Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.01.2006

Discounter setzen Mobilfunker unter wachsenden Druck

Der Preiskampf um die verlockendsten Handy-Tarife wird in Deutschland auch 2006 mit unverminderter Härte weitergehen.

Nach einhelliger Meinung von Anbietern und Experten wird der Preis pro Handy-Minute auf unter zehn Cent rutschen. Um in dem verschärften Wettbewerbsumfeld ihre Margen zu sichern, sollten sich Netzbetreiber wie T-Mobile und Vodafone nach Einschätzung von Experten stärker auf UMTS und die Geschäftskunden konzentrieren.

Abmahnungen statt Innovationen

Angesichts des Preiskampfs auf dem Mobilfunkmarkt liegen in den Konzernzentralen der Mobilfunker derzeit die Nerven blank: Abmahnanwälte beäugen mit Argusaugen die Angebote der Konkurrenz. Verstößt ein Anbieter gegen das Wettbewerbsrecht, flattert ihm meist innerhalb von Stunden eine kostenpflichtige Abmahnung ins Haus. Besonders aktiv sind dabei laut Insidern die Anwälte von Vodafone. Für den Verbraucher hat dies nun zur Konsequenz, dass er sich durch seitenlange Vertragsergänzungen quälen muss, die selbst Adleraugen nicht ohne Sehhilfen lesen können. Als kleines Trostpflaster bleibt für den Endkunden die Erkenntnis, dass derzeit auch die neuesten Handy-Modelle zum Dumping-Preis über den Ladentisch gehen - wenn er denn einen Laufzeitvertrag unterschreibt. Dabei geht es den Anbietern teilweise gar nicht mehr darum, selbst kostendeckend und gewinnbringend zu arbeiten, sondern vielmehr soll dem Konkurrenten das Geschäft vermiest werden, beschreibt ein Insider das ungesunde Gebaren der Netzbetreiber.

Die vier Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 müssen nach Einschätzung der Marktforschungsgesellschaft Gartner mit einem klareren Profil auftreten. "Wesentlich für die Produktstrategie der Netzbetreiber sind drei Punkte: die Marke, der Kundenservice und der Preis", sagte Gartner-Experte Martin Gutberlet. Weil es E-Plus verpasst habe, seine Marke zu positionieren, sei nur der Ausweg über den Preis geblieben. Folglich läutete die KPN-Tochter mit dem Start der Billigmarke "Simyo" eine Preisrunde zur Jahresmitte ein. Bis dahin hatte sich der Minutenpreis nur in kleinen Schritten nach unten bewegt.

Druck der Discounter

Verschärft wurde der Preisrutsch dann mit dem Markteintritt von Aldi - die Gesprächsminute ist nun mit 15 Cent so billig wie nie zuvor. Hinter dem Aldi-Angebot steckt wieder der Anbieter E-Plus, der sein Netz zur Verfügung stellt. Mit den Kooperationen und der Mehrmarkenstrategie will E-Plus mehr Kunden gewinnen und seine Profitabilität steigern. "Aldi Talk" sorgt bei der Konkurrenz für Hektik: Marktführer T-Mobile konterte mit einer massiven Preissenkung für einige Tarife, Vodafone schloss sich an.

Vertriebsleute von T-Mobile bezeichnen das Aldi-Angebot als "extrem kritisch", denn der Discounter verfügt mit einer Filialkette von 4000 Läden über einen enormen Verkaufskanal. Binnen eines Jahres will Aldi 750000 Kunden unter Vertrag nehmen, in der ersten Woche waren es bereits 60000. Um das Segment nicht alleine E-Plus zu überlassen, öffnet T-Mobile sein Mobilfunknetz für Billiganbieter. Nach kleineren Kooperationen plant der Marktführer nun mit Lidl den großen Wurf. Lidl will die Offerte von Aldi unterbieten - bislang konnten sich der Discounter und T-Mobile aber nicht auf die Preisgestaltung einigen.

Die Kooperationen sind Teil der Telekom-Strategie, den Marktanteil in dem allmählich gesättigten Marktumfeld auf Kosten der Wettbewerber auszuweiten. Die Bonner haben daher ihre Preise massiv gesenkt und können damit Aldi Paroli bieten. "Wir sind zum Teil günstiger als die Billiganbieter", sagt T-Mobile-Chef René Obermann. Die Spirale wird sich weiterdrehen. "Die Preise werden sich im Verlauf des Jahres 2006 noch tiefer nach unten entwickeln", sagt Jörg Kühnapfel, Boss des Debitel-Ablegers "Debitel light", der mit der Handelskette Plus kooperiert. Die Schallmauer von zehn Cent werde aber nur bei Sonderaktionen durchbrochen. Gartner rechnet hingegen mit dauerhaften Angeboten, bei denen der Minutenpreis unterhalb der Zehn-Cent-Marke liegt.

Vodafone hält sich von dem Billigsegment bislang fern. Nach Angaben aus Branchenkreisen haben Vertreter der Gesellschaft bereits mit Lidl verhandelt, die Gespräche aber abgebrochen. Vodafone könnte mit der Fokussierung auf UMTS und mobile Festnetzangebote unvermindert viele Kunden gewinnen. Das Unternehmen werde sich dem Discountansatz auf Dauer aber nicht verschließen können, sagt Marktforscher Gutberlet: "Ich halte es für eine Frage der Zeit, bis Vodafone dort einsteigt."

Keine gewinnbringenden Kunden

Die Strategie von T-Mobile Deutschland geht, was die Kundenzahlen betrifft, derzeit auf. Im Weihnachtsquartal konnten die Bonner Branchenkreisen zufolge an die Aufwärtsentwicklung der Vorquartale anknüpfen. Von der anfänglichen Vorgabe, vor allem gewinnbringende Kunden einzusammeln, musste sich T-Mobile-Chef Obermann aber verabschieden. Die Telekom gewann vor allem umsatzschwächere Prepaid-Kunden. Das birgt für den Kurs von T-Mobile nach Ansicht von Experten Risiken. "Die Strategie von T-Mobile ist nicht falsch. Allerdings ist die Preissenkung zu radikal", sagt Gutberlet. Statt sich nur auf den Preis zu fokussieren, sollte sich T-Mobile auf seine Stärken im Geschäftskundenbereich besinnen. (tc/hi)