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20.02.1976

Diese Anlage kann "keine" zehnjährige Tochter bedienen!

Hans-Joachim Völkner Vertriebsdirektor NCR GmbH, Augsburg

Von der Tätigkeit des Operators - wie der Bediener einer EDV-Anlage in der Neuzeit, der Technik angepaßt, bezeichnet wird - soll hier die Rede sein, insbesondere vom Operating bei kleineren Systemen, wo es auch Teile der Arbeitsvorbereitung und der, Nachbearbeitung umfaßt.

In der Zeit der Holleriths hatten es die Benutzer mit ihren Operatoren, "Tabellierer" genannt, noch recht leicht. Es gab ja noch keinen Wettbewerber, der dem Interessenten "verkaufen" konnte: "Sie brauchen keinen Tabellierer, Sie benötigen höchstens einen Kartenschaufler."

MDT im Konzern

So wurde in der "guten alten Zeit" die Hollerithanlage angeschafft, der fertige Tabellierer zu seinem Marktwert entweder kommentarlos eingestellt oder aber talentierte Mitarbeiter mit Hilfe des Herstellers zu Hollerith-Fachkräften ausgebildet. So einfach war das. So einfach könnte es auch heute noch sein, wenn nicht die Hersteller durch den Wettbewerb gezwungen wären, häufig nach alten "Pferdehändler-Methoden" zu operieren und wenn auf der anderen Seite die Benutzer nicht für "ganz wenig Geld" auch "möglichst viel Leistung" kaufen oder mieten möchten.

In diesem Zusammenhang müssen nun zum Wohle aller endlich einmal die Dinge ganz offen beim Namen genannt werden: Es ist mit aller Deutlichkeit festzustellen, daß sich von der Zeit des Dr. Hermann

Hollerith bis in die Neuzeit des "Multiprogrammings, Multitaskings" und was zum Vernebeln von Anwenderhirnen noch alles von den Herstellern vermerktet wird, eines nicht verändert hat: "Die tatsächliche, Leistung einer Lochkartenanlage war und einer Datenverarbeitungsanlage ist so gut wie die Menschen, die damit umzugehen haben." Dabei spielen Größenordnung der Anlage und Hersteller praktisch keine Rolle. Diese Grundwahrheit hat sich nicht und wird sich nicht verändern.

Das gilt auch für die sogenannte MDT, die leistungsmäßig als "EDV" bezeichnet werden kann, aber zum "kleinen Preis" gehandelt wird. Der menschliche Erfindungsgeist in Verbindung mit dem Wettbewerb hat ("leider", Anmerkung eines Vertriebsdirektors) dafür gesorgt, daß innerhalb kurzer Zeit die EDV-Verarbeitung auch mit ihren sophistischeren Varianten (Dialogverkehr, Datenbanken etc.) Einzug bei den Newcomern unter den EDV-Benutzern hielten. Aber wie werden diese modernen Oganisations-Werkzeuge dem erwartungsvollen Anwender

verkauft? Häufig genug mit den Worten von Verkaufsrepräsentanten: "Diese Anlage kann schon meine zehnjährige Tochter bedienen" oder "Das macht unsere Anlage alles mit Hilfe der Software".

Wie viele traurige Kapitel der EDV-, ja sogar auch der MDT-Geschichte verbergen sich hinter solchen Aussagen. Konfrontiert man einen beliebigen Hersteller-Außendienst mit dieser Situation, kommt auf Anhieb die Argumentation: "Ja, wenn wir nicht in die gleiche Kerbe wie unsere Konkurrenz schlagen und nicht auch behaupten, was der Interessent so gerne hört, machen wir doch nie einen Auftrag!"

In dieser Argumentation liegt die wirklich große Tragik! Es ist zwar völlig richtig, daß durch Anwendung modernster Techniken in Hardware und Software die "preiswerten EDV/MDT-Anlagen" immer narrensicherer (was die Konsequenzen aus Bedienungsfehlern angeht) und immer einfacher zu bedienen sind. Jedoch gehört zum, Operating und damit zum rationellen und wirtschaftlichen Betreiben einer solchen Anlage ein ausgebildeter, denkender Datenverarbeiter vor die Bedienungskonsole. Alles andere ist gelogen.

Es genügt nun einmal einfach nicht, daß man das Knöpfchen "Compute" kennt und drücken kann. Eine EDV-Anlage, gleich welcher Preisklasse und welchen Herstellers, zu "fahren", wie der Fachmann sagt, ist mehr als ein "In-Betrieb-setzen" eines Motors.

Es wird meines Erachtens allerhöchste Zeit, endgültig die Legende zu begraben, daß das DV-Operating der "Kleinanlagen" wie ein Fahrrad zu betreiben ist: Draufsetzen und losfahren."

Es ist zwar zum Nutzen der Anwender, in den 70er Jahren Computerleistung zu Preisen zu erhalten, von denen man noch vor rund 10 Jahren nicht zu träumen wagte. Es hieße aber das Pferd beim Schwanze aufzuzäumen, wenn zusätzlich auch noch bei der Bedienungskraft gespart wird. Geben Sie auch dem ehrlichen Verkäufer ein Chance, der Sie an dieses Punkt nicht in falscher, gefährlicher Sicherheit wiegt, sondern deutlich ausspricht, was nicht zu ändern ist.

Ausschließlich die flinken, wissenden Hände des Operators sind eine sichere Gewähr für rationelle Datenverarbeitung - zum Wohl der Benutzer wie auch der Hersteller. Sehen wir endlich den Realitäten ins Auge. Auch die preiswerte, leicht programmierbare, noch leichter zu bedienende EDV-Anlage hat ihren Preis; unter anderem den für den geschulten Operator. Die Heinzelmännchen-Geschichte war ein Traum, sie bleibt ein Traum.