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04.04.1975

DIN 66220 oder Strukturierte Programmierung?

04.04.1975

Die Einspruchsfrist ist am 31. März abgelaufen. Mindestens sechs deutsche Softwarehäuser haben protestiert. Der vom "Fachnormenausschuß Informationsverarbeitung" (FNI) im "Deutschen Normenausschuß" (DNA) vorgelegte Norm-Entwurf DIN 66220 "Programmablauf für die Verarbeitung von Dateien nach Satzgruppen" ist damit auf weiteres blockiert.

Hätte man sich nicht freuen sollen, daß eine Gruppe von DV-Spezialisten ehrenamtlich und mit viel Arbeitsaufwand ein verbindliches Regelwerk für den Ablauf von Anwendungsprogrammen erarbeitete und sich somit ein Ende des Wirrwarrs um die optimale Programmablaufsteuerung Ó la GOAL, NPG, PAS, SNOP, SPL, Stico und vielen mehr abzeichnete? Was lief falsch?

Den Vorsitz im entsprechenden DIN-Ausschuß hatte Wolfgang Pätzold, Geschäftsleitung ADV/Orga, Stellvertreter war Helmut Hoseit, Geschäftsleitung ADV/Orga. Und auf die Macher kommt es an. Das Ergebnis: Die Normierung der Programmierung deckt sich nicht nur weitgehend, sondern nahezu vollständig mit der "Normierten Programmierung", die von ADV/Orga seit Jahren erfolgreich in Verbindung mit dem Generator für Normierte Programmierung (NPG/advor 643) vertrieben wird.

Nur ein Streit der Software-Häuser?

Dahinter steckt vermutlich Absicht, - aber nicht notwendigerweise böse Absicht, denn sicherlich ist man bei ADV/Orga davon überzeugt, daß die vorgelegte Norm die optimale Lösung ist. Die Konkurrenz aber sieht rot. Sie befürchtet:

1. Die Normierung könnte zur Folge haben, daß Bonner Fördermittel als Zuschuß für die Entwicklung von Standard-Software-Paketen nur solchen Projekten zufließen, die dem ADV/Orga-Konzept entsprechen.

2. Auch für Aufträge der öffentlichen Hand könnte die Norm-Erfüllung Bedingung werden.

Bis dahin handelt es sich noch um einen Streit der Software-Häuser, der die Anwender nicht zu interessieren braucht. Aber es gibt auch zusätzliche, wesentlich wichtigere Einwände gegen DIN 66220, die zu einer interessanten Diskussion über neue Software-Technologien führen dürften, von der die Praktiker profitieren werden.

Die zentrale Frage ist: Lohnt es, heute noch eine Vorgehensweise zu normieren, die längst überholt ist? Mittlerweile haben Magnetplatten sich doch weiter verbreitet, als die NPG-Fans wahrhaben wollen. Mehr und mehr werden Update-Dateien verwendet, - die Programme schreiben genau dorthin zurück, woher sie gelesen haben. Das Management solcher E/A-Operationen überläßt man speziellen Macros oder Datenbankverwaltungssystemen. Die DIN-Lösung zur Verarbeitung sequentieller Dateien ist hier ineffizient, die nicht-sequentielle Verarbeitung ist nicht vorgesehen.

Wird aus Theorie nun Praxis?

Die allumfassende Lösung soll die Strukturierte Programmierung bieten. Die einspruch-erhebenden Software-Häuser wissen wovon sie sprechen, denn viel intensiver als bei den Anwendern hat man in diesen Firmen die Entwicklung neuer Software-Technologien durch die Wissenschaft verfolgt. Man bemühte sich, die Theorien von Dijkstra und anderen "Vätern der strukturierten Programmierung" in die Praxis umzusetzen, weil jede kostengünstige Erstellung von Software durch neue Methoden das Geschäftsergebnis verbessert.

Die Software-Häuser würden eine sehr notwendige Funktion als Mittler neuer Erkenntnisse zwischen Informatik und Praxis erfüllen, wenn sie mit der Begründung ihrer These, daß eine allumfassende, effizienterte Normung der Programmier-Technik auf Basis der strukturierten Programmierung möglich ist, die Vorteile der sogenannten "Modernen Softwaretechnologie" breiten Anwenderkreisen deutlich machten.

Es lohnt sich, die kommende Diskussion zu verfolgen.