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27.04.2001 - 

Konsolidierung im Markt absehbar

Direkt-Broker dümpeln in der Börsenflaute

MÜNCHEN (CW) - Sinkende Umsätze, geringere Depotvolumina, weniger Neukunden: Nach mehr als fünf Jahren Wachstum müssen sich Direkt-Broker auf magere Zeiten einstellen. Zudem verschärft sich der Wettbewerb, was zu einer zunehmenden Konsolidierung im Brokerage-Markt führt.

Die Katerstimmung an den Börsen macht sich auch bei den auf Wertpapiergeschäfte spezialisierten Direktbanken bemerkbar. Neben der Zurückhaltung im Aktienhandel leiden die etablierten Online-Broker zudem unter der wachsenden Konkurrenz durch stärker serviceorientierte Anbieter - etwa der Advance Bank, dem Direktbank-Ableger der Commerzbank, oder der Deutsche-Bank-Tochter Brokerage 24. Das preiswerte Direktkonzept hat sich in Boom-Zeiten bewährt. Heute jedoch ist Beratung - speziell Anlagetipps und fundierte Informationen zur Vermögensbildung - wieder stärker gefragt (siehe auch Seite 54 "Ohne Neukunden keine Zukunft").

Neukunden MangelwareDer Berliner Billig-Anbieter Systracom konnte seit seinem Markteintritt im September letzten Jahres nur 5000 Kundendepots eröffnen. Ende vergangener Woche musste der Direktbroker wegen Zahlungsunfähigkeit dicht machen. Aber auch die Branchenriesen Comdirect, Consors und Direktanlagebank (DAB), die laut Infratest Burke im Oktober mehr als die Hälfte der insgesamt 1,6 Millionen Online-Brokerage-Kunden in Deutschland betreuten, müssen herbe Einbußen hinnehmen. Den Analysten der amerikanischen Investmentbank UBS Warburg zufolge ist der Marktanteil der großen Drei bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres um rund zehn Prozent gesunken.

In diesem Jahr setzt sich der rückläufige Trend fort. Am stärksten getroffen hat es den Marktführer Comdirect Bank. Hier ging das Einlagen- und Depotvolumen im ersten Quartal 2001 um 22 Prozent zurück, die Wertpapierumsätze sanken sogar um 47 Prozent. Die Commerzbank-Tochter will in diesem Jahr rund 100000 Kunden hinzugewinnen - ein bescheidener Wunsch, wenn man bedenkt, dass sie noch im letzten Jahr 300000 Neuzugänge verzeichnete. Nach Ansicht der Berater von UBS Warburg haben die Quickborner ein handfestes "Marketing-Problem". So sei es ihnen im Gegensatz zu Consors und DAB nicht gelungen, einen bekannten Markennamen aufzubauen.

Hohe Kosten bei ComdirectZu schaffen machen dem Unternehmen auch die hohen Kosten, die bei der Expansion ins Ausland entstanden sind - etwa durch die Übernahme des französischen Brokers Paresco-Bourse. Nach Ansicht von Experten haben sich die hohen Investitionen bislang noch nicht gerechnet. Ende letzten Jahres lag die Zahl der Kunden bei weniger als 1000 in Großbritannien und knapp 2000 in Frankreich.

Beim Konkurrenten Consors Discount Broker AG sank die Zahl der Wertpapiertransaktionen in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Nürnberger verzeichneten im ersten Quartal 27000 neue Kunden - für das gesamte Jahr rechnen sie mit höchstens 140000 Neuzugängen. Jetzt hat sich das Unternehmen einen rigiden Sparkurs verordnet: Um 15 Prozent sollen die Ausgaben für das laufende Geschäftsjahr gekürzt werden.

Auch bei der Direktanlagebank AG (DAB) bleibt die gedrückte Börsenstimmung nicht ohne Folgen: Die Hypo-Vereinsbank-Tochter konnte im ersten Quartal dieses Jahres nur noch 26130 neue Kunden hinzugewinnen - im Vorquartal waren es 30 300 und im ersten Quartal 2000 fast 92000. Die Zahl der Transaktionen ging zwischen dem vierten Quartal 2000 und dem ersten Quartal 2001 von 1673000 auf rund 1500000 zurück.

Hinzu kommt der wachsende Wettbewerbsdruck durch die steigende Zahl von Anbietern. Noch vor fünf Jahren konnten die Kunden unter vier Direkt-Brokern wählen - inzwischen sind es 15. Den Analysten von Booz Allen & Hamilton zufolge wird es jedoch nur einigen von ihnen gelingen, eine ausreichende Zahl von Neukunden zu gewinnen, um langfristig überleben zu können. Die Experten gehen davon aus, dass künftig immer mehr Brokerage-Anbieter von in- oder ausländischen Konkurrenten gekauft werden. Erstes Anzeichen für diesen Trend sei die Übernahme von Entrium Direct Bankers durch die italienische Gruppe Bipop-Carire.

Aber auch die Branchenschwergewichte sind vor der Marktkonsolidierung nicht gefeit. So soll Consors Übernahmeverhandlungen mit der Allianz sowie mit der Deutschen Bank führen. Charles Schwab, der US-Vorreiter im Broker-Geschäft, ist angeblich ebenfalls interessiert. Die Gefahr einer Übernahme ist für Consors besonders groß: Das Unternehmen hat keinen finanzstarken Mutterkonzern wie Comdirect oder DAB im Rücken, zudem ist es wegen des Kursverfalls momentan recht billig zu haben.

Gute Chancen für SparkassenDoch auch wenn der große Boom erst einmal vorbei ist - grundsätzlich gehen Beobachter von einer positiven Entwicklung des Brokerage-Markts aus. Abgesehen von den Marktführern Comdirect, Consors und DAB rechnen Experten vor allem der Postbank sowie dem neuen zentralen Broker der Sparkassen gute Chancen aus. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) verfolgt mit der Anfang des Monats übernommenen Pulsiv AG ehrgeizige Pläne: Das Angebot des Brokers, der derzeit über knapp 20000 Kunden verfügt, soll in ein zentrales Finanzportal für den Wertpapierhandel in Echtzeit ausgebaut werden und Ende Juli unter der Bezeichnung "S-Pulsiv" an den Start gehen. Die Sparkassengruppe will damit auf absehbare Zeit die Marktführerschaft im Online-Brokerage-Markt erringen. Angepeilt sind 100000 Neukunden jährlich - in vier Jahren soll die Gewinnschwelle erreicht werden.

Konkurrenz von den VolksbankenAllerdings konnten sich noch nicht alle Sparkassenverbände für die Teilnahme an S-Pulsiv erwärmen. Nicht beitrittswillig ist nach Angaben von DSGV-Präsident Dietrich Hoppenstedt Baden-Württemberg. Auch in Bayern und Nordrhein-Westfalen will bislang nur ein Teil der Sparkassen mitmachen.

Konkurrenz bekommen die Direkt-Broker jetzt auch von den Volksbanken: Am 1. Mai geht das Portal "VR-Networld" an den Start, an dem sich nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken rund 1500 Genossenschaftsbanken beteiligen werden. Geplant ist hier allerdings kein zentraler Broker, sondern eine Bündelung bestehender Online-Ansätze.

Geringere TransaktionsvoluminaDepots in Tausend : Quartal / Consors / Comdirect / DAB

31.12.99 / 201 / 226 / 130

31.03.00 / 376 / 334 / 222

30.06.00 / 449 / 505 / 293

30.09.00 / 500 / 525 / 366

31.12.00 / 526 / 577 / 419

Kundengelder in Milliarden Euro: Quartal / Consors / Comdirect / DAB

31.12.99 / 7,485 / 8,908 / 8,400

31.03.00 / 10,859 / 11,364 / 11,000

30.06.00 / 10,892 / 11,870 / 11,600

30.09.00 / 11,200 / 12,400 / 12,900

31.12.00 / 9,100 / 10,200 / 12,000

Die Kundengelder sind im vierten Quartal letzten Jahres bei allen großen Brokern zurück gegangen trotz einer Zunahme der Depots. Das lässt darauf schließen, dass viele Kunden angesichts der Börsenflaute weniger oder überhaupt nicht mehr handeln.