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27.03.1992 - 

Vom Hardwarehersteller zum Softwarehaus?

Digital fährt mit ACE und einem offenen VMS zweigleisig

The Future of VMS

Proprietäre Systeme werden immer wieder totgesagt. Eines, das mit Sicherheit die nächsten zehn Jahre überleben wird, ist VMS. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Aus der Sicht des einzelnen Anwenders stellt sich das System erst einmal sehr komfortabel dar. Es verfügt unter anderem über eine exzellente Hilfefunktion und über ausführliche Fehler- beziehungsweise Zustandsmeldungen.

Im Gegensatz zu Unix meldet das System dem Anwender, ob dessen Anweisung durchgeführt wurde. Außerdem stellt es vielfach abstufbare Zugriffsbeschränkungen zur Verfügung. Wenn diese Möglichkeiten vollständig ausgenutzt und korrekt eingesetzt werden, gibt es keine Sicherheitslücken. Da 80 Prozent des Datenmißbrauchs innerhalb eines Unternehmens verursacht wird, ist VMS geradezu für sicherheitsrelevante Anwendungen prädestiniert. Darüber hinaus führt das System selbständiges Journaling durch, so daß bei einem Rechnerabsturz nicht die gerade in Bearbeitung befindliche Datei verlorengeht. VMS ist ein ausgereiftes und durchdachtes Betriebssystem.

Hauptgründe für den Wechsel von VMS-Kunden zu Unix waren Digitals Preispolitik und die bessere Leistung der RISC-Unix-Rechner. Mit der Auslieferung der Alpha-Rechner und einem bereits erkennbaren Umdenken Digitals in der Preispolitik hat VMS wieder eine reelle Chance. Die Freigabe von VMS zur Lizenzierung durch andere und das Produkt VMS-Posix, das die Portierung zu und von Unix deutlich vereinfacht, können als flankierende Maßnahmen gesehen werden. km

Im Zeitalter sinkender Hardwaremargen und Verkaufszahlen setzt auch Digital verstärkt auf Software und Service. Der ehemals zweitgrößte Hardwarehersteller will sich wohl zum größten Softwarehaus wandeln. Mittlerweile scheint das Angebot an Software für DEC-Rechner nahezu allen Bedürfnissen, seit der SAP-Ankündigung auch denen deutscher Mainframe-Kunden, gerecht zu werden. Obendrein wird das proprietäre VMS schneller, billiger (durch Alpha) und offener.

Wie unterscheidet sich DEC-Software von anderen Programmen? Die Antwort hierauf ist zunächst einmal ganz einfach. Es handelt sich um Software, die auf DEC-Rechnern unter einem Betriebssystem von Digital Equipment ablauffähig ist. Allerdings fangen hier schon die Schwierigkeiten an.

DEC vertreibt auch PCs mit MS-DOS. Hier würde aber niemand auf den Gedanken kommen, PC-Programme als DEC-Software zu betiteln, es sei denn, es handelt sich um Netzwerk-Tools.

Zurück zu den Betriebssystemen von Digital. Das bekannteste ist zweifelsohne VMS (Virtual Management System), das derzeit nur auf VAXen zur Verfügung steht. Daneben gibt es aber noch andere, weniger bekannte beziehungsweise ältere Betriebssysteme und den großen Unix-Bereich.

Kaum noch Neuentwicklungen für die PDP-11

RSX, RT-11, RSTS etc. waren oder sind Betriebssysteme für die ebenfalls von DEC stammenden PDP-Rechner, die noch heute gebaut und in großen Stückzahlen verkauft werden. Für diesen Bereich werden allerdings kaum noch Neuentwicklungen durchgeführt, so daß wir ihn im Zuge dieser Betrachtung außer acht lassen.

Bei Unix ist es komplizierter. Derzeit bietet DEC drei Unix-Versionen an, Ultrix für VAXen, RISC-Ultrix für die Decstations und Decsysteme mit Mips-Prozessoren sowie SCO/Unix.

Im allgemeinen Digital-Sprachgebrauch werden die beiden ersteren als Ultrix bezeichnet, weil man verständlicherweise kein allzu großes Interesse daran hat, die Unterschiede zwischen den sehr ähnlichen Unix-Varianten zu betonen.

Für den Unix-Bereich von Digital gilt dasselbe wie für Unix allgemein. Es gibt keinerlei Besonderheiten für das Angebot an Ultrix-Software. Es unterscheidet sich von dem anderer Unix-Derivate höchstens durch die Zahl der verfügbaren Produkte, nicht durch die Qualität. Eine vom Autor durchgeführte Umfrage auf der letzten GUUG (German Unix Users Group) in Wiesbaden ergab, daß DEC-Ultrix, dicht gefolgt von IBM-AIX, die Unix-Plattform Nummer drei ist, für die Unix-Softwarehäuser Produkte entwickeln oder auf die sie portieren. Die ersten beiden sind Sun und Hewlett-Packard. Damit sind wir auch beim nächsten Problem angelangt. Bezeichnet man als DEC-Software nur die von Digital selbst entwickelte beziehungsweise vertriebene Software, oder bezieht man die von Drittanbietern mit ein. Die Entscheidung muß zugunsten der zweiten Alternative ausfallen.

Nach diesen Abgrenzungen sollen nun folgende Fragen beantwortet werden: Was ist der Status quo, welche DEC-Software existiert derzeit?

Wie kann sich der Anwender darüber informieren?

Was ist für Digital strategisch wichtig?

Was darf man von den neuen Betriebssystemen erwarten, wann sind sie lieferbar und inwieweit kann man sich bereits jetzt auf die notwendige Umstellung vorbereiten?

Eine der Stärken des VMS-Marktes ist sicherlich das Thema Security. Hier gibt es derzeit außer den bereits in VMS selbst integrierten Tools noch Angebote von 18 Firmen. Die wichtigsten sind Demax ("Securemax", "Secureaudit"), Clyde Digital ("Clyde Sentry") und Computer Associates ("CA-Top Secret" und "AFC2"). Im Bereich der Systemsoftware gehören spezialisierte Softwarehäuser wie Prosoft, IQ-Products, Salcom, UIS und Eigen zu den Anbietern.

In beiden genannten Bereichen ist die Benutzerorganisation Digital Equipment Computer User Society (Decus) mit ihrem Software-Angebot stark vertreten. Bei Nichtmitgliedern kaum bekannt, verfügt sie über ein riesiges und relativ preiswertes Angebot an sehr nützlichen Utilities, die über Generationen hinweg von Anwendern entwickelt und Decus zur Verfügung gestellt wurden.

Die Benutzergruppe unterhält für Mitglieder - die Mitgliedschaft ist kostenlos - eine Programm-Bibliothek. Enthalten sind darin Compiler, Editoren, Hilfsprogramme, numerische und statistische Funktionen, Grafikroutinen, Simulationspakete und, nicht zu vergessen, Spielprogramme. Es sind in der Sammlung auch Programme vorhanden, die ebenso über andere Quellen zu erhalten wären, zum Beispiel Kermit, das die Vernetzung unterschiedlicher Rechner ermöglicht, oder Tex, ein Paket zur Herstellung druckreifer Texte. Bestandteil der Bibliothek ist ferner die vielfältige GNU-Software mit C + + -Compiler und anderen Utilities. Es finden sich viele Programme, die dem Systembetreuer die Arbeit erleichtern, aber auch nützliche Hilfsmittel für den Programmierer oder den Endanwender. Auf dem Gebiet der Software-Entwicklung bietet DEC selbst einiges an, zum Beispiel LSE (Language Sensitive Editor), DEC/MMS, DEC/CMS und VAX-set. Interessant ist, daß DEC den selbst entwickelten Cobol-Generator an die kleine 20-Mann-Firma Touch Technologies abgetreten hat, die das Produkt weiterpflegen und -entwicklen soll. Weitere Anbieter sind hier die GEI ("Promod"), die IABG ("Moses" ), GPP ("Epos"), Cognos, die Software AG ("Natural"), Ariadne, Softlab ("Maestro II"), MID ("Innovator") und Instrumatic Electronic Systems ("Teamwork").

An Compilern bietet Digital ebenfalls eine große Auswahl an: Hier stehen Compiler für C, Bliss, Fortran, Pascal, Cobol, Lisp, OPS5, Basic, Ada, C+ +, PL/1, RPG II zur Verfügung. Mikroprozessor-Software-Entwicklungswerkzeuge gibt es für die gängigsten Prozessoren von Intel und Motorola. 17 verschiedene Reportgeneratoren werden angeboten.

Im Datenbankbereich finden sich bekannte Namen wie Oracle, Sybase, Ingres, Informix (letztere nur für Ultrix) und rdb von Digital (für VMS). Nebenrollen spielen hier die Software AG, CA und einige andere Anbieter wie Progress, Infodas etc. Im Datenbank-Management finden sich schon mehr Anbieter (20). Ebenfalls 20 Angebote existieren für Finanzbuchhaltungen. Zu den wichtigeren Unternehmen gehören Computer Associates und Mc Cormack & Dodge ("Masterpiece", "GL-Millenium" und "CM-Millenium"). Für die Kreditoren- und Debitorenbuchhaltungen gibt es jeweils etwa ein Dutzend Angebote für den deutschsprachigen Raum ("AP-Millenium", "Mosaic Fid-Kred", "AR-Millenium", "Mosaic Fid-Deb"), acht Anlagenbuchhaltungen werden angeboten, 17 Kostenrechnungspakete für den VMS-Bereich. Immerhin 16 Personalabrechnungen sind auf dem Markt. Wenn man sich das Angebot im kaufmännischen Bereich ansieht, so steht DEC derzeit nicht so schlecht da, wie viele Anwender noch immer glauben.

Insbesondere seit SAP die Portierung angekündigt und das Unternehmen Mc Cormack & Dodge seine Produktpalette auf VMS portiert hat, können auch Anwender mit größeren Installationen zufriedengestellt werden. Allerdings ist dies vielen noch unbekannt, ein Manko, was auf das Fehlen eines zentralen Marketings bei Digital zurückzuführen ist.

Traditionell stark ist DEC im Bereich der technisch-wissenschaftlichen Software, im CAD/CAM-Umfeld, bei PPS-Systemen etc. Im industriellen Einsatz finden sich auch noch PDP-Rechner und damit RSX-, RT-11- und RSTS-Software. Als Büroinformationssystem bietet DEC "All-In-1" für VMS und "Alis" für Ultrix an. Ersteres belegt zwar viel Speicherplatz, ist aber trotzdem erfolgreich.

Bei Textverarbeitungen wurde das inzwischen überarbeitete "Lex" (deutscher Vertrieb: Bacs) von Wordperfect und DECs WPS-Plus eingeholt. Allerdings sei noch gesagt, daß die Digital Standard VMS-Editoren EDT und EVE so komfortabel sind, daß man eine Textverarbeitung nur selten braucht.

Desktop Publishing kann mit "DEC-Write" des "Framemaker" und Electronic Publishing mit "Interleaf" durchgeführt werden. Framemaker und Interleaf sind auch auf Ultrix einsetzbar.

Strategische Produkte an erster Stelle des Angebots

Die Auswahl an Projekt-Management-Systemen und Management-Informationssystemen (SAS) ist für DEC-Rechner ausreichend. Noch größer ist die Auswahl an KI-Tools, -Shells, -Sprachen und Expertensystemen.

Generell verfolgt Digital das Ziel, weniger konkrete Anwendungen anzubieten als vielmehr strategische Produkte. Branchenanwendungen sollen durch Digitals Partner oder durch Digital-Kienzle abgedeckt werden. Strategisch wichtige Felder im Softwarebereich aus Sicht von Digital sind die Unterstützung der Architekturen NAS (Network Application Support), CDA und EMA, das Portieren zusätzlicher Anwendungen auf RISC-Ultrix, der CAD/CAM- Bereich, die IBM-Anbindung und das Datenbank-Management (CDA ist eine Untermenge von NAS).

NAS bedeutet Integration verschiedener Plattformen

Ursprünglich war NAS nur die Implementierung von AIA (Application Integration Architecture), aber weil die Unterscheidung beider Begriffe in der Öffentlichkeit nur Verwirrung brachte, hat man den einen aufgegeben und setzt nun ganz auf NAS.

Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die Integration verschiedener Plattformen, praktisch eine Multivendor-Architektur. Insofern ist es umfassender als beispielsweise IBMs SAA. Verwirklicht ist aber noch nicht alles, was DEC in seinen Werbeprospekten zeigt.

Es gibt derzeit die Möglichkeit, PCs mit "Pathworks" für MS-DOS, Macintosh-Rechner mit "Pathworks" für Macintosh und Unix-Workstations mit "VMS-Ultrix-Connection" an VAXen unter VMS anzuschließen. Die Anbindung ist aber noch nicht perfekt. Hier sind längst nicht alle Anwenderwünsche berücksichtigt, auch wenn unzweifelhaft feststeht, daß Digital auf dem richtigen Weg ist. Es fehlt - außer für VMS - noch die Möglichkeit der zentralen Systemverwaltung, -sicherung, des zentralen Backups sowie eine elektronische Post.

Digital hat zwar eine eigene Abteilung gegründet, die sich mit Fragen der Datenspeicherung und -verwaltung beschäftigt und ein Konzept sowie Produkte entwickeln soll. Die erste Version eines dieser Produkte jedoch, "SLS" (Storage Library System), hätte beinahe den Ruf DECs als Lieferant qualitativ guter Software für immer geschädigt. Es war zu fehlerhaft. Die zweite Version kam gerade noch rechtzeitig auf den Markt.

Außer Pathworks kam mit Apple nichts zustande

Schon vor der Einführung von NAS hatte Digital ein Abkommen mit Apple geschlossen, das die Entwicklung von Produkten, die eine engere Anbindung beider Welten ermöglichen sollten, regelte. Neben Pathworks für Macintosh kam auf DEC-Seite nichts dabei raus. Third-Party-Softwarehäuser waren hier schneller als DEC. Mit dem Hinweis, daß man das Rad nicht zweimal erfinden muß, wurde die Entwicklung aufgegeben. Die anderen Integrationsprodukte vertreibt Solid.

Das Allerlei der strategischen Allianzen

Zu den strategischen Allianzen Digitals im Bereich von NAS und CDA zählt zweifelsohne das Abkommen mit Microsoft. Außer diesem Giganten haben sich unter anderem noch Ashton-Tate, Lotus und Interleaf für DECs CDA (Compound Document Architecture) engagiert. Im Bereich der Großrechner zählen Allianzen mit Computer Associates und Mc Cormack & Dodge zu Digitals strategischen Maßnahmen. CA soll vor allem die bisher fehlenden Accounting-Tools und Großrechner-Software auf VMS portieren. In Deutschland hat man SAP dazu gebracht, die R3-Software auf VMS zu portieren. Großrechner will Digital nicht sofort ablösen, sondern anbinden .

Für Digital theoretisch jeder Partner gleich

Laut Grant Saviers, Vice-President der Digital Equipment Corporation, "läßt es sich noch einige Jahre ganz gut vom alten Eisen der IBM leben". Bei der Token-Ring Anbindung stützt sich DEC vor allem auf Proteon.

Das System der Digital-Partnerschaften ist sehr interessant. Während Digital beispielsweise im wichtigen CAD/CAM-Bereich als Schlüsselpartner Prime, Matra Datavision, Schlumberger, McDonnell Douglas und Isykon anführt, sind von den Partnern kritische Äußerungen zu hören, etwa: "Die Partnerschaft mit DEC ist das Papier nicht wert." Grund für die Verstimmung ist eine unterschiedliche Erwartungshaltung. Für Digital ist zumindest theoretisch jeder Partner gleichviel wert, man will nicht ein Unternehmen oder ein Produkt bevorzugen. Genau dieses ist aber die Absicht der Partner.

Außerdem wird bemängelt, daß einzelne DEC-Mitarbeiter über zuwenig Fachkompetenz verfügen. Es fehle eine zentrale Gruppe, die sich wie bei der DEC-Tochter in Frankreich intensiv mit einem Produktbereich befasse. Um die Akzeptanz der DEC-Stations und DEC-Systeme zu erhöhen, hat Digital unter anderem ein Portierungs-Center in München eingerichtet. Man will auf diese Weise das Angebot an für diese Rechner zur Verfügung stehender Anwendungssoftware erhöhen. Für die Portierung von strategisch wichtiger Software trägt Digital die Kosten. Bei anderen Produkten kann die Unterstützung durch das Center variieren. Das Spektrum geht von der Bereitstellung von Hardware bis zur Erteilung von Ratschlägen oder Know-how-Vermittlung.

Für DEC entscheidend sind noch das Datenbank-Management (Oracle, Sybase, Ingres, Informix) und das Telekom-Feld. Schlüsselprodukte der hier definierten EMA (Enterprise Management Architecture) sind Decmcc und Netviews.

Zu beobachten ist auch, daß VMS den Ruf eines geschlossenen proprietären Systems verliert. Dies wird vor allem an zwei Fakten deutlich. Erstens ist seit Erscheinen von VMS-Posix das Portieren einer Anwendung unter VMS zu einem unter Unix laufenden Programm genauso einfach wie in der Unix-Welt, zweitens ist Digital bereit, VMS zu lizensieren, also an andere abzugeben. Wenn dieser Schritt, so spekulieren Digital-Mitarbeiter, vor zehn Jahren durchgeführt worden wäre, so hätte man bei DEC nie die Probleme mit Unix gehabt. Heute allerdings ist nicht ganz klar, wer als Lizenznehmer von VMS noch in Frage kommt. Wie kann sich nun ein Anwender über das Angebot an Software informieren. Wenn er einen Service-Vertrag mit Digital besitzt, kann er zu nächst seinen Vertriebsbeauftragten fragen.

Darüber hinaus gibt es eine Datenbank, in der sämtliche auf DEC-Rechnern lauffähige Software nach Art des Isis-Katalogs gespeichert ist. Einen Auszug davon gibt es auch seit 1990 in gedruckter Form als Katalog in deutscher Sprache. In den USA existiert der Katalog schon in der siebten Version, erscheint einmal pro Jahr und ist allein für VMS schon dreimal so dick wie der deutsche für VMS und Ultrix. Allein dadurch wird deutlich, daß DEC viele Softwareprodukte in Deutschland nicht vermarktet.

Katalog offiziell nur für DEC-Mitarbeiter

Der Zugang zu dem Katalog wird übrigens in Übersee auch nicht so restriktiv gehandhabt wie in Deutschland, wo er offiziell nur für DEC Mitarbeiter zugänglich ist. Für Ultrix-Anwendungen gab es bei Digital mehrere Jahre einen Auszug aus dem ISIS-Katalog. Mit dem Weggang des dafür zuständigen Mitarbeiters scheint auch dieses Projekt aufgegeben worden zu sein.

Software, die von DEC direkt vertrieben wird, kann man auch den halbjährlichen Publikationen der Digital-Vertriebs-Tochter Decdirect entnehmen, wobei wiederum deren amerikanisches Pendant informativer als das deutsche ist. Außerdem besteht noch die Möglichkeit einer Mitgliedschaft bei Decus, der Benutzerorganisation. Hier kann sich bei regionalen Treffen oder bei Symposien mit anderen über deren Erfahrungen austauschen oder den Dialog zwischenzeitlich auch per Decus-VAX führen. Dies ist eine in der Decus-Zentrale aufgestellte VAX, die als Umschlagplatz für Nachrichten dient, eine Art elektronischer Postkonferenz. Man kann dort Nachrichten ablegen und auf Antwort hoffen. Über die Benutzerorganisation ist der Anwender ferner in der Lage, auch Abfallprodukte zu beziehen. Dabei handelt es sich um Softwareprojekte, die es nicht zum Produkt geschafft haben, aber trotzdem fehlerfrei sind und dem User von Nutzen sein können. Digital übernimmt aber hierfür keinerlei Garantie- oder Serviceverpflichtungen. Ferner gibt es noch Fachmessen für den DEC Markt. In Deutschland ist das die Interdeck, die dieses Jahr in Karlsruhe, in England die DEC-User im Olympia in Kensington, London stattfindet. Neu ist eine europäische Dexpo Europe, dieses Jahr in Cannes. In den USA findet die Dexpo halbjährlich jeweils einmal an der Ost- und an der Westküste statt, Veranstaltungsorte sind heuer Atlanta und Las Vegas. Bei diesen Messen ist DEC selbst meist nur mit einem kleinen Stand vertreten. Hier findet man vor allem sogenannte Nischenanbieter und Software- sowie Systemhäuser, die sich auf den Digital-Markt spezialisiert haben.

Wie sieht nun die Zukunft aus? Betrachten wir zunächst den Unix-Bereich. VAX-Ultrix wird weiter unterstützt, aber als Nischensystem nicht sonderlich gepflegt werden. RISC-Ultrix geht über in OSF/1 und zwar noch dieses Kalenderjahr. OSF/1 beruht zum großen Teil auf Ultrix, deshalb braucht der Anwender hier keine größeren Portierungsprobleme zu erwarten, es ist nichts anderes als ein Major Release des Betriebssystems. Für die kleineren Systeme wird noch Open Desktop angeboten. Dies wiederum ist nichts anderes als Ultrix mit einigen Additionen von SCO. Zu einem späteren Zeitpunkt wird OSF/1 auch für VAXen angeboten werden.

VMS wurde in Version 5.4 eingefroren und portiert

Mit der Einführung des Alpha-Rechners - erste Versionen gehen zu Portierungszwecken Mitte '91 an Softwarehäuser, der Enduser soll zum Jahreswechsel die ersten Rechner erwerben können - werden OSF/1 und VMS auf einem RISC-Rechner angeboten. VMS wurde in der Version 5.4 eingefroren und portiert. Zunächst bleibt VMS ein 32-Bit-Betriebssystem und nutzt nicht die 64 Bit des neuen Rechners. Insofern ändert sich auch für den Anwender nicht viel mehr als bei einem größeren Betriebssystem-Upgrade. Auf Decus-Symposien gibt es Informationen in schriftlicher und mündlicher Form, was bei der Programmierung zu beachten ist, wenn in absehbarer Zeit der Um- beziehungsweise Aufstieg ansteht. Digital hat andererseits auch deutlich gemacht, daß die VAXen (die PDPs der 90er) durchaus noch einige Zeit weiterleben dürfen.

* Klaus Mittmann ist freier Journalist in München.