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21.02.1997 - 

Software nur noch für die eigene Klientel

Digital verkauft seine Middleware an Bea

Als Käufer für seine Middleware-Produkte hat DEC den Newcomer Bea Systems gefunden, der bislang vor allem durch die Übernahme des Unix-Transaktions-Managers "Tuxedo" von Novell auf sich aufmerksam gemacht hatte. Nun erwirbt das Unternehmen das asynchron arbeitende Transaktionsprodukt "Message Q", den Corba-konformen "Object Broker" sowie die Gateway-Produkte "Object Broker Desktop Connection" für die Verbindung von Microsofts OLE-Komponenten mit Corba und das "R/3 Interface", das eine Verbindung von Message Q zum Standardpaket von SAP herstellt. Außerdem übernimmt Bea 70 Mitarbeiter und die Betreuung von etwa 1600 Großkunden von DEC.

Über die finanziellen Details ist nur bekannt, daß Digital einen Teil des Preises in bar, den Rest in Bea-Aktien erhält. Außerdem behält Digital für drei Jahre Einfluß auf die technische Optimierung der Produkte. Umgekehrt wird der Rechnerhersteller künftig alle Bea-Produkte inklusive Tuxedo anbieten, obwohl er mit ACMS bereits ein Transaktionssystem im Haus hat.

Der Deal wirft die Frage auf, wo ein DV-Konzern steht, der inzwischen selbst systemnahe Software veräußert, die für den Hardwarevertrieb üblicherweise ein wichtiges Verkaufsargument ist. "Wir sind ein Hardware-Anbieter", positioniert DEC-Marketier Ulrich Schäfer seine Firma. Software werde nur noch für die bestehende Kundenbasis erstellt.

Schäfer streitet ab, daß der Verkauf die bisherige Position des Unternehmens als Systemintegrator in Frage stelle. Die dafür zuständige Business Unit arbeite schon bisher viel mit Fremdprodukten. Außerdem sei der Aderlaß keineswegs gravierend. Schließlich sei nicht die gesamte Middleware aufgegeben worden. Unberührt blieben alle Produkte, die eine Verbindung zur IBM-Main- frame-Welt oder zu Windows und NT herstellten, insbesondere das Active-X-Know-how sei vollständig im Hause geblieben. Insofern sei auch die strategische Partnerschaft mit Microsoft nicht gefährdet. Tatsächlich lassen sich die Ausgliederung der Corba-Technik und die Konzentration auf Active X eher als stärkere Anlehnung an die Gates-Company deuten. Das Know-how für die Anbindung an Corba blieb jedoch bei DEC.

Anders stellt sich der Deal aus Bea-Sicht dar. "Er öffnet uns die Tür bei 1600 Großkunden, vor allem in der Industrie und im Telecom-Markt", freut sich Geschäftsführer Martin Metzger. Für Bea bedeutet die Produkterweiterung einen wichtigen Schritt hin zum Middleware-Konzern.

Im Zentrum der Bea-Strategie steht nach wie vor Tuxedo. Obwohl das frühere Unix-Produkt alle gängigen Betriebssysteme - außer bislang VMS - unterstützt, fehlten ihm wichtige Eigenschaften, die nun DEC liefert: Das asynchron arbeitende Message Q ermöglicht es, Transaktionen an beliebigen Stellen zu unterbrechen, so daß sie sich wie ein Workflow organisieren lassen. Der Object Broker eröffnet Tuxedo eine objektorientierte Zukunft, während Metzger das OLE-Corba-Gateway und die R/3-Schnittstelle eher als nützliche Dreingabe sieht.