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07.10.1979 - 

Mobile Terminals erleichtern die Bausparerberatung:

Direkt vom Außendienst zum Rechenzentrum

Einen neuen Weg geht die Landes-Bausparkasse (LBS) Rheinland-Pfalz in der Bausparerberatung und -betreuung. Die Ausstattung des gesamten hauptberuflichen Außendienstes mit tragbaren Terminals in der Größe einer Reiseschreibmaschine dürfte für die Bausparbranche zukunftsweisend sein. Überall dort, wo ein Telefon installiert ist, kann der LBS-Berater per Datenfernübertragung umfassende Informationen vom Computer abrufen. Die Sofortauskunft über aktuelle Bauspardaten oder individuelle Finanzierungsrechnungen vom Wohnzimmer des Bausparers oder der örtlichen LSB-Beratungsstelle aus sind damit verwirklicht worden.

Dialogorientierte Auskunftssysteme sind nicht neu, dem Außendienst jedoch bleibt ein direkter Zugriff zu zentral gespeicherten Daten oder auf bestehende EDV-Programme des Innenbetriebes verwehrt (sieht man einmal von einigen 4 Versionen über Fernschreiber ab). Dies hat sich dank weiterentwickelter Technik und dem Einsatz von speziellen Anwendungsprogrammen geändert.

Gerät

Das tragbare und nur für einen ortsveränderbaren Einsatz zugelassene Datenterminal Silent 745 von Texas-Instruments ermöglicht diesen "Computerdialog auf Reisen".

Das Gerät gleicht im Aussehen einer herkömmlichen Reiseschreibmaschine. Zum Betrieb als private Zusatzeinrichtung zum Telefon verfügt es über eine alphanumerische Tastatur, einen Thermo-Matrixdrucker und einen Akustik-Koppler (= internes Modem) zur Ankopplung an das öffentliche Fernsprechnetz. Es handelt sich um eine Start/Stop-Übertragungsprozedur in Halb- oder Vollduplex. Die Übertragungsrate ist zwischen 110 und 300 Baud wählbar, das entspricht einer Druckgeschwindigkeit von 10 oder 30 Zeichen pro Sekunde.

Anwendung

Bisher wurden zwei wesentliche Anwendungen verwirklicht.

- Sofortauskunft über Bauspardaten: Der Außendienstmitarbeiter kann seinem Kunden sofort Auskünfte über dessen Vertragsbestand erteilen und so eine optimale Beratung durchführen. Realisiert sind umfassende Auskünfte über

- Konten in der Sparphase (Sparkonten),

- Vor- und Zwischenfinanzierungen (Kreditkonten),

- Bauspardarlehen (Darlehenskonten).

Die Steuerung der Auskunftsart erfolgt durch die Eingabe der betreffenden Bausparvertragsnummern und eines speziellen Anforderungsschlüssels.

Eine weitere Nutzungsmöglichkeit des Datenterminals ist der aktive Einsatz in der örtlichen LBS-Beratungsstelle zur Bewältigung der Tagesarbeiten, die von der aktuellen Information über Vertragsdaten abhängig sind.

- Finanzierungsberatung: In der zweiten Ausbauphase können die Außendienstmitarbeiter sowie die LBS-Finanzierungsberater (Mitarbeiter des Innendienstes, die den Außendienst insbesondere in schwierigen Finanzierungsfragen unterstützen) über das Telefonterminal Finanzierungsberatungen durchführen. Unter Verwendung eines von einer Unternehmensberatung entwickelten Programmpaketes wurde eine ausgefeilte Modellsystematik entwickelt. Damit sind sowohl Finanzierungsvorschläge mit von der LBS vorgegebenen Standards als auch Rechnungen mit von Kunden angegebenen Finanzierungselementen im Dialog steuerbar und für den Interessenten ausdruckbar. Die Finanzierungsberatung beantwortet unter anderem Fragen nach Finanzierungskosten, Effektivzins, Zinsänderungsrisiko und monatlicher Belastung unter Berücksichtigung der finanziellen Gegebenheiten und Möglichkeiten des Kunden.

Die Modelle ermöglichen zur Zeit zwei Vorgehensweisen:

- Die Errechnung einer optimalen Bausparsumme in Abhängigkeit von der monatlich tragbaren Belastung, dem verfügbaren Eigenkapital, dem voraussichtlichen Baubeginn sowie den damit verbundenen Finanzierungsvorschlägen. Dabei können beliebige Hypotheken, Arbeitgeberdarlehen, vorhandene Bausparverträge oder Tilgungsstreckungen berücksichtigt werden.

- Die Ermittlung von Finanzierungsvorschlägen auf der Basis des gemeinsam mit den rheinland-pfälzischen Sparkassen angebotenen "S-Baukredit"-Programms. Diese Modellrechnungen berücksichtigen zahlreiche Varianten, zum Beispiel:

- niedrige Anfangsbelastung

- gleichbleibende niedrige Belastung

- kostengünstige Finanzierung

Die Realisation der Finanzierungsberatung über das Telefonterminal konnte in nur drei Monaten bewerkstelligt werden. Ausschlaggebend für diesen kurzen Zeitraum war der Verzicht auf eine Inhouse-Lösung durch Programmankauf und Nutzung des Service-Rechenzentrums, bei dem die Programme auch entwickelt wurden.

Kosten

Bei allem Reiz der technischen Neuheit und der mit ihr verbundenen Serviceverbesserung für die Bausparer der LBS bleibt doch die Frage nach den Kosten.

- Kosten pro Sofortauskunft über Bauspardaten:

Dem Außendienstmitarbeiter entstehen Telefonkosten zum LBS-Computer in Mainz, die abhängig von Entfernung, Umfang und Menge der Auskünfte sind. Bei einer ermittelten durchschnittlichen Dauer von zirka 40 Sekunden je Einzelabfrage zirka 23 Sekunden je Sammelabfrage entstehen Leitungskosten im Tagesbetrieb von 23 bis 92 Pfennig pro Auskunft wobei der überaus größte Teil dank der zentralen Lage der LBS in ihrem Geschäftsbereich im Bereich von nur 23 bis 46 Pfennig liegt.

- Kosten je Finanzierungsberatung: Unter Berücksichtigung von Leitungsdauer (Telefon), Anschalt- und Rechenzeit (beim Mietrechenzentrum) wurden durchschnittliche Kosten in Höhe von etwa 8 bis 9 Mark errechnet. Das erscheint auf den ersten Blick sicher recht teuer, angesichts der Zeitersparnis für aufwendige manuelle Finanzierungsrechnungen und die sofortige Bereitstellung der Ergebnisse ist ein solcher Preis aber ohne weiteres zu rechtfertigen.

Datenschutz

Ein komplexes Sicherheitssystem verhindert den unberechtigten Zugriff auf Daten und trägt dem Datenschutz Rechnung. Jedes Terminal ist maschinenseitig mit einem Kennungsgeber ausgestattet, der nach Übermittlung durch das Programm in der EDV auf Gültigkeit und somit Teilnahmeberechtigung geprüft wird. Darüber hinaus muß der Abfragende durch "sein" persönliches Codewort seine Benutzerberechtigung nachweisen. Auskunft gibt es jedoch erst dann, wenn die logische Verknüpfung beider Kennungen (Maschine/Person) gegeben ist. Abgerundet wird dieses Sicherungssystem durch das von der EDV geführte Abfrageprotokoll, das Nachweis über Benutzer, Art und Umfang der abgefragten Daten sowie Zeitpunkt und Dauer der Abfrage führt.

Erfahrungen

Die Adaption eines solchen neuen und aus seiner Sicht sicherlich fremdartigen Informationsmediums erfordert vom einzelnen Außendienstmitarbeiter natürlich ein hohes Maß an Flexibilität, um die damit angebotenen Akquisitionshilfen optimal zu nutzen. Dennoch kann schon jetzt nach der kurzen Einführungsphase gesagt werden, daß der größte Teil des Außendienstes diese Service-Verbesserung erstaunlich schnell angenommen hat und gezielt in der täglichen Arbeit einsetzt.

Möglich ist weiterhin im Rahmen der guten Kooperation ein Einsatz der Terminals bei den rheinland-pfälzischen Sparkassen zur Unterstützung der Beratung von Bausparern und Abwicklung von Verbundfinanzierungen.

Um die Vielseitigkeit des Terminals auszuschöpfen, wird die LBS Rheinland-Pfalz an weiteren Anwendungen arbeiten, die Verbesserungen ihres Beratungsservices mit sich bringen. Unter anderem ist eine Computer-Beratung über Steuer- und Prämienvorteile des Bausparers und sonstige Staatshilfen für den Bauherrn vorgesehen.

Die LBS hat alle gängigen Methoden der Datenübertragung zu Außenstellen wie zum Beispiel den Einsatz von Fernschreibern und Bildschirmanwendungen untersucht und dabei auch das Terminal mit Blasenspeicher von Texas-Instruments einbezogen. Die LBS ist der Meinung, daß aus organisatorischen und wirtschaftlichen Erwägungen heraus die gefundene Lösung für unser Haus derzeit und sicher auch für die nächsten Jahre den optimalen Weg darstellt. Diese organisatorische Maßnahme befriedigt um so mehr, als sie unmittelbar im Einsatz "vor Ort" wirksam wird und so auch den Bausparer durch die Möglichkeit der schnelleren und besseren Beratung an der technischen Neuerung sichtbar partizipieren läßt.

*Anton Issel ist Geschäftsführer der Landes-Bausparkasse Rheinland-Pfalz, Mainz