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20.08.1999 - 

Mobile Computing/Kaltstart vom Biergarten aus

Dienstleister überwacht seine Server-Farm auch per Handy

Alle Web-Server laufen rund um die Uhr. Um eine solche Garantie gegenüber den Kunden im Zeitalter der Systemabstürze zu gewährleisten, überwachen Mitarbeiter der Cybernet AG die Rechner in der firmeneigenen Server-Farm auch per Handy und Small Message Service (SMS). Sogar der Kaltstart der Rechner klappt über Befehle per SMS. Johannes Kelch* hat sich informiert.

"Das Schlimmste im Geschäft des Server Homing", so Michael Simon von der Cybernet AG in München, "ist ein Anruf des Kunden mit der Beschwerde, daß der Rechner nicht läuft." Denn die auf Internet-Dienstleistungen spezialisierte Firma garantiert nicht nur eine schnelle Netzanbindung, sondern auch sofortige Fehlerbehebung und damit lückenlose Einsatzbereitschaft der Rechner - 24 Stunden am Tag.

In der Web-Farm der Cybernet AG am Münchner Rosenkavalierplatz laufen rund 100 Server. Zu den Unternehmen, die ihre Server wegen der erforderlichen Rund-um-die-Uhr-Überwachung und zur Vermeidung von Personalkosten außer Haus gaben, zählen ein Automobilkonzern und etliche Finanzdienstleister. Bei etwa 70 Servern ist die Überwachung aufgrund kritischer Prozesse oder vertraglicher Übereinkünfte permanent erforderlich.

Um das Versprechen der hundertprozentigen Verfügbarkeit der Web-Server gegenüber den Kunden einzulösen, ist die Cybernet AG nicht nur über ein Call-Center ("first level support") erreichbar. Im "second level support" teilt sich das Team von Operations Manager Simon eine "7-mal-24-Stunden-Bereitschaft".

Der gerade zuständige Mitarbeiter aus dem Team muß jedoch am Abend nicht im Büro ausharren. Er kann sich guten Gewissens im Biergarten mit Freunden treffen, sofern er im Notfall in einer halben Stunde seinen Arbeitsplatz erreicht. Es genügt, wenn er auf seinem Handy die eingehenden SMS-Meldungen liest.

Sogar auf die Nachricht "red host HTTP connection to www..." braucht der Mitarbeiter nicht gleich hektisch ins Büro zu fahren. Beispielsweise kann er das System per Handy mit den Befehlen "remote shutdown" herunterfahren und mit "reset" einen Neustart hinlegen. Systemabstürze, weiß Simon aus leidvoller Erfahrung, ereignen sich in Server-Farmen als "Hauptfehler" am häufigsten.

Auch all jene Teammitglieder, die gerade auf Dienstreise sind, erzielen unterwegs per Handy "extrem kurze Reaktionszeiten" bei der Überwachung und beim Neustart der Rechner. Für Simon ist es sehr beruhigend, daß er sogar am Wochenende "auf der Hütte in Österreich" mit seinem Handy Fehlermeldungen empfangen und den Web-Servern über SMS ein Kommando schicken kann. Neben den sieben Teammitgliedern nutzen bereits etwa 20 Cybernet-Kunden das Handy, um jederzeit und von jedem beliebigen Ort aus mit ihrem Web-Server in Kontakt zu treten.

Die Abfragen und Befehle per Mobiltelefon laufen über das Gateway "SMS Message Center" der Münchner Softwarefirma Solutions ETC. Dieses System, so Simon, "bot die Lösung, die wir benötigten". Denn SMS Message Center ist im Gegensatz zur Masse der SMS-Produkte in der Lage, Befehle von einem Mobiltelefon über SMS an einen Rechner zu übermitteln. "Jedes Mail-fähige System", versichert Simon, "kann mit dem Gateway von Solutions ETC kommunizieren." SMS Message Center überträgt die Kurznachrichten mit maximal 160 alphanumerischen Zeichen nicht nur über ISDN oder herkömmliche DFÜ, sondern auch über ein GSM-Modem in die Mobilfunknetze.

Allein die Fähigkeit, Nachrichten von einem Rechner mit einem Handy zu empfangen und Befehle zurückzusenden, genügt allerdings noch nicht für die Über- wachung einer Server-Farm per Mobilfunk. Die Router wurden deshalb um eine Art Firewall ergänzt.

So wird bei eingehenden Anrufen zuerst über eine Datenbankabfrage die Caller-ID sowie ein Paßwort überprüft und abgeklärt, ob der Anrufer überhaupt berechtigt ist, Befehle an den angesprochenen Server zu übertragen. Erst bei vollständiger Übereinstimmung der Daten wird der Befehl übertragen. Stimmt auch nur ein I-Tüpfelchen nicht mit den Angaben in der Datenbank überein, bricht das Rechner-Gateway den Kontakt zum Handy kommentarlos ab. Unbefugte Eindringlinge sollen keine Möglichkeit erhalten, aus Kommentaren irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen.

Erweitert haben die Münchner das SMS Message Center auch um kleine Programme. Dort, wo die grundlegende Funktionalität für Befehle angelegt ist, kann man sie laufen lassen. Wie an der altbekannten DOS-Eingabeaufforderung lassen sich an der "command shell" Programme wie "shutdown" eingeben. Am Handy wird die Tastatur für derartige Eingaben genutzt.

Um den Kaltstart der Web-Server vom Handy aus zu realisieren, hat die Cybernet AG in die Rechner eine Schalterlösung per Relay eingebaut. Darüber lassen sich Signale an den Rechner übermitteln.

Angeklickt

Um Befehle von einem Mobiltelefon an einen Rechner zu übertragen, ist ein spezielles Gateway erforderlich. Bei der Überwachung einer Server-Farm bewährt sich das System SMS Message Center bereits in der Praxis. Es eignet sich grundsätzlich auch zum Beheben von Störungsmeldungen aus komplexen technischen Anlagen, zum Beispiel medizintechnischen Geräten oder Kraftwerkssteuerungen. Ein weiteres Anwendungsfeld: die Prozeßüberwachung in der Chemie-Industrie.

*Johannes Kelch ist freier Journalist in München.