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07.05.1999 - 

Noch aber hapert es in puncto Internationalisierung

Dienstleister TDS will zur Milliarden-Company aufsteigen

Von Beate Kneuse* STUTTGART - Das Ziel ist ehrgeizig: Für das Jahr 2001 hat sich die TDS Informationstechnologie AG, Heilbronn, die Umsatzmilliarde auf die Fahnen geschrieben. Erreicht werden soll dies durch verstärkte Services im immer wichtiger werdenden Front-Office-Bereich. Aber auch durch eine Expansion des Auslandsgeschäfts, das dann die Hälfte zu den Gesamteinnahmen beisteuern soll. Bisher ist der R/3-Outsourcing-Spezialist für mittelständische Unternehmen international allerdings kaum in Erscheinung getreten.

Gut gemeistert hat die TDS AG das bislang wohl turbulenteste Geschäftsjahr in ihrer Firmengeschichte. Zunächst holte man sich mit der General Atlantic Partners einen US-Investor an Bord (der Anteil beläuft sich auf knapp 20 Prozent), Ende Juni 1998 wagte sich der IT-Dienstleister an den Neuen Markt. Mit Erfolg: Zwar erlebte die Aktie im Laufe des Jahres einige Höhen und Tiefen. Derzeit aber bewegt sich ihr Kurs um die 175 Mark, was nach dem Emissionspreis von 52 Mark durchaus beachtlich ist.

In puncto Ergebnisentwicklung stehen die Schwaben dem Börsenerfolg in nichts nach. Im Geschäftsjahr 1998 steigerte TDS den Gesamtumsatz gegenüber dem Vorjahr um 45,6 Prozent von 164,8 Millionen auf 239,9 Millionen Mark. Der Jahresüberschuß kletterte von vier auf 5,5 Millionen Mark. Rund 23 Prozent zum Umsatz steuerte das Kerngeschäft, also die Auslagerung beziehungsweise der Betrieb von R/3-Lösungen für mittelständische Unternehmen, bei. Einen Umsatzzuwachs von 16 Prozent auf 68,2 Millionen Mark erreichte die Beratungssparte TDS Consulting GmbH, die bislang als DAT Systemhaus GmbH firmierte.

Als größte Umsatzbringer erwiesen sich der Handel mit beziehungsweise Dienstleistungen rund um den PC. Beides wird über die CHG Systemhaus GmbH abgewickelt, die TDS 1987 gegründet hat. Sie konnte ihre Einnahmen im Vorjahresvergleich um 56 Prozent auf 113 Millionen Mark erhöhen. Allerdings sei aufgrund der Abwicklung von Großaufträgen die Rentabilität leicht zurückgegangen, hieß es. Ob die CHG daher in der bisherigen Form in der TDS-Gruppe bleibt, ist fraglich. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit und auf das Kerngeschäft prüfe man, wie TDS-Vorstandschef Günter Steffen erläuterte, derzeit mehrere Möglichkeiten der Abspaltung - auch ein Going Public.

Daß sich die Heilbronner weiterhin vornehmlich im SAP-Umfeld bewegen, empfindet Steffen keineswegs als hinderlich. Im Gegenteil: Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Input belegte TDS im deutschen R/3-Outsourcing-Markt 1998 Platz vier (siehe Abbildung). Die Nase vorn hatte der Siemens-Konzern, gefolgt vom Debis Systemhaus und IBM. Die "drei Großen" sind aber, so Steffen, nicht die Hauptwettbewerber von TDS, da diese sich hauptsächlich auf große Konzerne konzentrieren. Bei mittelständischen Anwenderunternehmen sei man indes eindeutiger Marktführer. "Auch bei dieser Kundschaft ist und bleibt R/3 das wichtigste Produkt", brach Steffen eine Lanze für die Walldorfer.

Sein Unternehmen wolle sich deshalb auch bei den immer wichtiger werdenden Themen wie Supply-Chain-Management, Dokumenten-Management, Sales Force Automation oder E-Commerce "auf diese Plattform konzentrieren". Gerade diese neuen Anwendungen werden Steffen zufolge dem "Dienstleister" TDS in den kommenden Jahren ein großes Wachstumspotential bescheren. Auch hier ist die erklärte Strategie der Schwaben, Partnerschaften mit den jeweils führenden Anbietern einzugehen, die allerdings zum Teil Wettbewerber der SAP sind. Für ausreichend Zündstoff dürfte daher in den kommenden Jahren gesorgt sein. So "paktiert" TDS im Bereich Sales Force Automation beispielsweise mit Siebel, bei E-Com- merce-Lösungen mit Brokat.

Vorerst Abschied genommen haben die Schwaben von ihrem im vergangenen Jahr noch vollmundig angekündigten Vorhaben, die Betreuung von Kunden des SAP-Erzrivalen Baan als zusätzliches Service-Angebot einzuführen. Seinerzeit hörte sich das Ganze schon so gut wie spruchreif an - wohl auch, weil man, wie jetzt spekuliert wird, über eine enge(re) Firmenverflechtung verhandelte. Die nicht gerade ruhmreiche jüngste Vergangenheit der Niederländer hat aber entsprechende Pläne zunichte gemacht.

Erste Gehversuche im europäischen Ausland

Womit man zwangsläufig beim Thema Internationalisierung wäre. Doch hier sind die Heilbronner 1998 noch nicht nennenswert weitergekommen. Die Schweizer TDS Multivision AG, ein seit Ende 1997 bestehendes Joint-venture mit dem Schweizer Beratungshaus Multivision, erzielte in ihrem ersten in der TDS-Bilanz konsolidierten Geschäftsjahr nur einen Umsatz von 1,5 Millionen Mark. Mit derzeit zwölf Outsourcing-Kunden sei der "Markteintritt in der Schweiz gelungen", redete TDS-Chef Steffen das Engagement zwar schön. Gleichzeitig sucht man dort aber händeringend nach weiteren geeigneten Übernahmekandidaten, die "das Geschäft vorantreiben können". Ähnliches gilt für Österreich und Großbritannien.

Auch den Gang in die USA hat die TDS-Führungsriege weiterhin fest im Blick. Dort liebäugelt man laut Vorstandsmitglied Dietmar Hartinger mit dem Kauf von Unternehmen, die ein Umsatzvolumen von 100 Millionen Mark und mehr ausweisen. Konkrete Umsatzvorgaben für wie auch immer geartete US-Aktivitäten hat TDS für dieses Jahr allerdings noch nicht im Business-Plan stehen. Für das Jahr 2000 aber sind 15 bis 30 Millionen Mark ins Visier genommen; ein Jahr später sollen es schon 150 bis 250 Millionen Mark sein. In Europa hält der IT-Service-Spezialist 1999 Einnahmen in Höhe von rund 80 Millionen, im Jahr 2000 bis zu 130 Millionen und 2001 bis zu 200 Millionen Mark für realistisch. Zusammen mit dem Deutschland-Geschäft soll dann auch die Umsatzmilliarde erreicht werden.

_Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.