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16.11.1979

Diplom-Kaufmann Helmut Nowak, stellvertretender Schulleiter am b.i.b. Bildungszentrum für Informationsverarbeitende Berufe e. V., Paderborn. Wer wie wir in unserem Bildungszentrum in Paderborn den Andrang auf die Studienplätze und die intensive Nachfrag

Diplom-Kaufmann Helmut Nowak, stellvertretender Schulleiter am b.i.b. Bildungszentrum für Informationsverarbeitende Berufe e. V., Paderborn.

Wer wie wir in unserem Bildungszentrum in Paderborn den Andrang auf die Studienplätze und die intensive Nachfrage nach ausgebildeten Wirtschaftsinformatikern täglich erlebt, stellt die hervorragende Attraktivität des Informatikerberufes nicht in Frage. Mangelnde Attraktivität ist sicher nicht die Ursache für den "leergefegten Personalmarkt" für EDV-Fachkräfte. Ursache sind die ständig steigende Nachfrage und das knappe Angebot.

Und dabei stehen wir erst am Anfang des "informationstechnologischen Zeitalters" und müssen im nächsten Jahrzehnt mit einem ständig wachsenden Bedarf an Informatikern rechnen.

Für das b.i.b. stellt sich deshalb nicht die Frage nach der Attraktivität. Aus unserer Sicht gilt es, das Problem zu lösen, wie man möglichst viele Menschen an die Informatik heranfahren kann, um den Zukunftsbedarf auf dem Arbeitsmarkt annähernd zu befriedigen.

Als erstes sehen wir die Aufgabe notwendiger Überzeugungsarbeit, daß in Anbetracht kommender Entwicklungen insbesondere im Bürobereich neben einer fundierten beruflichen Ausbildung in einem Anwendungsbereich eine gründliche Ausbildung in EDV als Doppelqualifizierung zur Sicherung des zukünftigen Arbeitsplatzes dringend erforderlich ist.

Es müssen Bildungsgänge mit anerkannten Abschlüssen für die verschiedensten Zielgruppen angeboten werden, die auf die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit zielen. Darunter verstehen wir Bildungsgänge, die die Ausbildung in EDV und in wirtschaftlichen oder technischen Anwendungsbereichen mit allgemeinbildenden Fächern verbinden.

Es ist auch zu überlegen, ob die Informatik viel früher im Schulsystem funktionsorientiert angebunden sein sollte, um die Schwellenangst gegenüber der EDV frühzeitig zu überwinden und die Interessen späterer Arbeitnehmer zukunftsorientiert in Richtung Informatik zu kanalisieren. Dies wiederum setzt eine systematische, breite und dauernde Lehrerfortbildung voraus.

Es geht unserer Meinung nach also nicht darum, die bestehende Attraktivität des Informatikerberufes noch weiter zu erhöhen. Es geht darum, die Attraktivität, die Zukunftsorientierung die Arbeitsplatzsicherung dieses Berufes breiten Schichten bewußt zu machen und innen die EDV nahezubringen, um den großen Umwälzungen in den achtziger Jahren und dem damit verbundenen großen Personalbedarf im Bereich der Informatik rechtzeitig zu begegnen.

Prof. Dr. Clemens Hackl

IBM Deutschland GmbH, Stuttgart

Ich möchte mich beschränken auf die Situation der Informatikausbildung an den Universitäten. Gegenwärtig werden an 15 Universitäten Informatikstudiengänge mit dem Abschlußtitel "Diplom-Informatiker" angeboten. Zur Verfügung stehen etwa 1600 Studienplätze. Eingeschrieben sind derzeit etwa 6200 Studierende mit Informatik als Hauptfach und etwa die gleiche Anzahl von Studierenden mit Informatik als Nebenfach in Verbindung mit anderen Fachrichtungen, zum Beispiel der Ingenieurwissenschaften, der Betriebswirtschaft oder der Naturwissenschaften.

Das Informatikstudium ist ein grundlagenorientiertes Studium mit dem Ziel, den Absolventen einen breiten Einstieg in die Berufe der Datenverarbeitung zu ermöglichen. Trotz der zum Teil heftigen Kritik an dieser Grundlagenorientierung des Studiums, hat sich der Studiengang im Ganzen bewährt. Eine Umfrage zur Berufssituation der Diplom-Informatiker, die die Gesellschaft für Informatik vor zwei Jahren durchführte, hat gezeigt, daß die Absolventen in einem breiten Spektrum von DV-Berufen Bereichen tätig sind, im Bereich der Anwendungen bei großen, mittleren und kleineren Unternehmen, bei den Herstellerfirmen sowie in Forschung und Wissenschaft. Hinsichtlich der Zahl der Absolventen sind allerdings Wünsche offen. Innerhalb der ersten vier Semester des Studiums geben rund 30 Prozent der Studierenden vor Abschluß des Vordiploms auf. Bis zum Abschluß des Studiums sind es beinahe 50 Prozent, so daß von 1600 Studienanfängern eines Jahrganges nur etwa 800 die Hochschulen verlassen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird aber auch diese Zahl nicht erreicht. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften der Datenverarbeitung wird durch diese geringe Zahl von Absolventen in keiner Weise abgedeckt. Auch für die nächsten Jahre ist keine wesentliche Änderung zu erwarten, so daß auch weiterhin die Berufsaussichten der Diplom-Informatiker sehr gut sein werden.

Was kann man nun tun, um die Zahl der Absolventen, die dringend benötigt werden, zu vergrößern?

1) Vordringlich sollte man die Ursachen für die hohe Abbruchquote, auch im Vergleich zu anderen Studiengängen, genauer untersuchen. Ist es die zu starke Grundlagenorientierung der ersten Semester, sind es Motivationsverluste durch zu geringe praktische Tätigkeit in der Anfangsphase des Studiums, hat es andere Ursachen, beispielsweise die Richtlinien der Studienförderung (Bafögunterstützung)?

2) Neben dem Hauptfachstudium Informatik gewinnt sicherlich ein Nebenfachstudium der Informatik in Verbindung mit anderen Fachrichtungen zunehmend an Bedeutung. Dazu ist es erforderlich, das Nebenfachstudium der Informatik in der rechten Weise einzubauen, etwa in das gewählte Hauptfach. Dies setzt aber eine Integration der Datenverarbeitung in die verschiedensten Diszipline voraus, die bisher nicht geleistet wurde. Hier ist ein großes Arbeitsfeld für alle Fachrichtungen an der Universitäten.

3) Fragen des Berufsbezuges der Studieninhalte und die Verbindung zur Praxis sind ein anderes weites Feld, in dem noch viel getan werden kann, um das Informatikstudium besser zu profilieren. Immerhin ist es aber bemerkenswert, daß bereits 70 Prozent aller Studierenden während des Studiums berufliche Erfahrungen in Ferialpraktika sammelt.

4) Ein weiterer großer Bereich stellt die Fort- und Weiterbildung der DV-Fachkräfte dar. Auch in diesem Bereich können die Universitäten sicherlich einen bedeutenden Beitrag leisten, vorausgesetzt die personellen, organisatorischen und technischen Fragen werden gelöst.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß sich im Universitätenbereich die Informatikausbildung bewährt hat. Es ist zu erwarten, daß mit zunehmender Einführung von Informatikkursen in der Oberstufe der allgemeinbildenden Schulen auch der Zustrom zum Informatikstudium sich verstärken wird, mit der dann allerdings sich abzeichnenden Möglichkeit einer erneuten Studienbeschränkung durch einen Numerus clausus. Damit wäre aber kaum jemanden gedient.

Professor Dr. Hans Robert Hansen

Ordinarius für Elektronische Datenverarbeitung am Institut für Unternehmensführung und Vorstand des EDV-Zentrums der Wirtschaftsuniversität Wien

Sämtliche Prognosen über den künftigen Bedarf an Wirtschaftsinformatikern mit Universitätsausbildung - und nur von diesen soll hier die Rede sein - signalisieren auch langfristig glänzende Berufsaussichten. Besonders günstig sind die Perspektiven in den Bereichen der EDV-Anwendungsentwicklung (Organisation, Systemanalyse) und des Vertriebs. Der Verband der Hochschullehrer e. V. berichtete auf seiner Jahrestagung 1979 von einer "Sonderkonjunktur" für Wirtschaftsinformatiker.

Die renommierte Beratungsgesellschaft Diebold konstatiert "einen Verkäufermarkt für EDV-Personal, der die Nachfrage bei weitem nicht befriedigt" und "gute Zeiten für Hochschulabsolventen". Die für den Zeitraum 1973 bis 1980 ermittelte Nachfrage nach Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge mit Nebenfach Informatik umfaßt nach Diebold in der BRD 12 000 offene Stellen. Das Angebot an Hochschulabgängern wird im gleichen Zeitraum nur auf 2100 veranschlagt. Trotz Anfangsgehältern von kaum unter 40 000 Mark pro anno ist ein Abbau des Nachfrageüberhangs nicht absehbar.

Die CW fragt, was man dagegen tun, wie man den Beruf des Informatikers noch attraktiver gestalten kann? Hierauf kann eigentlich die Anwort lauten, daß die verschiedenen Berufe im Zusammenhang mit der modernen Informationstechnologie bereits heute eine außergewöhnliche Attraktivität besitzen, die es anscheinend aber mehr in das Bewußtsein der Öffentlichkeit zu rücken gilt. Daneben, kann natürlich auch die Hochschulausbildung ohne Zweifel noch attraktiver und vielfältiger gestaltet werden.

Für jeden Abiturienten sind bei der Berufswahl im wesentlichen drei Faktoren von besonderer Bedeutung:

- Die eigenen Neigungen und die Chancen, diese zu verwirklichen,

- die Ausbildungssituation und

- die Zukunftsaussichten des Berufsfeldes, für das er sich entscheidet.

Dahingehende Informationen sollten möglichst bereits im Sekundarschulbereich vermittelt werden. Sie sind unabdingbar in dem normalerweise sehr breit angelegten wirtschaftswissenschaftlichen Grundstudium, damit der Studierende über die Chancen einer EDV-Spezialisierung im Hauptstudium unterrichtet wird. Sehr häufig steht das Informatikstudium in dem Ruf, stark technologieorientiert und quantitativ ausgerichtet zu sein was jedoch für die Wirtschaftsinformatik keineswegs zutrifft! Vorurteile können jedoch nur durch die Auseinandersetzung mit der Realität, hier durch Rechnerübungen und ähnliches mehr, abgebaut werden. Je breiter eine derartige Öffentlichkeitsarbeit" angelegt ist, ,um so mehr dürfte dies den Zustrom von Studierenden anregen.

Informationen über das Tätigkeitsfeld, die Berufsperspektiven und das Studium der Wirtschaftsinformatik können durch folgende Maßnahmen vermittelt werden:

- Ein Pflichtfach Informatik an höheren Schulen,

- eine dahingehende Berufsberatung vor dem Schulabschluß,

- EDV-Pflichtveranstaltungen zum Studiumbeginn,

- Orientierungsveranstaltungen gegen Ende des Grundstudiums (viertes Semester), um über Ziele und Inhalte eines Wirtschaftsinformatik-Schwerpunktstudiums zu informieren, und

- eine begleitende Studienberatung.

Letztere kann zunächst in Form einer Gruppenberatung im Rahmen EDV-Einführungsveranstaltungen stattfinden. Sie sollten sich auf die gesellschaftlichen Aufgaben, die soziale Geltung und die Entwicklung der Datenverarbeitungsberufe, die Art und den Umfang der notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten, die Aus- und Fortbildungswege, die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie die langfristigen Berufsaussichten beziehen. Diese Gruppenberatung sollte für Interessenten vor Beginn des Hauptstudiums durch eine Einzelberatung vertieft werden, die unter Berücksichtigung der Vorkenntnisse und Erfahrungen der Studierenden zu individuellen Ausbildungsplänen führt und sich über das gesamte Studium fortsetzt.

In einer Studienanleitung sollten zudem die einzelnen Lehrveranstaltungen genau beschrieben werden. Eine derartige Broschüre muß ferner Empfehlungen für die Vorgehensweise beim Studium, Angaben über die Voraussetzungen und die Form der Kurse, Hinweise auf Begleitliteratur, computerunterstützten Unterricht und ähnliches mehr enthalten. Schließlich sollte die Studienanleitung dem Studierenden dabei helfen, häufig auftretende Anfangsschwierigkeiten und im fortgeschrittenen Studium übliche Probleme zu bewältigen das heißt, es sollten darin auch Antworten auf immer wiederkehrende Fragen enthalten sein.

Curriculare Maßnahmen zur Verbesserung der Struktur, der Transparenz und die Anwendungsorientierung des Studiums tragen natürlich ebenfalls dazu bei, ein Wirtschaftsinformatik-Studium noch attraktiver und vielfältiger zu gestalten. Hierzu gehört die Entwicklung und laufende Anpassung von detaillierten Lehrzielen, Lehrinhalten und Lehrmethoden für die einzelnen Lehrveranstaltungen beziehungsweise Veranstaltungstermine. Ein weiterer zentraler Ansatzpunkt für eine Weiterentwicklung der Studiengänge ist ferner das Kriterium Praxisbezug.

Um die universitäre Ausbildung an die Bedürfnisse der Praxis anzupassen und effektiver zu machen, wurden zum Beispiel an der Wirtschaftsuniversität Wien folgende Maßnahmen getroffen:

- Lehrveranstaltungen werden projektorientiert durchgeführt. Wenn die Materie beziehungsweise die Prüfungsordnung konventionelle Vorlesungen oder Übungen erfordert, so werden diese durch Fallstudien, Planspiele und Gastvorträge von Praktikern angereichert.

- Exkursionen zu Datenverarbeitungsherstellern und -anwendern ergänzen den Unterricht. Im Sommersemester findet jeweils eine einwöchige Studienreise statt, und in jedem Semester werden mehrere eintägige Firmenbesuche organisiert.

- Rechnerübungen sind in nahezu jeder Lehrveranstaltung ein unentbehrliches Hilfsmittel.

- Seminar- und Übungsarbeiten behandeln, soweit irgend möglich, praktische Probleme.

- Diplomarbeiten befassen sich überwiegend mit EDV-Anwendungskonzepten und der Erstellung kommerzieller Anwendungssoftware.

- Die Beteiligung am Operating im EDV-Zentrum und im Institut konfrontiert die Studierenden mit den realen Problemen beim Betrieb von Datenverarbeitungssystemen.

- Studienbegleitende Praktika haben für eine anwendungsbezogene Ausbildung die größte Bedeutung. Den Studierenden wird eine EDV-Praktikantentätigkeit in den Semesterferien dringend empfohlen, die durch das Ordinariat für elektronische Datenverarbeitung vermittelt und betreut wird.

- Die enge Zusammenarbeit mit den wichtigsten Datenverarbeitungsherstellern hat sich für die Studierenden als sehr fruchtbar erwiesen. Die Förderung dieser Firmen reicht von der Lieferung von Datenverarbeitungsliteratur und -filmen, Zuschüssen zu Exkursionen, der Betreuung von Diplomarbeiten, der Zurverfügungstellung von Praktikantenstellen und Schulungsplätzen bis hin zu Gratisterminals und dem Angebot freier Rechenzeiten.

Neben dem Praxisbezug kommt es vor allem auf die Zukunftsorientierung der universitären Ausbildungsprogramme an. Wenn man sieht, wie sich die Anwendungsmöglichkeiten von Informationstechnologien ständig und geradezu rasant entwickeln (man denke nur an die Stichworte Videotext, Textautomation, Telematik, Telekonferenz oder Elektronische Post), kann man sich die Vielzahl der Tätigkeitsfelder für Wirtschaftsinformatiker kaum noch vorstellen. Derjenige, der heute einen informationsverarbeitenden Beruf ergreift, nimmt die Chance wahr, die Zukunft der modernen Gesellschaft konkret mitzugestalten.

Hans Peter Müller

Leiter der Deutschen Angestelltenakademie, Institut für Organisation und Datenverarbeitung in Düsseldorf

Den ersten Kontakt mit dem Titel "Diplominformatiker" erhielt ich durch einen Anruf der Universität Berlin. Man erklärte mir, die Universität wurde einen Studiengang zum Diplominformatiker durchführen. Leider wäre ihnen nicht bekannt, wo ihre Diplominformatiker nach Beendigung des Studiums in der Wirtschaft eingesetzt werden könnten. Diese Antwort enthält die eigentliche Misere hinsichtlich des Berufsbildes Informatiker. Am grünen Tisch werden Bildungsinhalte beziehungsweise Berufsbilder konzepiert, die nicht auf die Anforderungen der Wirtschaft abgestimmt sind.

Gegenwärtig herrscht geradezu ein echter Bildungsnotstand auf dem Sektor Datenverarbeitung. Die Studiengänge an den Universitäten und Fachhochschulen werden den Anforderungen der Wirtschaft und Verwaltung nur sehr ungenügend gerecht. In allen den eben angesprochenen Bildungsgängen sind zu wenig praxisbezogene Elemente enthalten. So lernt der Diplominformatiker sowie der graduierte Informatiker zwar sehr detailliert diverse Programmiersprachen kennen, und es erfolgt eine umfangreiche mathematische Schulung. Die damit erworbenen Kenntnisse kann er aber leider nicht oder nur sehr schwer Anwender-orientiert einsetzen.

Es ist unbedingt erforderlich, daß besonders im universitären Bereich wesentlich mehr problemorientierter gearbeitet wird. Dies bedeutet, daß die zukünftigen Informatiker lernen müssen, betriebswirtschaftliche Probleme mit Hilfe der EDV zu lösen. Sie müssen erkennen und begreifen lernen, daß der Einsatz der EDV in einem Wirtschaftsunternehmen eine Veränderung in allen Funktionsbereichen nach sich zieht. Deswegen sind erweiterte funktionale Fachkenntnisse für den Informatiker, der in der Wirtschaft zum Einsatz kommen will, lebensnotwendig. Deswegen ist besonders die Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker (zum Beispiel staatlich geprüfter Betriebswirt EDV), die derzeit in verschiedenen Fachschulen durchgeführt wird, von besonderem Interesse. Denn als Zugangsvoraussetzung werden eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung und mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung

gefordert. Durch das zweijährige Studium wird der Absolvent in die Lage versetzt, seine funktionalen Berufskenntnisse im Rahmen der EDV-Organisation sinnvoll zu nutzen.

Somit handelt es sich bei dem Wirtschaftsinformatiker, der von einer Fachschule kommt, um einen Fachmann, der sowohl die programmiertechnischen und betriebstechnischen Belange der Datenverarbeitung als auch die betriebswirtschaftlich-organisatorischen Probleme kennt. Zwar wird dieser Studierende nicht unbedingt in der Software-Entwicklung eingesetzt werden können, die sicher detailliertere, mathematische Kenntnisse verlangt - allerdings ist dieses auch im Studiengang nicht vorgesehen.

Zusammenfassend möchte ich festhalten, daß eine erhöhte Attraktivität hinsichtlich des Wirtschaftsinformatikers erreicht werden kann, wenn:

1. ein sinnvoller Wechsel zwischen theoretischem Unterricht und praxisnahen Übungen in den Schulen stattfindet;

2. besonders im universitären Bereich wesentlich mehr realistische Fallstudien, Studien aus dem Wirtschafts- und Verwaltungsbereich geboten werden;

3. die Schulung möglichst herstellerneutral erfolgt.

Begrüßenswert wäre, wenn der Absolvent verschiedene Systeme kennengelernt hätte. Unerwähnt bleiben sollte nicht, daß man auch einen gewissen Vorwurf an die Anwender richten muß. Rückfragen

und Diskussionen mit verschiedenen Firmen haben ergeben, daß diese selbst nicht in der Lage sind, genau zu formulieren, welches Leistungsprofil sie sich bei einem qualifizierten EDV-Fachmann vorstellen.

Dr. Helmut Ploog

verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit im DV-Bildungszentrum München, ADV Gemeinnützige Ausbildungsgesellschaft für Datenverarbeitung mbH, München

Im Dritten Datenverarbeitungsprogramm der Bundesregierung

1976 bis 1979 heißt es: "Die Ausbildung der Datenverarbeitungs-Fachkräfte ist im Vergleich zu anderen Berufstypen noch nicht formalisiert. Es fehlen eindeutige Berufsbilder sowie Ausbildungs- und Prüfungsordnungen"

So gab es bisher nur offizielle Abschlüsse mit Titeln wie "Betriebswirt EDV" oder "DV-Kaufmann". Sowohl in der Abschlußbezeichnung als auch bei der Gewichtung der Bildungsinhalte wird der betriebswirtschaftliche Aspekt stärker in den Vordergrund gestellt. Als erste Bildungsinstitution hat das DV-Bildungszentrum München 1972 mit einem zweijährigen Bildungsgang zum Wirtschaftsinformatiker die DV-Inhalte stärker betont. Inzwischen haben alle anerkannten Schulen in der Bundesrepublik Deutschland zumindest im Titel ihre datenverarbeitungsorientierten Bildungsgänge angepaßt und nennen den Abschluß ebenfalls "Wirtschaftsinformatiker". Der eingangs geschilderte Notstand und die Forderung nach Vereinheitlichung der DV-Ausbildungen hat das zuständige Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin veranlaßt, eine bundeseinheitliche Berufsordnung "Wirtschaftsinformatiker" gemäß ° 46/2 des Arbeitsförderungsgesetzes vorzubereiten. Mit dem Erlaß der entsprechenden Rechtsverordnung wird voraussichtlich 1980 oder 1981 gerechnet. Die dann vorliegende Fortbildungsordnung in der Datenverarbeitung/ Informatik bringt eine Gleichstellung mit den staatlich geprüften Betriebswirten oder Technikern.

Im Erstausbildungsbereich gibt es mit staatlichem Abschluß neuerdings eine dreijährige Ausbildung für Abiturienten zum Informatiker in Baden-Württemberg.

Da nur über berufsbildende Institutionen der Beruf des Informatikers erreicht werden kann, müssen die bisherigen Erfolge als minimal bezeichnet werden.

Attraktiver wird dieser Beruf erst dann, wenn neue Bildungswege sowohl im Bereich der Erstausbildung als auch im Bereich der Fortbildung bundeseinheitlich zu anerkannten Berufsabschlüssen führen. Die Hochschulausbildungen mit den Titeln "Diplom-Informatiker" und "Informatiker grad." sind nicht als Berufsausbildungen anzusehen, bieten aber eine ausgezeichnete Grundlage für eine Tätigkeit in der Informatik. Unter Berücksichtigung der hohen Innovationsrate freilich ist die dort gebotene Ausbildung langwierig und mühsam.

Interessant werden die Berufe der Informatik und die zugehörigen Tätigkeiten vor allem dann, wenn man

die prognostizierte jährliche Wachstumsrate des DV-Personals von sechs bis acht Prozent in den 80er Jahren ins Auge faßt. Bedeutet dies doch eine Verdoppelung des derzeitigen Personalbestandes in der Datenverarbeitung von 400 000 auf 800 000 Ende des nächsten Jahrzehnts und damit eine Steigerung des Anteils von 1,5 auf drei Prozent aller Beschäftigten.

Besonders attraktiv wird ein Einstieg in die Datenverarbeitung auch unter dem Gesichtspunkt, daß von dem durchschnittlichen jährlichen Neubedarf von etwa 40 000 Personen, darunter zirka 14 000 DV-Fachleute im engeren Sinn, durch die Bildungsträger auf Hochschul- und berufsbildender Ebene lediglich rund 2000 Personen ausgebildet werden können. So sehen sich schon heute Großfirmen gezwungen, beispielsweise Abiturienten mit entsprechender Eignung (Test) kostenlos in ein- bis zweijährigen Bildungsgängen unter den Titeln "DV-Assistent" oder "Ingenieur-Assistent" für die anspruchsvollen und vielseitigen Tätigkeiten in der Datenverarbeitung/Informatik vorzubereiten. Aufgrund der sehr guten Entfaltungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, die sich durchaus mit den Chancen von Akademikern vergleichen lassen, erfreuen sich solche Bildungsgänge wachsender Beliebtheit.

Jeder Fachmann weiß, wie gut die Möglichkeiten - in jeder Hinsicht in der Datenverarbeitung auch im kommenden Jahrzehnt sind. Für junge Menschen, die vor beruflichen Entscheidungen stehen, müßte die Attraktivität der DV-Berufe durch die jeweiligen Meinungsbildner wie Lehrer, Berufs- oder Arbeitsberater wesentlich stärker herausgestellt werden. Dies insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt, daß in anderen Berufen im nächsten Jahrzehnt mehrere Millionen Berufstätige freigestellt werden.