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21.12.1990 - 

Senior Vice-President Smith: Umsatzwachstum wichtiger als Profit

Digtal-Mitarbeiter befürchten Entlassungen zum Jahresanfang

BOSTON (CW) - Die Digital Equipment Corp., Maynard, legt ein Sparprogramm von einer Milliarde Dollar Volumen auf und rückt Stühle im Top-Management: für Insider sichere Anzeichen, daß entgegen früheren Ankündigungen vielleicht schon im Januar die ersten Entlassungen in der 33jährigen Konzerngeschichte anstehen.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, wurde Donald P. Zereski, bisher als Vice-President für die Endkundenbetreuung verantwortlich, nach Einschätzung leitender Konzernangehöriger mit erheblich erweiterten Kompetenzen ausgestattet. Er übernimmt neben zusätzlichen Verantwortungsbereichen als neuer Vice-President der amerikanischen Sales- und Service-Organisation bei Digital die Aufgaben von David W. Grainger. Dieser wird in seiner neuen Position künftig die Beziehungen des Hardwarezweiten zu Distributoren und Wiederverkäufern regeln.

Seit etwa einem Jahr sehen Branchenexperten DEC auf dem absteigenden Ast, weil zu teuer gearbeitet werde. So bezifferte Ende September ein Analyst den jährlichen Pro-Kopf-Umsatz des Konzerns auf 100 000 Dollar. Im Vergleich dazu generiere jeder Mitarbeiter von Hewlett-Packard einen Anteil am Geschäftsvolumen in Höhe von 158 000 Dollar; bei IBM betrage der Wert gar 180 000 Dollar. Der einstimmige dringende Rat der Börse: DEC müsse radikal Personal abbauen. Die Empfehlungen hierzu schwankten zwischen zehn und 20 Prozent des derzeitigen Mitarbeiterstandes von 123 000.

Der Computerkonzern orientiert sich seit etwa einem halben Jahr an diesem Konzept, wenn auch nicht im geforderten Ausmaß: Vor Ablauf des Geschäftsjahres 1989/90 zum 30. Juni dieses Jahres waren bereits 3000 Stellen weggefallen; noch einmal 7000 Mitarbeitern wurde der freiwillige Abschied mit Hilfe von Ausstiegsprämien nahegelegt.

Laut "Wall Street Journal" bezifferte allerdings eine DEC-Sprecherin die Zahl derer, die bisher dieses Angebot angenommen hätten auf lediglich 600.

Unter den Mitarbeitern werden die Gründe für die Misere wohl anderweitig lokalisiert, wie der E-Mail-Verkehr im Unternehmen vermuten läßt. So lautet eine von der US-Börsenzeitung zitierte Message an John Smith, Senior Vice-President for Operations und rechte Hand von DEC-Präsident Ken Olsen: "Hier draußen wird das Management nicht als Teil der Lösung, auch nicht als Teil des Problems angesehen, sondern vielmehr als das Problem!" Der Text, so das "Journal", erreichte eine große Verbreitung in DECs E-Mail-Netz.

Die finanziellen Probleme scheinen jetzt auch Olsen von seiner Weigerung abzubringen, durch Entlassungen Kosten einzusparen. Nach seiner Einschätzung ist DEC dennoch gut gerüstet, die Rezession in der DV-Branche zu überstehen. Er verwies auf flüssige Mittel in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar und auf verschiedene neue Produkte, die geeignet seien, den Marktanteil seines Unternehmens zu erhöhen.

Schnelle Profite, darüber ist man sich in Maynard jedoch im klaren, wird man so nicht erwirtschaften können. Daraus resultiert die Strategievorgabe von John Smith: "Zwar steht der Profit im Mittelpunkt unseres Interesses, weit wichtiger jedoch ist es, Umsatz zu generieren darin liegt unsere Zukunft."

Als Branchenzweitem bleibt Digital nur ein Orientierungspunkt: die IBM. So zirkuliert nach Informationen des "Wall Street Journal" seit geraumer Zeit in Vorstandskreisen eine Studie mit dem Titel: "Why is IBM growing and what should Digital do about it?" Das Papier legt eine Reorganisation auf breiter Front nahe, unter anderem die Verlagerung von Ressourcen weg von heimischen Standorten in schnellwachsende Märkte, etwa nach Japan. In Europa sollten laut Empfehlung die VAX-Verkäufe angekurbelt werden. Nicht völlig neu ist dagegen die Aufforderung, sich auf die Entwicklung Unix-basierter Hardware zu verlegen, die mit den margenträchtigeren proprietären Systemen zusammenarbeiten sollten (siehe CW Nr. 45 vom 9. November 1990, Seite 4: "DEC kann sich...).