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18.10.2002 - 

Verzeichnisdienste/Infrastruktur für das E-Business

Directories lichten den Datendschungel

Unübersichtliche Datenmengen lähmen vor allem in größeren Unternehmen die Geschäftsabläufe. Zudem überfordern die Informationen, die häufig in vielen Verzeichnissen parallel existieren, die Mitarbeiter bei der Datenpflege. Mit Meta Directories können Unternehmen diese in den Griff bekommen. Von Barbara Heckerott*

In der modernen DV-Welt sind Verzeichnisse die Speicherorte für Useraccount, E-Mail-Adressen, Telefonnumern und anderes. Kaum eine mächtigere Applikation, die heute nicht über ein eigenes Directory verfügt, das auch gepflegt werden will. Nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Forrester Research hat ein größeres Unternehmen heute im Schnitt die stolze Zahl von 180 verschiedenen Verzeichnissen im Einsatz. Vom hohen Administrationsaufwand einmal abgesehen, führt dies zu beträchtlichen Fehlerquoten: So sind etwa 15 Prozent der Einträge in gängigen Telefonbüchern schon beim Erscheinen überholt, bei Firmenverzeichnissen sogar bis zu 25 Prozent. Überdies - so eine Studie des Marktforschers IDC - erhebt die wachsende Zahl von Fusionen und Firmenaufkäufen die Kommunikation der Applikationen untereinander zu einer der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Geschäftstätigkeit. Vor diesem Hintergrund rechnen Branchenkenner mit einer Steigerung des weltweiten Umsatzes mit Meta Directories von 145 Millionen Dollar im Jahr 1999 auf 435 Millionen Dollar in diesem Jahr.

Einsatzpotenzial

Die Anwendungsmöglichkeiten eines Meta Directory gehen weit über die eingangs erwähnten elektronischen Mitarbeiterverzeichnisse hinaus. Die globalen Verzeichnisstrukturen greifen über definierte Schnittstellen auf vorhandene verteilte Verzeichnisse und Datenbanken zu, sammeln die dort vorgehaltenen Daten, konsolidieren sie und stellen sie jedem Mitarbeiter zur Verfügung. Änderungen werden nur noch ein Mal eingegeben und automatisch in allen angeschlossenen Verzeichnissen nachvollzogen. Unabhängig von der jeweiligen Anwendung lassen sich so benötigte Informationen jederzeit unternehmensweit schnell finden. Als zentrale Komponente für die Bereitstellung von E-Business-Applikationen können dadurch über standardisierte Schnittstellen die ohnehin im Unternehmen vorhandenen Mitarbeiter-, Lieferanten- und Kundendaten den elektronisch abbildbaren Geschäftsprozessen einfach und performant zugänglich gemacht werden.

Die Investitionen in ein Meta Directory lohnen sich dabei schon kurzfristig, wie die Dresdner Bank in Frankfurt am Main durch die Berechnung des Return on Investment belegt, denn hier ergab sich ein Rentabilitätsmaß in der Größenordnung von zehn. "Der Nutzen unseres Global Directory Service (GDS) ist also zehnmal größer als seine Kosten", fasst Volker Schwarzhaupt, Leiter Directory Solutions in der Enabling Technology Group (Enateg) im Corporate Center Informationstechnologie der Dresdner Bank AG in Frankfurt, das Ergebnis zusammen.

Obwohl komplexe Infrastrukturtechnologien wie Meta Directory Services während der Einführungs- und Integrationsphase erhebliche Investitionen verursachen, lassen sich diese langfristig durch quantitative sowie qualitative Effekte im Bereich der IT-Gemeinkosten amortisieren. Indirekte Effekte wie etwa die Möglichkeit, mit einer strategischen E-Business-Applikation schneller am Markt zu sein als die Wettbewerber, wurden in der Berechnung der Banker noch gar nicht berücksichtigt, obwohl sie eine entscheidende Rolle für die Einführung des GDS spielten.

"Die Ausgangssituation der Dresdner Bank war ähnlich wie in fast allen großen Unternehmen mit heterogener IT-Infrastruktur", erinnert sich Schwarzhaupt. So existierten in dem Finanzinstitut eine Vielzahl unterschiedlicher lokaler Datenbanken und Verzeichnisse mit teilweise redundanten Daten. Die Folge waren steigende Kosten für die Administration und eine unzureichende Qualität der gespeicherten Informationen. Bei der Einführung neuerApplikationen werden zudem oftmals eigene Datenbanken und Verzeichnisse aufgebaut - in der Hoffnung, eine bessere Datenqualität für die spezifische Umgebung der jeweiligen Anwendung zu erreichen. Ein Teufelskreis, "denn im Ergebnis findet ein exponentielles Wachstum der lokalen Datenbanken und Verzeichnisse statt und damit eine rasante Zunahme der Kosten für deren Betrieb und die Pflege der darin gespeicherten Daten", kommentiert Jürgen Diller, Leiter des Bereichs Financial Services bei Siemens Information and Communication Networks (ICN) in Frankfurt. Im Gegensatz dazu, so Diller, "bietet das Dir X Meta Directory den Zugang zu allen Informationen und deren Administration von einer einzigen Stelle aus, auch wenn die Daten in unterschiedlichen Verzeichnissen gespeichert sind und bleiben."

Im Fall der Dresdner Bank waren es sowohl die geringeren Administrationskosten als auch die verbesserte Datenqualität, die die Verantwortlichen dazu bewogen, eine konzernweite Meta-Directory-Infrastruktur einzuführen, die für 60000 Anwender und 2,5 Millionen Einträge ausgelegt ist. Die Verantwortlichen erkannten die Bedeutung der Meta-Directory-Technologie schon sehr früh und entschieden sich nach einer knapp einjährigen Studien- und Konzeptionsphase, während der auch die Produktevaluierung stattfand, für die Einführung der Siemens-Lösung Dir X. Im Rahmen des GDS-Projekts wollte das Geldinstitut mit der Realisierung einer konzernweiten Meta-Directory-Infrastruktur die Basis dafür schaffen, den wachsenden Anforderungen in einem zunehmend dynamischeren Markt- und Wettbewerbsumfeld noch besser gerecht zu werden.

Dabei stellt ein Meta Directory stets die aktuelle Datenbasis für verschiedene Applikationen bereit, zum Beispiel aus den Bereichen E-Commerce, Virtual Private Networks und Security. Überdies spielen die globalen Verzeichnisse bei der Authentifizierung von Anwendern und der Datenverschlüsselung eine nicht zu unterschätzende Rolle. So lassen sich beispielsweise in einem solchen Verzeichnis nutzerbezogene Sicherheitsinformationen wie "Public Keys" ablegen. Umgekehrt übernimmt das Meta Directory auch die Verifizierung eines Absenders anhand seines Zertifikats, des digitalen Ausweises.

Eigenes Frontend

Bei der Dresdner Bank ging im September 2000, nach einer Pilotphase auf Basis der Dir-X-Produktfamilie, als erste GDS-Anwendung das Corporate Directory des Geldinstituts in Betrieb. Während des Jahreswechsels 2000/01 kamen dann die ersten E-Business-Anwendungen hinzu, die auf Basis des GDS ihre Benutzerauthentisierung und -autorisierung implementierten. Seitdem werden nach und nach weitere Applikationen, beispielsweise eine zentralisierte Kommunikationsvermittlung oder eine Applikation zur Verwaltung von unternehmensweiten E-Mail- und Hauspostverteilern, an den Global Directory Service angebunden.

Für die Realisierung des Corporate Directory entwickelte ein Team der Dresdner Bank eigens die Applikation "Daily" (Dresdner Active Information Library). Deren grafische Oberfläche basiert auf "Active Server Pages", die durch einen Microsoft-Internet-Information-Server konzernweit über das Intranet bereitgestellt werden. Daily bietet neben einfachen Suchmechanismen eine konfigurierbare Expertensuche und zusätzlich die Möglichkeit der direkten Übernahme von Daten, beispielsweise Empfängeradressen, in das bestehende Mail-Subsystem.

Neben den einfachen und erweiterten Such- und Anzeigefunktionen bietet die Benutzeroberfläche zudem eine automatische Wahlfunktion, mit deren Hilfe sich der Anwender per Mausklick mit einem beliebigen Telefonteilnehmer im Netz verbinden lassen kann. Das Absenden einer E-Mail oder SMS aus der Directory-Anwendung heraus ist ebenfalls möglich. Den E-Business-Applikationen werden an GDS angepasste Java-Komponenten bereitgestellt, um Zugriffsmethoden zu standardisieren und Entwicklungsaufwände der Applikationen zu reduzieren.

Andere Einsatzszenarien

Mit der Deutschen Lufthansa setzt ein weiteres großes Unternehmen auf das Potenzial der Verzeichnisdienste. Die Fluglinie verwendet hierzu das Novell-Produkt "NDS Edirectory". Das unternehmensweite Meta Directory der Fluglinie erarbeitete die Wiesbadener Firma Carpe diem. Bei der Lufthansa sind nach Angaben von Harald Gemmer von Carpe diem vor allem "schnellere und verlässlichere Prozesse" das Ziel der Umstrukturierung.

Führend unter den Directory-Anbietern ist auch Microsoft, dessen Meta Directory Services beispielsweise bei der Hannover Rück zum Einsatz kommen. Gemeinsam mit der Feldkirchener Epresence GmbH migrierte der Rückversicherer im letzten Jahr 1000 Arbeitsplätze in eine Windows-Umgebung. Doch während Produkte wie "Injoin" von Critical Path, der "Iplanet Directory Server" von Netscape oder der "Global Directory Server" aus dem Hause Syntegra zumeist neben Netzwerk-Betriebssystemen, Mail- und Groupware-Plattformen sowie betriebswirtschaftlicher Standardsoftware teilweise auch Telekommunikationsanlagen oder Sicherheitsstrukturen integrieren, ist bei dem Meta Directory der Gates-Company die Liste der Integrationsmöglichkeiten relativ kurz.

Noch Zukunftsmusik ist dagegen die konkrete Integration von Web-Services in die unternehmensübergreifende Datenverarbeitung. Anbieter wie Novell, Sun und CA setzen bei der Realisierung dieser Pläne ebenfalls auf die Directory-Technologie. Dafür spräche, so die Einschätzung der Experten, dass für die Directories bereits entsprechende Features entwickelt worden seien, die bei der alternativen Datenbankmethode, die andere Hersteller bei der Integration der Web-Services präferieren, noch zu schaffen wären. Bis Ende des Jahres will jeder der drei Anbieter einen Lösungsvorschlag auf den Markt bringen. Man darf gespannt sein. (hi)

*Barbara Heckerott ist freie Journalistin in Neuss.

Angeklickt

Rund 180 verschiedene Verzeichnisse existieren in einem größeren Unternehmen. Allein diese Zahl der Marktforscher verdeutlicht, welches Einsparungspotenzial ein Meta Directory eröffnet. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht weiter, dass das Marktvolumen für die Produkte auf rund 435 Millionen Dollar geschätzt wird. Prominente Beispiele wie die Dresdner Bank, die Lufthansa oder die Hannover Rück veranschaulichen, wie auch hierzulande Unternehmen das Potenzial dieser Technologie bereits mit Erfolg in der Praxis nutzen.