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02.11.1990 - 

VMS-Applikationen sollen weiter lauffähig sein

Digital will VAX bis 1993 durch neue RISC-Serie ablösen

BOSTON (IDG) - Eine RISC-basierte Architektur wird nach Angaben aus DEC-nahen Quellen bereits 1993 die altbewährte VAX ersetzen. Vorhandene VMS-Programme sollen aber auch weiterhin auf den neuen Rechnern laufen.

Das DEC-Projekt für die neuen RISC-Rechner hat den Codenamen "Alpha". Gerüchte über derartige Forschungen bei Digital gab es bereits seit einigen Monaten. Während offiziell aus DEC-Kreisen dazu keine Angaben gemacht werden, hörte man von Ex-DEC-Mitarbeitern Genaueres über die geplanten Maschinen: Die Alpha-Architketur ist keine Erweiterung der VAX-Technik, sondern eine vollkommen neue Hardwareplattform mit Adreßwörtern, die länger als die herkömmlichen 32 Bit sind. Der wesentliche Aspekt des Rechners ist die sogenannte "Application Engine", die sowohl den Ablauf der Programme der angeschlossenen Workstations und Terminals steuert als auch als sehr großer Fileserver eingesetzt werden kann.

Das Alpha-Projekt steht und fällt nach Angaben von Hardwarekennern mit der Entwicklung neuer, extrem leistungsfähiger Halbleiterbauelemente. Während die Skeptiker unter ihnen meinen, DEC werde diese Probleme nicht in der vorgegebenen Zeit lösen können, weisen andere auf den neuen von DEC entwickelten Prozessor "Moria" hin. Er soll in der neuen VAX 6000, die in diesen Tagen angekündigt wird, zum Einsatz kommen. Der in CMOS-Technologie aufgebaute Moria hat Schaltzeiten von 16 Nanosekunden. Ein RISC-Prozessor, der auf dieser Technologie beruht, könnte eine Leistung von 60 bis 70 MIPS erreichen.

Gesteigerte Leistung ist aber nur das eine Ziel von Alpha. Darüberhinaus soll der VAX-Nachfolger die Software-Investitionen der Anwender schützen und weiterhin VMS-Applikationen unterstützen. Unklar ist jedoch noch, wie das geschehen soll. Zwar hatten DEC-Sprecher immer betont, daß alle VAX-Nochfolger Binärkompatibilität bieten würden. Demgegenüber steht aber die technisch vollkommen anders geartete RISC-Architektur bei Alpha. Analysten nehmen an, daß der Alpha-Kernel echtzeitfähig sein wird und über ein Interface kompatibel zu VMS und Ultrix ist. Möglicherweise wird man dann aber die Applikationen neu kompilieren müssen. Denn nur so würde man die verbesserte Leistung des RISC-Prozessors auch ausnutzen.

Das Alpha-Projekt ist übrigens nicht der erste Versuch von Digital selbst in der RISC-Welt mitzumischen. Bis zum Jahr 1988 entwickelte das Unternehmen unter dem Codenamen "Prism" eine eigene RISC-Architektur. Nachdem DEC sich für die Prozessoren von Mips für seine RISC-Workstations entschieden hatte, wurde das Prism-Projekt aufgegeben. Jetzt kommen nach Angaben des Ex-Prism-Chefentwicklers Dave Cutler viele Ideen von Prism in Alpha wieder zu Ehren. Das Problem für DEC sei aber, so Cutler, daß das Unternehmen rund vier wichtige Jahre für die Forschung und Entwicklung verloren hat.