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03.11.1995

Diskussion ueber Alternativen bei Standardsoftware Die Konkurrenten behaupten: SAPs Macht wird ueberschaetzt

MUENCHEN (gfh) - Selbst die Stehplaetze wurden auf dem Muenchner Systems-Forum rar, als dort ueber Alternativen zu SAPs Standardsoftware diskutiert wurde. Waehrend sich SAP-Marketier Paul Wahl am Glanz der Marktfuehrerschaft waermte, versuchten die Vertreter von Oracle, Baan und J.D. Edwards die dominierende Position der SAP herunterzuspielen.

"Wenn man sieht, wie die SAP hier auftritt und mit wie vielen Softwarefirmen sie Partnerschaften eingegangen ist, wird einem angst und bange", fasste ein Teilnehmer aus dem Publikum am Ende der Diskussion seine Befuerchtungen zusammen. Offensichtlich ist es den Herstellervertretern nicht gelungen, den verunsicherten Zuhoerer davon zu ueberzeugen, dass ernsthafter Wettbewerb zu SAPs Standardsoftware stattfindet.

Dabei gaben sie sich alle Muehe. JDE-Geschaeftsfuehrer Ulli Lindner etwa vertrat die Meinung, dass die Macht der SAP ueberschaetzt werde. Er rechnet vor, dass sich in dem weltweiten 50-Milliarden-Dollar- Markt fuer integrierte Standardsoftware bislang 95 bis 97 Prozent der Anwender nicht fuer die SAP-Produkte entschieden haetten.

Den unleugbaren Erfolg von SAP insbesondere in den USA fuehrten die Mitbewerber auf extensives Marketing zurueck. Ausserdem seien die Auftraege alle noch recht frisch, so dass angesichts der langen Einfuehrungszeiten von R/3 erst nach einiger Zeit mit Erkenntnissen darueber zu rechnen sei, ob sich die Software im Einsatz bewaehre. Rudolf Weiss von Baan gab sich kaempferisch und positionierte sein Unternehmen als "Herausforderer der SAP". Nach seiner Ansicht truegt der Anschein, dass SAP den Markt dominiere. Zwar habe sein Unternehmen immer dann wenig Chancen, wenn Standardsoftware aus strategischen Gesichtspunkten angeschafft werde, sobald es jedoch um die technischen Features gehe, habe man gute Karten gegen die Walldorfer.

Juergen Middendorf, Vertriebsleiter Anwendungen bei Oracle, vertritt die Ansicht, dass man der SAP dann am besten Auftraege abjagen kann, wenn man sich sehr genau auf die Kundenbeduerfnisse eingestellt.

Im Fall des von seiner Firma angebotenen Produkts "Financials" sei die Integrationsfaehigkeit in vorhandene DV-Landschaften hervorzuheben. Beim Thema Objektorientierung musste der SAP- Repraesentant Wahl all seine Marketing-Faehigkeiten aufbieten, um das Publikum vergessen zu lassen, dass R/3 nicht dem modernsten Stand der Softwaretechnik entspricht: "Man muss Technik und Konzept unterscheiden. Was das Denken in Objektkategorien betrifft, sind wir ziemlich weit. Wir tun aber auch etwas bei den objektorientierten Sprachen." Seiner Meinung nach ist die Technik jedoch noch nicht reif fuer den Einsatz, da es an objektorientierten Datenbanken fehle, die Informationen im GB- Bereich verwalten koennen.

Ansonsten braucht das Thema die SAP nicht allzusehr zu beunruhigen, da mit Ausnahme des AS/400-Spezialisten JDE derzeit keiner der Mitbewerber auf dem Podium mit objektorientierten Features aufwarten kann.

Einig waren sich SAP und Mitbewerb bei der Einschaetzung des nationalen Marktes fuer Standardsoftware. Erfolgschancen haetten mittelfristig nur weltweit agierende Anbieter. Perspektiven raeumt Oracle-Vertriebschef Middendorf lediglich den AS/400-Spezialisten ein. Sie koennten sich auf eine treue und breite Anwenderbasis stuetzen. Allerdings fehle diesen Unternehmen zumeist das noetige Kapital, um ihre Produkte zu modernisieren.

Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte ein Zuhoerer, der den als Moderator fungierenden Diebold-Analysten Helmut Bremiker fragte, wie er sich als Anwender angesichts der SAP-Dominanz verhalten solle. Bremikers Rat: "SAP-Machbarkeitsstudien reichen nicht." Die Unternehmen sollten sich vielmehr ihre Geschaeftsprozesse genau anschauen und auf Basis dieser Erkenntnisse die angebotenen Produkte intensiv vergleichen. Nach seiner Erfahrung wird die Investitionsentscheidung vor allem zugunsten von R/3 oft ohne ausreichende Faktenkenntnis getroffen.