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25.08.1978 - 

Direktwerbung mit Actima:

Direct-Mail mit individuellem Zuschnitt

STUTTGART - Einhunderttausend Adressen pro Kunde und Auftrag werden bei der Direktwerbung Rieger in Esslingen mit dem Standardpaket Actima des Stuttgarter Softwarehauses Actis (Angewandte Computertechnik für Informationssysteme GmbH) bearbeitet. Das Paket - bisher insgesamt zehnmal installiert - kostet 6500 Mark; weitere 2500 Mark werden für die Anpassung berechnet.

Die Rieger-Direktwerbung übernimmt auf Rechnung dritter sämtliche Versandarbeiten, die bei Werbesendungen für Industrie, Handel und Gewerbe anfallen. Sie nimmt ihren 250 bis 300 Kunden sämtliche Arbeiten ab, die beim Direct-Mailing anfallen - von der Adressenpflege über den Werbebrief bis zum Verpakken und Versenden an die jeweils ausgewählte Zielgruppe. Zu den Kunden der Werbefirma gehören unter anderem Daimler-Benz, Rolls-Royce, SEL, das Versandhaus Schöpflin sowie Bauer Getriebemotoren.

Bei Rieger sind 16 festangestellte sowie 20 Teilzeitkräfte beschäftigt. Da bei dieser Betriebsgröße kein Großrechner in Frage kam, entschied man sich für einen Dialogcomputer Nixdorf 8870-1 mit 64 KB und zwei Bildschirmen. Die Plattenkapazität wurde mit zweimal fünf Millionen Bytes für das anfallende Adressenvolumen eher knapp gehalten.

Häufig müssen bis zu 50000 Computerbriefe geschrieben werden, wofür übrigens ein groß- und kleinschreibender Schnelldrucker mit 300 Zeilen/Minute eingesetzt wird.

Die einzelnen Adressenbestände können in verschiedene Gruppen eingeteilt und für jeden Kunden individuell behandelt werden. Auf einer Wechselplatte lassen sich jeweils 20000 Anschriften als kompakte Gruppe verarbeiten.

Adressen werden am Bildschirm erfaßt. Die Adressen liefert der Kunde auf Erfassungsbogen. Erfaßt werden sie dann direkt am Bildschirm. Durch ergänzende Buchstaben und Zifferngruppen lassen sich Einzeladressen jeder speziellen Branche oder Zielgruppe zuordnen. Umgekehrt können durch die Kombination dieser Kennzeichen bei der Adressenauswahl beliebige Kundengruppen aus der Gesamtmenge ausgewählt werden. Die Bildschirme erlauben dazu komplexe Anfragen: So ist es - geordnet nach Postleitzahlen - möglich, für Versandhäuser alle Gaststätten anzuschreiben, die zugleich Beherbergungsbetriebe, jedoch keine Bahnhofsgaststätten sind.

Individuelles Briefpapier für jeden Kunden

Die Briefe werden im ganzen oder aus Textbausteinen zusammengestellt und abgespeichert. Nach Angabe der Zielgruppe werden die Anschriften eingesetzt und ausgedruckt. Nach den gleichen Kriterien werden Adreßlisten ausgedruckt und Etiketten beschrieben. Der Kunde ist nicht an einheitliches Briefpapier gebunden und kann seine individuelle Note beibehalten.

Fach-Chinesisch erschwert die Kommunikation

Nicht so zufrieden ist Uwe Rieger, Geschäftsführer und Inhaber des Werbungsunternehmens, mit den "EDV-Leuten". Spezialausdrücke in der Bedienungsanleitung, unverständliche Anweisungen für das Betriebssystem - zum Teil in Englisch und "Fach-Chinesisch" - erschweren, so Rieger, "die Kommunikation zwischen der EDV und den Marketing-Fachleuten".

Dennoch will Rieger bei der Direktwerbung noch eine weitere Variante einsetzen: Mit sogenannten Fill-in-Briefen werden an bestimmten Stellen im Text individuelle Daten des Adressaten eingefügt. Diese werden jeweils bei der Adresse mitgespeichert. So schreibt zum Beispiel Daimler-Benz dem Kunden Egon Mayer, daß "bei seinem am 3. Mai 1973 in Sindelfingen gekauften Mercedes 200 D, Kennzeichen BB-Z 417, an der eingebauten Servolenkung nach so langer Zeit leichte Mängel auftreten können, die sich bei der demnächst fälligen 120000-km-Inspektion leicht beheben lassen."

Uwe Rieger, mit optimistischem Blick in die Zukunft: "Die meisten Kunden wissen gar nicht, was mit Hilfe der EDV in der Werbung noch alles möglich ist."