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04.04.1975

DIN 66220: Alter Wein in neuen Flaschen

Jörg E. Richter ist geschäftsführender Gesellschafter der ADVPS Softwarepartner KG

Ein Standard aus der Zeit der sequentiell organisierten Dateien ... Die praktische Bedeutung muß an den Erfordernissen der heutigen Datenbank-Organisationen gemessen werden ... Update-Dateien nur unter Zerstörung der Ablauflogik möglich ... Widerspruch zu Grundsätzen der Strukturierten Programmierung ... Restriktive Standardisierungs-Philosophie ... Nichts für die frustrierte DV-Mannschaft ...

Die Eselsbrücke für Gruppenwechsel

Ein Steuerungsalgorithmus, der dem Programmierer eine Eselsbrücke für die Behandlung von Gruppenwechseln bei der Zusammenführung und Auswertung sequentiell organisierter Dateien baut, war die Basis für den Entwurf einer Programmier-Norm. Die dafür gewählte Bezeichnung "Normierte Programmierung" läßt erkennen, daß daran ernsthaft die Hoffnung geknüpft wurde, einen Ansatz gefunden zu haben, der die Vereinheitlichung der Programmierung in Aussicht stellt. Vor etwa zehn Jahren wurde genau dieser Ansatz mit dem Beitrag "So läßt sich die Programmierung schematisieren" von Friedrich A. Meyer in einer bekannten Fachzeitschrift vorgestellt. Damals war also die Welt der Programmierung jenseits der Verarbeitung sequentiell organisierter Band-Dateien zu Ende.

Ein historisches Begriffsrelikt im Zeitalter der Datenbanken

Heute, wo die Datenbankorganisation immer mehr an Bedeutung zunimmt, und angesichts der Methode der Strukturierten Programmierung ist der Begriff "Normierte Programmierung" ein historisches Begriffsrelikt.

Die Einschätzung ihrer Bedeutung muß deshalb zurückgesteckt werden auf die Erkenntnis, daß sie nichts weiter ist, als eine Wiedergabe der ersten Report-Programm-Generatoren. Die Norm ist im Endeffekt ein Beispiel vom alten Wein in neuen Flaschen.

Der Anwender hat nur etwas davon, wenn die Problemstellung innerhalb des zugelassenen Rahmens liegt

Der Wunsch durch systematischen Ausbau dieses Programmierstandards weitere "DV-Provinzen" zu erschließen, ist nicht erfüllbar. So gelingt beispielsweise der Versuch, die Bearbeitung von Update-Dateien im Nachhinein hierin aufzunehmen, nur unter totaler Zerstörung der vorgegebenen Ablauflogik.

Der Entwurf der Normierten Programmierung beinhaltet eine rudimentäre lineare Programmstrukturierung.

Sie steht im krassen Widerspruch zu den Grundsätzen der Strukturierten Programmierung und ist daher untauglich für alle jene Anwender, die das Know-how Ihrer Programmiermannschaft auf das Niveau der modernen Software-Technologie heben wollen. Die Normierte Programmierung basiert auf einer restriktiven Standardisierungsphilosophie. Die sich daraus für den Anwender ergebenden Vorteile kommen nur zum Tragen, wenn die Problemstellung genau innerhalb des zugelassenen Rahmens liegt. Die Komplexität heutiger Aufgabenstellungen sprengt diesen Rahmen und es wäre geradezu grotesk, die Systemplanung auf das Programmierwerkzeug ausrichten zu müssen statt umgekehrt. Deshalb ist die Programmier-Norm nichts für Anwender, die der Frustration ihrer DV-Mannschaft entgegen wirken wollen.

Erforderlich ist ein neuer Norm-Entwurf für einen generellen, weitreichenden Standard

Die mit der Zeit wuchernde Zahl verschiedener Standards stört andererseits die großräumige Kommunikation empfindlich. Zu fast jedem Standard gibt es gleichwertige Alternativen. Keiner könnte wegen herausragender Vorteile für sich in Anspruch nehmen, bevorzugt zu werden. Darum gibt es keinen plausiblen Grund, der einen Konsensus der Anwender leicht machen könnte.

Doch ist es keinesfalls wünschenswert, wenn der bisherige Norm-Entwurf ein marktpolitisches Machtmittel Durchsetzung eines speziellen Standards würde. Wünschbar ist ein genereller, weitreichender, nichtrestriktiver Standard. Ein solcher Standard verbindet Einfachheit mit Freiheit an Möglichkeiten - Profit mit Arbeitsspaß! Der Weg zu diesem Standard ist schwerer, aber er überwindet die Auffassung von Geboten und Verboten und führt zu wenigen Elementarmustern, aus denen sich die Programmierung voll entfalten kann. Die moderne Software-Technologie ist auf dem besten Wege zu diesem Standard. Deshalb sollten wir für einen neuen Norm-Entwurf das Ergebnis der Studie über "moderne Programmiermethoden, die einen Normungs-Effekt bewirken", des Bundesministeriums für Forschung und Technik, abwarten!