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18.01.1980 - 

Medizinerfragen über Euronet beantwortet:

Dimidi: Ärzteinformation für wenig Geld

18.01.1980

MÜNCHEN - Dimidi heißt das medizinische Host-Informations-System, das über Euronet Diane von ganz Europa aus befragt werden kann. Noch ist ein hoher Prozentsatz der auf den Euronet-Datenbanken gespeicherten Informationen nur in Englisch abrufbar, aber Bestrebungen gehen dahin, die Inhalte der verschiedenen Host-Systeme auch in andere europäische Sprachen zu übertragen. Besonders zu bemerken, weil für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich, ist die standardmäßige 15-Minuten-Verbindung unabhängig vom Ort des Teilnehmers und angewählten Dienstes mit Kosten unter 15 Mark. Im folgenden Auszüge aus dem Bericht, wie er in Acta Medicotechnica Nr. 5 erschienen ist.

Auf den meisten Gebieten hinkt Europa hinter den USA nach, zumindest was den Einsatz und die Entwicklung moderner Techniken anbetrifft, und zwar nicht allein in der Forschung und Spezialanwendungen, sondern auch im alltäglichen Berufs- und Wirtschaftsleben. Die EG-Kommission hat deshalb einige Bemühungen angeregt, die zuerst einer wirksamen Informationsübertragung Vorschub leisten sollten, und die jetzt eher auf Bestrebungen zu einer "Europäischen Informations-Industrie" hinauslaufen.

Es wäre schön, berichten zu können, daß heute jeder forschende Mediziner das nächste Telefon aufnehmen könnte, um sich Sonderinformationen über Karzinogene oder die Zusammensetzung eines neuen Antibiotikums zu holen. Über 400 Datenbanken sind dem europäischen Publikum zugänglich, aber hohe Kosten und die geringe Zahl von Anschlüssen sind notorisch. So wurde Euronet ins Leben gerufen, um in Zusammenarbeit mit den neun PTTs eine billigere und zugriffsfreundliche Lösung zu finden.

Unter dem Namen Diane (Direct Information Access Network for Europe) werden etwa 150 Datenbanken über Host-Systeme erreichbar sein. Eine davon ist Dimidi, die die medizinischen Datendienste umfaßt.

Die geringen, distanzunabhängigen Kosten sollen als erster Schritt dazu gesehen werden, die kleinen und mittelgroßen Institute und informationsbedürftigen Stellen zum Gebrauch der Datenbanken zu ermuntern. Daneben muß dafür gesorgt werden, daß die Rechtsprobleme, wie Copyrights und staatseigene Informationen sie darstellen, geklärt werden. Ein Stab von Spezialisten ist dabei beratend und entwickelnd behilflich.

Ein wichtiger Punkt sind die Probleme des Menschen im Umgang mit Datendiensten. Es genügt nicht, um zum Beispiel Dimidi zu verwenden, sich hinzusetzen und den Computer einzuschalten. Neben den Kosten- und Ausstattungsfragen braucht der Benutzer selbstverständlich eine Einschulung in die verschiedenen Vorgangsweisen der Abfrage. Ausreichende Hilfen der einzelnen Service-Dienste und Einfachheit in der Bedienung des Systems sind Grundvoraussetzungen. Klare Anweisungen, einfache Bedienungshandbücher und eine vergrößerte Anzahl an Trainingskursen sollen bei Diane die nötige Unterstützung liefern. Zusätzlich wurde eine standardisierte Abfragesprache entwickelt, die bereits auf fünf oder sechs Datenbanksystemen installiert und besonders weit für Dimidi fortgeschritten ist.

Die bisher zu 70 Prozent auf das Englische beschränkten Informationen sollen nicht in Form einer Sprachbarriere am freien Gebrauch hindern. Da auch in der Arbeit der EG eine große Anzahl an Übersetzungen zu bewerkstelligen ist, hat man für dieses Problem sehr viel Verständnis. Ein Fünfjahresprogramm mit Namen "Eurotra" wurde vor kurzem festgelegt, um ein europäisches automatisiertes Übersetzungssystem zu entwerfen, das sowohl an neue sprachliche Modelle wie auch an neue Generationen von Datenverarbeitungshardware angepaßt werden kann.

Nicht zu übersehen ist allerdings die Wirkung der Einführung eines solchen Werkzeuges, wie es die Datenbank ist, auf die Gesellschaft. Genauso wie die Schriftsetzer ehemals bei der Londoner "Times" ihren Posten verloren haben, könnten sich hierbei große Veränderungen in der Erziehung, Städteplanung und natürlich im Gesundheitswesen ergeben. Europa, so steht zu erwarten, wird sich von den vorwiegend industriellen Tätigkeiten wegbewegen, hin zu dem, was die Japaner "die Informationen-Gesellschaft" nennen.

Die Gefahr besteht allerdings, daß Europa zur Jahrhundertwende keine informationsbewußte, sondern eine informations-abhängige Gesellschaft werden kann.

*Professor G. J. Anderla ist Direktor für das Informations-Management der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Luxemburg