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28.02.1992 - 

Kubota und Cray erste Alpha-Lizenznehmer

Digitals RlSC-Kraftakt belastet das Verhältnis zu Mips und ACE

MÜNCHEN (jm) - Digital Equipments Technologievorstellung des Alpha-Chips sorgt für einige Verwirrung in der Branche, nachdem bekannt wurde, daß neben der Cray Research Corp. und der englischen Barco Ltd. auch ACE-Mitglied und Mips-Lizenznehmer Kubota Ltd. Alpha-Systeme produzieren wird.

Während DEC-Offizielle äußerten, die RlSC-Entwicklung sei durchaus auch interessant für andere ACE-Mitglieder und dürfe als durchgängige Hardwareplattform vom Laptop bis zum Größtrechner verstanden werden, winkten Manager von Mips ab: Der laut Mitgliedervereinbarung einzig legitimierte Lieferant für die ACE-RISC-Plattform werte den Alpha-Chip lediglich als ein komplementäres Angebot zur eigenen RISC-CPU.

Auffallend ist, wie sehr alle Beteiligten bemüht sind, die Brisanz des DEC-Engagements in Sachen RISC-Entwicklung herunterzuspielen .

Beispielsweise Gerhard Burtscher, Geschäftsführer der in München ansässigen deutschen Mips-Tochter, will überhaupt keine Überschneidungen zwischen den zwei RlSC-Prozessoren der beiden ACE-Mitglieder ausmachen: In der Öffentlichkeit sieht es ja momentan so aus, als ob sich DEC mit Alpha wieder von ACE lossagt und auf die eigene Architektur setzt. Das ist aber definitiv nicht so."

Obwohl die Alpha-Entwickler um Dick Sites mittlerweile seit drei Jahren an DECs eigener RISC-CPU getüftelt haben und Digital somit neben dem offiziellen ACE-Engagement schon längst ureigene Pläne verfolgte, sieht man bei Mips keinen Grund, DEC eine Dolchstoßlegende anzuhängen. "Unser aktueller R4000-Chip ist für den Massenmarkt konzipiert worden, wir greifen auf bekannte Technologie zurück und werden peu Ó peu die Leistung unserer Rechner steigern. Mit dem Alpha-Prozessor geht DEC genau den umgekehrten Weg", erklärt Burtscher, nach dessen Meinung Mips auf den RISC-Vorstoß von DEC gleichwohl mit Gelassenheit reagieren kann.

Der Mips-Mann befindet sich allerdings mit seiner Meinung zur Positionierung der beiden RISC-CPUs nicht unbedingt im Einklang mit DEC-Offiziellen. Anläßlich eines Vorabtermins mit der Presse äußerten Offizielle des Midrange-Anbieters auf die Frage nach den Konsequenzen des DEC-RISC-Sonderweges für das ACE-Komitee: "Wir können uns durchaus vorstellen, daß Alpha auch für andere ACE-Mitglieder interessant ist." Demgegenüber vertritt Burtscher die Ansicht, der neue 64-Bit-Chip decke "vor allem den Leistungsbereich von Großrechnern ab, soll darüber hinaus natürlich die gesamte installierte VAX/VMS-Basis bedienen."

An Massenfertigung ist gar nicht zu denken

Hier sieht er sich einig mit John Mashey, dem Technologie-Guru bei Mips. Der Vice-President argumentiert, daß unter anderem die im Alpha-Chip angewandte 3,3-Volt- Technologie so schwierig zu verwirklichen sei, daß an eine Massenfertigung dieses Prozessors gar nicht zu denken sei. Mashey versucht zudem, einige Argumente von Branchen-lnsidern zu zerpflücken, die dem R4000 mangelnde Leistungsfähigkeit nachsagen.

Die Alpha-Lizenznehmer Cray Research und Kubota sehen das anders. John Rollwagen, CEO bei Cray, bekannte auf der Supercomputing Europe '92 in Paris Mitte Februar, man habe neben anderen sowohl die HP-, IBM-, Sun- als auch die DEC-RlSC-Designs unter die Lupe genommen. Ergebnis: Die Alpha-Architektur sei am zukunftsträchtigsten, weil am leistungstärksten und deshalb in kommenden massiv-parallelen Systemen von Cray zu finden.

Ähnlich argumentiert auch Eberhard Witte, Vice President of European Sales bei der Kubota Pacific GmbH in Köln. Seine japanische Mutter, der Traktorenhersteller Kubota Ltd., unternimmt nicht nur verstärkt Diversifizierungsanstrengungen im Elektronikmarkt, sie ist auch zu 15 Prozent an Mips beteiligt und hält Beteiligungen an den US-Unternehmen Maxtor Corp. und Maxoptix Corp., während die aus Stellar und Ardent hervorgegangene Stardent erst jüngst von den Japanern abgewickelt wurde.

"Alpha ist ein Technologiesprung"

Kubota Ltd. ist pikanterweise aber auch ACE-Gründungsmitglied. Zudem besteht seit Juni 1991 eine Vereinbarung mit Mips, derzufolge die Japaner auf deren Prozessoren basierende Boards und Systeme in Japan herstellen, verkaufen und warten.

Witte sieht die Lizenznahme von DEC-Technologie ganz pragmatisch: "Es gibt immer mal wieder Technologiesprünge - Alpha ist so einer. Wenn Sie sich nun einmal den Mips Prozessor ansehen, dann müssen Sie einfach feststellen, daß dessen Leistungsgrenzen bei 40 bis 60 MIPS ausgeschöpft sind." Außerdem sei Kubota mit der Auslieferung von R4000-CPUs nicht zufrieden. Nach Witte ist Mips mit der Lieferung im Rückstand: "Mips macht zwar ein R4000-Announcement, aber wann können die liefern?"

Beim Vergleich mit marktrelevanten Konkurrenzprodukten von HP und IBM habe es für Kubota nur noch eine Alternative gegeben: "Da mußte etwas ganz Neues her, um gegen die beiden konkurrieren zu können. Wenn Sie 100 bis 200 Specmarks bringen wollen, müssen Sie was anderes bieten, als das, was jetzt am Markt ist."

"7100"-Chip soll mehr als 120 Specmarks schaffen

In der Tat hat HP zeitgleich mit der Technologievorstellung von Alpha bei seinem PA-RISC-Produkt, das bislang als schnellstes am Markt galt, nachgelegt: Der neue "7100"-Chip soll es nach HP-Angaben auf mehr als 120 Specmarks bringen, was ihn von der Leistung her in die Nähe der erst als Prototyp verfügbaren 200-Megahertz-Variante des Alpha-Prozessors (150 Specmarks) rücken würde.

Viel interessanter dürfte die Beantwortung der Frage sein, wer die extrem hohen Investitionskosten wagen kann, um als Produzent der 0,5-Submikron-Architektur des Alpha- Chips auftreten zu können. Neue Technologieansätze, wie unter anderem die Verwendung von Kobalt-Werkstoffen und einer niedrigeren Spannung, stellen für Hersteller eine große Herausforderung dar.

Nach Ansicht von Wolfgang Stübich, Leiter Marketing für die Alpha-CPU bei der Digital Equipment GmbH in Unterföhring bei München, ist momentan nur DEC zur Produktion des Alpha-Chips in der Lage, für die Produktionsstätte einer 300-Megahertz-Version in Hudson, Massachusetts, allein habe die Olsen-Company rund 460 Millionen Dollar ausgegeben.

Gern genannte Kandidaten, die sowohl vom Know-how als auch von der Fähigkeit zu hohen finanziellen Vorleistungen zu Digital passen würden, sind Natsemi und besonders Texas Instruments. "Siemens kann so etwas übrigens auch", heizt Stübich das Rätselraten weiter an.