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27.10.1978 - 

Software-Enrichment der Minis auch auf der Orgatechnik:

Dietz mit integriertem Programmpaket für Verlage

"Die Rolle des Minicomputerherstellers als ausschließlicher Hardwarelieferant dürfte vorbei sein," so Peter Dietz, Chef des Mülheimer Unternehmens. "Der große kommerzielle Markt für integrierte Lösungen auf Minis muß mit hochqualitativer Branchensoftware erobert werden!" Mit dieser These liegt Dietz genau im Messetrend der Kölner Orgatechnik. Zusammen mit einem Softwarehaus steht das Programmpaket "Verlag" im Mittelpunkt des Standangebotes. Bestandteile des "Verlag"-Paketes: Minicomputer der Dietz-Serie 600 plus fünf Programmbereiche für alle Aufgabenlösungen in Zeitschriften-, Adreß- und Buchverlagen. Die Software wurde in mehrjähriger Entwicklungsarbeit von der Mülheimer Firma M. J. Pauli programmiert.

Pilotanwender in der Bundesrepublik Deutschland ist der Einhard-Verlag in Aachen. Er zählt zu den größten Verlagshäusern für konfessionelle Kultur- und Fachzeitschriften.

Der hohe Verwaltungsaufwand für Abonnentenpflege, Auftragsverwaltung, Vertrieb und Anzeigenbearbeitung führte den Einhard-Verlag schon frühzeitig zur Datenverarbeitung. Mehrere Jahre wurde dafür ein Service-Rechenzentrum eingeschaltet. Als jedoch bei der Geschäftsführung die Ansprüche an bessere und schnellere Informationen stiegen und das Arbeitsvolumen sich zusehends vergrößerte, reifte im Aachener Unternehmen die Entscheidung zum eigenen Computer heran. Erinnert sich Verlagsdirektor Wilhelm Schmitz: "Uns interessierten neben den Hardwarekosten viel mehr die Möglichkeiten, die uns mit einer Anlage an Hand gegeben wurden. Deshalb war unser Pflichtenheft recht umfangreich. Wir verlangten vom Programm außer dem kompletten Vertriebskomplex eine integrierte Buchhaltung, die zugleich spiegelbildartig aktuelle Unternehmensistzustände vermittelt. Wir wollten zeitnahe Daten und Vergleichszahlen, um einen Etat zu bilden."

Ausschlaggebend für die Systemauswahl war schließlich die aufrüstbare Hardware der Minicomputerserie 600 sowie die für den Einhard-Verlag geforderte kombinierte Betriebsweise von Interaktions- und Timesharing-Jobs. Darüber hinaus wurden die Systemanforderungen an simultanen Dialog- und Stapelbetrieb erfüllt, so daß unterschiedliche Terminals in mehreren Sachbearbeiterbereichen mit der Zentraleinheit kommunizieren konnten.

Das Programmangebot

Das Programmpaket besteht aus mehreren integrierten Teilen:

- Zeitschriftenvertrieb (Zeiver)

- Anzeigenbearbeitung (Anzfak)

- Textverarbeitung (Textos)

- Buchvertrieb (Buch).

Alle für die Finanzbuchhaltung relevanten Informationen, wie Debitoren- und Kreditorenführung, Betriebsabrechnung und Sachkonten fließen aus den vier Programm-Moduln in ein weiteres Softwarepaket "Fibu" (siehe Grafik).

"Zeiver" enthält die gesamte Abonnentenverwaltung. Für jeden Titel besteht eine Datenbank, der alle Abonnentendaten zugeordnet werden. Aufrufe erfolgen über die Abo-Nummer oder die Postleitzahl mit Namen.

Im System wird jede Anschrift zugleich für die Versand-Selbstbeanschriftung, für die Rechnungsstellung mit Ländervermerk sowie für PLZ, ZPA und Anrede benutzt. Jeder einzelne Abonnent wird in einem großen und klar lesbaren Bildschirminhalt dargestellt. Der Sachbearbeiter kann zudem folgende Zusatzinformationen ablesen: Liefer- und Berechnungsbeginn, Dauer des Abonnements mit frühester Kündigungsberechtigung sowie Zahlungsfrequenz. Ersichtlich sind auch Zahlungsart mit Bankkonto, Preisstaffel, Porto- beziehungsweise Rabattkennzeichen sowie weitere kundenindividuelle Rechnungsdetails. Ein weiterer Programmkomplex sind OP-Daten mit Rechnungsabwicklung, Mahnwesen etc.

Im Bereich des Zeitschriftenvertriebs sucht das System automatisch in bestimmten Zeitabständen den gesamten Bestand auf Fakturier- sowie Mahntermine durch.

Für Banklastschriften wird Datenträgeraustausch mit dem Kreditinstitut vorgenommen. OCR-A-Scheckbeschriftungen werden im Einhard-Verlag mit einer Lesepistole (Recognition Equipment) ins System übertragen.

"Anzfak" übernimmt Anzeigenfaktura, Auftragsverwaltung und Provisionsabrechnung. Alle Geschäftsanzeigen werden in einer Auftragsdatei gespeichert, so daß Statistiken nach unterschiedlichen Kriterien möglich sind. Der Zugriff auf alle Anzeigen-Kunden kann sehr schnell über Auftrags-, Kundennummer, Kundenname oder auch agenturorientiert erfolgen.

"Textos" überwacht und steuert die Werbung neuer Abos durch Werbekolonnen. Es kann nach Regionen oder PLZ-Gebieten vorgegangen werden. Das Programm berücksichtigt die zeitlichen Abstände der letzten Aktion, ordnet Erfolgsquote und optimale Besuchsfrequenz zu und gibt als Ergebnis einen Aktionsplan für den Werbebeauftragten aus. Dieser Programmteil ist für das Aachener Unternehmen besonders wichtig, weil alle Titel im Direktvertrieb abgesetzt werden.

Ein Datenbanksystem ermöglicht auch für diese Informationen beliebige Statistiken und den Zugriff auf die Adreß-Stammdaten anderer Programmkomponenten.

"Buch" umfaßt die Problembereiche im Einkauf Buchhandel, Buchfaktura, Auftragsverwaltung, Abrechnung Autoren (Honorare). Letzterer Programmteil befindet sich beim Einhard-Verlag in der Vorbereitung. Im allgemeinen kaufmännischen Programmteil "Fibu" läuft außer der Finanzbuchhaltung die Kostenrechnung und Betriebsabrechnung.

Die Anlage erlaubt monatliche genaue Bilanzen sowie einen laufenden Überblick über ausstehende Forderungen und Verpflichtungen.

Service für kleine Verlage

Die derzeitige Konfiguration im Einhard-Verlag besteht aus folgenden Komponenten: Zentraleinheit Dietz 600/38 mit 128 K Kernspeicher, 3 Plattenlaufwerke Ó 60 Mio Byte, 1 Magnetplatte mit 9,6 Mio Byte, 1 Magnetband, Zeilendrucker mit 12 000 Zeichen/h, 1 Zeilendrucker mit 36 000 Zeichen/h, 1 Vollzeichendrucker für die Textverarbeitung sowie 1 OCR-A-Lesepistole. Für den Dialogbetrieb sind folgende Bildschirme angeschlossen: 3 im Vertrieb, 1 für die Buchhaltung und 3 in der EDV-Abteilung. An einem Bildschirm wird unter anderem Programmentwicklung betrieben. Alle Programme sind in C-BASIC geschrieben. Damit verbundene Vorteile sind interaktive Programmerstellung und Testen sowie übersichtliche

Programm-Dokumentation. C-BASIC ergibt zusammen mit den Hardwarekomponenten und dem Timesharing-Betriebssystem TSOS einen Dialogbetrieb für typische kommerzielle betriebliche Realzeitlösungen. Obwohl der Stammdatenbestand und die Alternativ-Parameter mengenmäßig außerordentlich viel Speicherraum belegen - der Einhard-Verlag setzt derzeit 258 Programme ein -, unterstützt TSOS einen Mehrbenutzerbetrieb bei sehr kleinen Antwortzeiten.

Trotzdem ist das Flagschiff der Dietz-Rechnerserie, das Modell 600/38, noch für weitere Aufgaben offen. Verlagsdirektor Schmitz plant deshalb einen weiteren Ausbau des Service für kleinere Verlage.

* K. Rosenthal ist freier EDV-Journalist