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28.02.1992

Digitals riskantes Spiel mit Alpha-RISC

Es gilt wohl nur für Altbundeskanzler, daß einen nicht zu scheren braucht, was gestern noch gültig war: Seit ihm aufgestoßen war, Unix sei der "Breakdancer unter den Betriebssystemen", hatte DEC-Chef Ken Olsen in der Folge seine liebe Argumentationsnot mit der zunehmenden Beliebtheit des der Gleichmacherei verdächtigten Betriebssystems.

Das Image des Unix-Spötters hing ihm nach. Mittlerweile ist dem konservativen Firmengründer aus Maynard beim Gesundschrumpfen und Restrukturieren seines Unternehmens das schadenfrohe Lachen gründlich vergangen. Er hat lernen müssen, daß sogar Anwender ihre eigene Meinung von den DV-Dingen zwischen (Ultrix)-Himmel und (VMS)-Erde haben.

Die VAX-Klientel nahm Olsen seit Jahren in die Pflicht: Offene und von VMS losgelöste Systeme brauche man, leistungsstark, ausbaufähig, dabei preiswert. Die Tücke eines solchen Anspruchs hatte schon IBM erkannt: "Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein", so versuchte ein Big-Blue-Manager aus dem Großsystem-Bereich die Absicherung der abbröckelnden Mainframe-Domäne durch Abschottung der proprietären Rechnerwelt zynisch zu rechtfertigen.

Die IBM präsentierte zwar schon Mitte 1991 ihre Variante von Offenheit, AIX/ESA. Die so unterschiedlichen Workstation und Midrange-Plattformen der AS/400-, RS/6000- und PS/2-Systeme unter ein Unix-Dach zum Gruppenbild zusammenzustellen, das fiel den Armonkern aus firmenpolitisch verständlichen Gründen indes nicht ein. Auch Digital mußte von den DV-Managern der installierten VAX-Basis erst zur Posix-Öffnung der auf den Vorruhestand zusteuernden VMS-Bastionen genötigt werden. Eine Offenbarung war das noch nicht.

Jetzt hat DEC die Katze aus dem Sack gelassen. Mit der Alpha-RISC-Entwicklung hebt der VAX-Verein nicht nur zum "Quantensprung ins nächste Jahrhundert" ab. Die Alpha-Marketiers versuchen sich darüber hinaus im anstrengenden Spagat. Denn einerseits sollen mit dem Prozessor alle Software-Umgebungen abgedeckt werden, die gut und auch zukünftig gefragt sind.

DEC will andererseits keinesfalls Mips und ACE ausgrenzen - gesteht aber mit gespieltem Understatement ein, Alpha werde "in seiner potentiellen Leistung sowie speziell auch in seinem Preis-Leistungs-Verhältnis die aktuellen Rechnerlinien ganz deutlich übertreffen."

So ironisch es klingen mag: Den DEC-Entwicklern um Dick Sites mag ein glänzender technologischer Touch-down gelungen sein, doch zur Ernte brauchen sie nun Helfer. Alpha, so ein Analyst, war finanziell eine solche Herausforderung, daß die Olsen-Company jetzt zum Markt-Erfolg verdammt ist. Doch das interessiert nur Digital.