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08.05.1992

Digital plant den Untergang

Compaq und SCO ziehen sich aus der Hersteller-Initiative ACE zurück; DEC forciert die Alpha-Entwicklung und hofft auf einen geschäftsfördernden PR-Effekt aus der Liaison mit Microsoft: Den Marketiers der DV-Branche gehen die Klatschthemen nicht aus. In welchen Erwartungen aber fühlen sich die Anwender bestärkt oder enttäuscht? Eine unbequeme Frage, denn die Gegenfrage lautet: welche Erwartungen? Würde nämlich über Dinge gestritten, die sich verifizieren lassen, dann hätten die Anwender tatsächlich etwas zu sagen: Daß dieses (Produkt) ein Fortschritt, jenes (Produkt) ein Ärgernis sei. Nichts davon bei ACE und der DEC-Microsoft-Allianz - oder können Interessenten etwa ACE- beziehungsweise Alpha-Produkte heute schon kaufen? So offenbart die neue Geschäftigkeit in der DV-Industrie, Kooperationspartner wie Unterhemden zu wechseln, nur das Unvermögen, mit dem Wandel vom Verkäuferzum Käufermarkt umzugehen.

Compaq und DEC können immerhin geltend machen, daß sie für Versäumnisse die Quittung in Form von Verlusten bekommen haben. In bezug auf Compaq sollte man es bei der Feststellung belassen, daß für RISC-Ausflüge ins Markt-von-morgen-Land eben kein Geld vorhanden ist. Die Manager des Edel-Cloners sind konsterniert, das ist - siehe ACE-Ausstieg - ihren Entscheidungen anzumerken. Man fragt sich nur, worüber man mehr staunen soll: über das Ausmaß der Misere (drastischer Umsatz- und Gewinnrückgang) oder über den Mut der Compaq-Manager, Konsequenzen zu ziehen und damit in Kauf zu nehmen, daß die Konkurrenz lästert.

Anders bei DEC: Wenn Digital-Gründer Ken Olsen zum x-tenmal versichert, er habe alles im Griff - und Anlaß zu einer solchen Aussage hatte er x-mal -, dann meint er es auch so. Wie gehabt setzt der DEC-Chef darauf, daß ihn sein technischer Genius (vax loci!) vor Unheil bewahren wird. Olsen läßt sich von nichts und niemandem beeindrucken. Hartnäckig müht er sich um den Nachweis, daß die Anwender nicht nur die Gefangenen proprietärer Herstellerstandards sein müssen - angesichts der VAX/VMS-Annehmlichkeiten laut Olsen ein geringes Übel sondern auch die Gefangenen vermeintlich offener Standards wie Unix.

Das Abkommen mit Microsoft über einen gegenseitigen Technologie-Austausch in Sachen Alpha und Windows NT ist denn auch als Versuch zu werten, einen eigenen Standard gegen Unix auf Workstation- und Server-Ebene durchzudrücken. Wer darauf spekuliert, daß offene Systeme, die diese Bezeichnung verdienen, bei den Anwendern diskreditiert werden können, der rechnet mit einem Alles-oder-nichts-Finale. Das kann Olsen haben, das wird er haben, wenn nicht vorher DEC-intern Außergewöhnliches passiert. Echte DEC-Fans würden es lieber nicht darauf ankommen lassen.