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06.10.2000 - 

Heidelberger Systemhaus setzt auf "Integrationsmaschine"

Dignos GmbH: Ein David will den EAI-Goliaths das Fürchten lehren

HEIDELBERG - Wer wie die Dignos EDV GmbH ein verhältnismäßig leicht anwendbares, gleichzeitig aber auch hochkomplexes Produkt mit bisher so nicht gekannten Möglichkeiten entwickelt hat, muss am Markt Überzeugungsarbeit leisten. Ein Job, der neben einem feinen Gespür fürs Machbare hin und wieder auch Durchhaltevermögen erfordert. Von Nicole Winkler*

"Zugegeben", sagt Chief Executive Officer (CEO) Rolf Lettmann, "für jemand, der sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt hat, hört sich unsere Lösung ein wenig nach "kaum zu glauben" an. Aber wer sie einmal in der Praxis erlebt hat, wird sehen, wie wirkungsvoll unser Ansatz ist."

Lettmann kennt die Vermarktungsklippen. Zwar ersetzt sein über Jahre entwickeltes Werkzeug die unverständlichen Befehlscodes und abstrakten Programm-Strukturen herkömmlicher IT-Systeme. Doch erst wenige Unternehmen haben bislang erkannt, welch ein mächtiges Instrument sich wirklich hinter "Dynamx" verbirgt: Eine Integrationsplattform zur dynamischen Verbindung und Steuerung von Geschäftsprozessen und Systemen. So müssen der Dignos-Chef und seine Leute regelmäßig Fingerspitzengefühl beweisen, wenn sie mit potenziellen Kunden sprechen: Referiert man zuviel über das Produkt, überfordert man manchmal die Zuhörer mit der Lösungsvielfalt der Suite, bleibt man zu sehr an der Oberfläche.

Die Plattform, um die sich alles dreht, ist schlicht eine Werkzeugkiste, genauer die "Dynamx Competence Suite", mit deren Hilfe es Unternehmen möglich wird, Produkte schnell und einfach zu entwickeln und ebenso unkompliziert auf den Markt zu bringen. Mit grafischen Benutzeroberflächen und Diagrammen haben die Heidelberger Software-Spezialisten die Bedienung und Programmierung dabei eigenen Angaben zufolge so einfach gemacht, dass nicht nur Informatiker das System an unterschiedliche Betriebsstrukturen anpassen können, sondern auch zum Beispiel Marketing-Manager oder Controller.

"Genau hier liegt eine unserer Stärken", meint Lettmann. "Wir integrieren das Fachwissen der jeweiligen Abteilung mit dem der IT-Spezialisten." Die Beschreibung des Workflows, der Prozessdefinitionen und der Produktstrukturen erfordere nämlich keine Kenntnisse einer Programmiersprache, sondern könne in einer weitgehend natürlichsprachigen Syntax erledigt werden. Der Clou dabei ist, dass sich die dafür notwendige Entwicklung zusätzlicher Verwaltungssysteme quasi automatisch ergibt, erklärt der Dignos-Chef. Erreicht wird dies durch eine Geschäftsprozess-Modellierung, die ohne weitere Entwicklungs- oder Codierarbeit die automatisierte Steuerung und Durchführung der Abläufe übernimmt.

Kern der Prozesssteuerung ist eine "Process Engine", ein XML/C++-/ Java-basierter Application Server. Sie macht es möglich, die drei Disziplinen EAI - Enterprise Application Integration, CRM - Customer Relationship Management sowie ERP - Enterprise Resource Planning miteinander zu verbinden. Anforderungen beziehungsweise Schlüsselbereiche einer zeitgemäßen IT, die heute noch vielfach getrennt voneinander gesehen werden. Während traditionelle Ansätze zur Integration unterschiedlicher Systeme oft aus dem Middleware-Bereich stammen und ihnen daher meist der notwendige Grad an Flexibilität und Transparenz fehlt, bietet "Dynamx" Lettmann zufolge einen neuen Ansatz. Als eine "Business-driven"-Integrationsplattform kann man mit dem Tool geschäftliche Anforderungen schnell formulieren. Anders formuliert: Während traditionelle Ansätze ihren Schwerpunkt auf die Prozessorganisation im Unternehmen legen, spielt beim Dignos-Konzept das Produktmanagement eine tragende Rolle.

1983 gegründet, konzentrierte sich Dignos zunächst auf Consulting mit dem Schwerpunkt auf Entwicklungsfragestellungen und Systemarchitekturen. Knapp zehn Jahre später holte MLP - damals noch überwiegend als Versicherungsmakler tätig, die Softwarespezialisten ins Haus: Dignos sollte die IT-Struktur innerhalb des Konzerns aufbauen und parallel dazu Lösungen für den Versicherungsmarkt stricken. Zur Zeit der Übernahme machte das Beratungs- und Systemhaus mit 45 Mitarbeitern rund acht Millionen Mark Umsatz. Um die Weiterentwicklung und Vermarktung der "Dynamx"-Produkte zu forcieren, hat sich das Unternehmen allerdings 1999 wieder vom Finanzdienstleistungskonzern MLP gelöst, der heute noch 40 Prozent an der Dignos EDV GmbH hält. Im entsprechenden Rumpfgeschäftsjahr (neun Monate) konnte man 6,9 Millionen Mark Umsatz erzielen; die Planzahlen für 2000 liegen bei zwölf Millionen Mark - mit mittlerweile rund 60 Mitarbeitern.

Bei der Entwicklung der neuen Lösung stützte man sich natürlich auf die Erfahrungen, die man mit MLP gemacht hat - war es beim ehemaligen Mutterkonzern doch quasi übergeordnetes Projektziel, ein Verwaltungssystem für so genannte Bündelprodukte zu entwickeln, das spartenübergreifend und sogar produzentenübergreifend ist. Dabei waren zwei Dinge gefordert: Einerseits sollte es möglich sein, neue Produktpakete aus mehreren verschiedenen Versicherungs- und Finanzprodukten zusammenzustellen, und zweitens sollten die Mitarbeiter diese Produkte schnell und einfach verwalten können. Dafür war es zwingend notwendig, im Hintergrund die einzelnen Verträge aufzusplitten und die einzelnen Vertragsteile neu und konsistent zusammenzusetzen.

So implementierte Dignos bei MLP seit 1997 in mehreren Release-Schritten die erwähnte "Dynamx-Competence-Suite", die im so genannten Integration Business Modeller entsprechende Prozesse und Produkte beschreibt und im Integration Production Center (Application Server) ausführt. Zusätzlich hat man mit Hilfe des in besagter Suite integrierten "Connector Wizard" alle Fremdsysteme in den Prozess eingebunden. Das Time-to-Market, die Zeitspanne von der Konzeption eines Produkts bis zu seiner Markteinführung, hat sich nach Darstellung von Lettmann damit um den Faktor zwei bis drei reduziert.

Erklärtes Ziel des Dignos-Chefs ist es nun, den Kundenstamm zügig auszubauen, um über weitere Referenzen eine schnelle Multiplikatorwirkung zu erzielen. Zudem ist geplant, zusätzliche Partnerunternehmen zu gewinnen, die die die Integrations-Plattform nicht nur vertreiben, sondern auch als Systemintegrator beim Kunden implementieren. Auch ist daran gedacht, verstärkt auf Consulter zuzugehen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Weitere Branchenlösungen sind in VorbereitungDenn der Markt, in dem man sich bewegt, ist hart umkämpft - positioniert man sich doch, wie eingangs beschrieben, genau dort, wo die "Königsdisziplinen" EAI, ERP und CRM ineinandergreifen (müssen). Die Liste der Wettbewerber reicht deshalb, um nur die prominenten Namen zu nennen, von klassischen Middleware-Spezialisten wie Bea Systems über CRM-Anbieter à la Siebel Systems bis hin zu Computer Associates (CA) und Oracle.

Rolf Lettmann kennt also nicht nur die Vermarktungsklippen, sondern weiß, dass es auch noch weiterer Vertriebsanstrengungen bedarf. So plant er zum Beispiel, weitere Branchenlösungen zu entwickeln. Ein Beispiel ist die "High-Port-Software", auf deren Basis die Heidelberger zur Zeit eine neue Unternehmenssoftware für das weltweite Filialnetz von Holiday Autos entwickeln. Das in Kürze einsatzbereite System soll nicht nur Mietwagenbuchungen über eine Schnittstelle zu Reservierungssystemen wie Start und Galileo bearbeiten, sondern auch kombinierte Buchungen (z.B. Flug, Mietwagen, Theaterkarte etc.) wahlweise über das Internet ausführen können.

*Nicole Winkler ist freie Journalistin in München.