting, Solutions and Results AG, Hamburg.