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10.04.1998 - 

Vor der Übernahme durch Compaq

Digital Equipment malt sich die Zukunft rosarot

Durchweg zuversichtlich äußerten sich Digitals Top- manager am Firmenhauptsitz in Maynard, Massachusetts, über die Zukunft des einstmals zweitgrößten IT-Herstellers vor der Übernahme durch Compaq. "Der wahrscheinlich wichtigste Vorteil ist das Verschwinden jedweder finanzieller Unsicherheiten", verkündete CEO Robert Palmer.

In der gegenwärtigen Konsolidierungsphase in der IT-Industrie komme es darauf an, starke Partner zu finden: "Wir waren die ersten. "In stärkerem Maße als bisher bedienten sich Großkunden bei wenigen bedeutenden Unternehmen, statt sich mit einer Reihe kleinerer Hersteller zu plagen. Diese starken Anbieter müßten alle gängigen Plattformen und Dienstleistungen liefern können. Nur IBM, Hewlett-Packard und Compaq/DEC seien dazu in der Lage.

Deutlich zurückhaltender äußerte sich der Digital-Chef zu den Redundanzen im PC-basierten Produktportfolio des geplanten Unternehmens. Durch die Kombination Compaq/DEC entstünden seiner Ansicht nach nur sehr wenige Überlappungen. "Unser Ziel ist es nicht, irgend etwas aufzugeben, was wir derzeit tun", so Palmer. Statt dessen werde man mit Beginn des nächsten bedeutenden Produktzyklus mit einer stärker integrierten Angebotspalette auf den Markt kommen.

"Wir werden uns die DEC-Produktlinien genau ansehen. "Die besten Rechnermodelle und Softwaresysteme würden herausgepickt und auch in Zukunft im Programm bleiben. Genauere Angaben lehnte der CEO unter Hinweis auf die laufenden Verhandlungen ab.

Auch Harry Copperman, für die Produkt-Division zuständiger Senior Vice-President, war sichtlich bemüht, das Problem redundanter Produktlinien herunterzuspielen. Überschneidungen existierten ohnehin nur im Bereich der Desktop-PCs, argumentierte der Manager. In diesem Segment aber kämen alle sechs Monate neue Produkte auf den Markt. Bei Notebooks und Workstations wollte Copperman dagegen keine Überlappungen erkennen. Die diversen Server-Produkte erwähnte er in diesem Zusammenhang nicht. Gleichwohl stünden sicher einige "Rationalisierungen" an. Entscheidend sei aber, daß sich die Kundenbasis von Compaq und DEC kaum überschnitten.

Inwieweit derlei Rationalisierungen auch personelle Konsequenzen zeitigen werden, deuteten die DEC-Manager nur an. Entgegen früheren Ankündigungen zeichnet sich allerdings ab, daß beide Unternehmen zumindest in Teilbereichen eng integriert werden sollen. Palmer betonte zwar, daß DECs Engineering-Gruppen weiterhin im Raum Cambridge, Massachusetts, verbleiben würden. Gleiches gelte für Tandem am kalifornischen Standort Cupertino. In den rund 129 Länderorganisationen von Digital Equipment sei aber mit einer Integration der Marketing- und Service-Organisationen zu rechnen. Auch in den zentralen Verwaltungseinheiten, beispielsweise im europäischen Headquarter in Genf, werden nach Aussagen anderer DEC-Vertreter etliche Funktionen wegfallen. Gerüchte, denen zufolge die Europazentrale Digitals in dem Compaq-Pendant in München aufgehen soll, mochte Palmer nicht bestätigen.

Das weltweite Hauptquartier des neuen Unternehmens werde aber in Houston, dem Sitz der Compaq Computer Corp. , angesiedelt sein. Organisatorische Veränderungen sind darüber hinaus auch in den Dienstleistungsmannschaften von Digital und Tandem zu erwarten. John Rando, als Vice-President verantwortlich für DECs Service-Division, erklärte, auf lange Sicht mache es Sinn, beide Organisationen zu integrieren.

Die vielerorts kolportierten Größenordnungen von 10000 bis 20 000 betroffenen Arbeitsplätzen bezeichnete Palmer als Spekulationen. Für konkrete Aussagen sei es noch zu früh. In einigen Wochen werde es aber zumindest zur Größenordnung eine Ankündigung geben. Palmer deutete darüber hinaus an, daß er das Unternehmen nach dem Merger verlassen werde, um anderswo eine angemessene Position einzunehmen.

Wie schon etliche Male zuvor legte der Digital-CEO ein Bekenntnis zu Open VMS, Digital Unix und der Alpha-Architektur ab. Compaq-Chef Eckhard Pfeiffer habe mehrfach öffentlich betont, daß der Hersteller diese Systeme weiter unterstützen und in sie investieren werde. Dazu gebe es keine Alternative. Bei dem gegenwärtig stattfindenden Übergang der IT-Industrie auf 64-Bit-Computing nehme DEC mit Alpha und Digital Unix eine Führungsrolle ein.

Pro Jahr investiere das Unternehmen 100 Millionen Dollar in die Weiterentwicklung des Betriebssystems. Über 1000 Software-Ingenieure seien mit dieser Aufgabe betraut. Daneben beschäftige Digital mehr als 3000 weitere Unix-Spezialisten. Das Betriebssystem werde eine neutrale Bezeichnung erhalten - etwa "Unix 64" oder etwas ähnliches - und in dieser Form auch anderen Unternehmen angeboten. Copperman verkündete in diesem Zusammenhang ein ehrgeiziges Wachstumsziel: "Wir wollen der führende Unix-Anbieter werden. "Man strebe einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent an. Wenn Compaq im Enterprise-Geschäft erfolgreich sein wolle, führe an Unix kein Weg vorbei.

Etliche Analysten beurteilen die Bemühungen DECs im Unix-Umfeld dennoch kritisch. In einem vereinigten Unternehmen trügen die Unix-Produktlinien Digitals gerade einmal vier Prozent zu den Einnahmen bei, rechnen etwa die Marktforscher der Giga Information Group vor. Außerdem haben die Texaner mit SCOs 32-Bit-Unix-Variante, die auf 20 Prozent der von Compaq ausgelieferten Intel-Rechner läuft, sowie mit Tandems fehlertolerantem Unix-Derivat noch andere Optionen. Nach Marktanteilen gerechnet liegt Digitals Unix-Version zudem nur auf Rang vier hinter den konkurrierenden Systemen von Hewlett-Packard, IBM und Sun.

Optimistisch gab sich die DEC-Führungsriege auch bezüglich des Schicksals von Open VMS. Rund 434000 Systeme seien weltweit installiert; die Kunden gehörten zu den treuesten am Markt. "Wir werden Open VMS für immer unterstützen", versprach Palmer auf Nachfrage. Zehn Millionen Benutzer arbeiteten mit dem System. Das Geschäft sei profitabel. Digital erweitere die Funktionalität kontinuierlich. Dazu gehöre etwa die Clustering-Technik "Galaxy", die Ende des Jahres verfügbar sein soll. Kunden, die Wert auf höchste Verfügbarkeit legten, würden auch weiterhin Open VMS bevorzugen. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Microsoft könne man zudem die Interoperabilität mit Windows NT garantieren. Dies gelte auch für Unix. Gegenüber Mitbewerbern wie beispielsweise Sun habe man damit die besseren Karten.

Bezüglich der Alpha-Architektur unterstrich Palmer die Bedeutung des Verkaufs der Halbleiterfabrik in Hudson an Intel im Oktober 1997. Die Veräußerung war Teil einer gütlichen Einigung im damals schwelenden Patentstreit mit der Andy-Grove-Company. Die Abmachung beinhaltete auch ein Kreuzlizenzierungsabkommen für Prozessortechnologien. Für Digital sei es ein entscheidender Vorteil, nicht länger die hohen Aufwendungen für den Betrieb einer Chipfertigung aufbringen zu müssen, so der CEO. Nach den Worten von Jesse Lipcon, Vice-President der Unix- und Open-Systems-Geschäftseinheit, spart das Unternehmen damit jährlich 200 Millionen Dollar Fertigungs- und Prozeß-Engineering-Kosten. Gleichzeitig blieben alle mit Alpha verbundenen Technologien unter der Kontrolle Digitals. Intel habe sich verpflichtet, die Alpha-CPUs auf den modernsten Fertigungsanlagen zu produzieren. Ab Mitte 1999 würden die Chips in der 18-Mikrometer-Prozeßtechnik gefertigt und damit im gleichen Verfahren wie der von Intel und HP gemeinsam entwickelte 64-Bit-Prozessor IA-64 ("Merced"). Dieser komme voraussichtlich nicht vor Ende 1999 auf den Markt. Der Alpha-Chip werde unter den veränderten Bedingungen billiger und deutlich leistungsfähiger sein als der Merced, so Lipcon. Digital habe zudem mit Samsung noch einen anderen Partner für die Alpha-Produktion unter Vertrag. Mit einem weiteren Hersteller, dessen Namen er noch nicht nennen könne, sei man sich einig geworden.

Palmer hob hervor, daß sich das Abkommen mit Intel positiv auf Digitals Profitabilität auswirken werde, sobald die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) den Deal genehmigt habe. Damit sei spätestens Ende Juni zu rechnen. Die Transaktion habe die Übernahmegespräche mit Compaq in vielerlei Hinsicht erst möglich gemacht.

Was wird aus der Marke Digital?

Glaubt man den Worten Robert Palmers, so wird die Bezeichnung "Digital" mit dem roten Logo auch künftig auf den DEC-Produkten zu finden sein - allerdings unter der Dachmarke "Compaq". Einige Untermarken Digitals wie etwa "Altavista" oder "Storageworks" würden ebenfalls weitergeführt. Der Bereich Storage habe in dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen eine besonders hohe Bedeutung, so der DEC-Chef. Durch die Kombination beider Produktlinien entstehe der weltgrößte Anbieter in diesem Segment noch vor den Schwergewichten IBM und EMC.