Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.04.1991 - 

Schwarz-Schilling fordert niedrige Gebühren

Digitaler Mobilfunk: Telekom und Mannesmann weiter uneinig

HANNOVER/BONN (vwd/CW) - Knapp drei Monate vor dem geplanten Betriebsbeginn der beiden digitalen Mobilfunknetze D1 (Telekom) und D2 (Mannesmann-Konsortium) bestehen zwischen beiden Netzbetreibern weiterhin Diskrepanzen bezüglich der Tarifgestaltung. Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling bezog nun klar Position und forderte von der Telekom eine niedrigere Gebührenkalkulation. Ebenso wie der private Anbieter Mannesmann hält er das bisher vorgesehene Gebührentableau für nicht wettbewerbsfähig.

Gegenstand der Auseinandersetzungen ist die Weigerung der Telekom, dem Mannesmann-Konsortium als externen Betreiber günstigere Tarife einzuräumen. Die Telekom habe bereits, wie eine Sprecher des Carriers mitteilte, Mannesmann vergleichsweise günstige Vermittlungs-Gebühren-Vorschläge unterbreitet. Zudem müsse man den neuen Dienst kostendekkend betreiben und verfüge demzufolge nicht über unbegrenzten Spielraum bei der Gebührenfestsetzung.

Die Mannesmann-Mobilfunker hingegen sind ungehaltene über die Gebührenpolitik der Telekom und verlangen einen deutlichen Preisnachlaß. Denn wo und wann auch immer die D2-Teilnehmer künftig von ihrer mobilen Station aus telefonieren wollen - ohne das Telekom-Netzmonopol mit seinen Vermittlungsstellen wird nichts funktionieren. Nach Mannesmann-Angaben müßten voraussichtlich 35 bis 40 Prozent der Gesamtkosten des D2-Betriebs an Gebühren der Telekom überwiesen werden.

Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling griff nun in den schon länger anhaltenden Streit ein und ermahnte das Postunternehmen, seine Preispolitik zu überdenken. Gerade weil der digitale Mobilfunk eine primär europaweit angelegte Kommunikationsform darstelle, sei auf eine sich im europäischen Rahmen bewegende Gebührenstruktur zu achten. Die derzeitigen Vorstellungen der Telekom sind nach Ansicht des Ministers damit nicht in Einklang zu bringen und somit letztlich nicht wettbewerbsfähig. Gegenüber der COMPUTERWOCHE betonte ein Sprecher, daß das Ministerium deshalb rechtzeitig vor dem geplanten Betriebsbeginn deutliche Abschläge erwarte.

Laut Telekom-Vorstandsmitglied Klaus Hummel strebt sein Unternehmen die quantitative und qualitative Marktführerschaft mit dem D1-Netz an will etwa 25 Prozent des Marktes selbst betreuen. Rund 50 Millionen Mark hat der Carrier in die Entwicklung des mit dem sogenannten GSM-Standard arbeitenden Netzes investiert, dessen gesamteuropäische Kapazität auf zehn bis 15 Millionen Teilnehmer ausgelegt ist, fünf Millionen davon allein für die Bundesrepublik. Bis 1994 erwartet die Telekom bereits mehr als 500 000 Teilnehmer mit persönlicher Rufnummer.

Mit rund 300 000 Kunden in eineinhalb Jahren kalkuliert die Mannesmann Mobilfunk GmbH. Dabei geht der Betreiber des D2-Netzes von einem planmäßigen Betriebsbeginn noch im zweiten Halbjahr 1991 aus. Ende 1992 sollen 80 Prozent, Anfang 1994 rund 90 Prozent der der bundesdeutschen Bevölkerung in D2-versorgten Gebieten leben. In das Netz will Mannesmann binnen zehn Jahren bis zu 4,5 Milliarden Mark in den alten Bundesländern und zwischen 500 Millionen und einer Milliarde in den neuen Bundesländern investieren. D2 startet zunächst in 14 Wirtschaftsräumen der alten Bundesrepublik und Berlin, spätestens Anfang 1992 soll in zwei Wirtschaftsräumen der ehemaligen DDR "D2 privat" in Betrieb gehen.