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24.06.1988 - 

Die Post wird prüfen müssen, ob sie auf den Begriff "ISDN-TK-Anlage" verzichtet:

Diskussion um ISDN-TK- Anlagen beenden

Über die Zulassungsbedingungen für ISDN-TK-Anlagen wurde in den letzten Monaten heftig diskutiert. Dabei wird das Thema oft nicht in seiner ganzen Komplexität gesehen. Deshalb soll hier in aller Kürze versucht werden, die wichtigsten Sachverhalte darzustellen.

ISDN-TK-Anlagen sind eine Variante von TK-Anlagen, aber bei weitem nicht die einzige, wie man aus einer Reihe von Diskussionsbeiträgen den Eindruck gewinnen könnte.

Für TK-Anlagen sind keine bestimmten internen Schnittstellen oder Protokolle Voraussetzung für die Zulassung. TK-Anlagen können selbstverständlich intern mehrere Arten von

Schnittstellen verwirklichen; das gilt auch für ISDN-TK-Anlagen.

Bei der Zulassung werden die Möglichkeiten der Anlage geprüft. Was davon im praktischen Einsatz genutzt wird, ist eine ganz andere Sache.

Nach den Vorstellungen der DBP sind ISN-TK-Anlagen solche Anlagen, an die intern "Hauptanschlußgeräte" angeschlossen werden können. Dies ist aber nur möglich, wenn dieselbe

Schnittstelle einschließlich Protokoll verwendet wird. Sind die Protokolle nicht gleich, enthalten aber dieselbe Basis, dann ist ebenfalls ein Betrieb, allerdings mit unterschiedlichem Leistungsumfang, möglich. Für diese Festlegung gibt es gute Argumente, und sie wurde auch von der Industrie zunächst mit getragen.

Die Schnittstelle für den ISDN- " Hauptanschluß" ist vom CCITT standardisiert. Neben S(0) auf der physikalischen Ebene, ist ein bestimmtes Signalisierungsprotokoll, als

D- Kanal- Protokoll bezeichnet, festgelegt. Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen.

Es gibt TK-Anlagen, die ISDN- fähig sind, ohne dem Anspruch der ISDN- Anlagen zu genügen. Allerdings kann man darüber, was ISDN- fähig ist, auch beliebig lange diskutieren.

Das Problem bei der Diskussion liegt darin, daß sie nicht sachlich, sondern emotional geführt wird, weil die "gewöhnliche" TK- Anlage als Anlage zweiter Klasse im Vergleich zur ISDN- TK-Anlage gesehen wird.

Es muß nochmals betont werden, daß die DBP keine internen Schnittstellen oder Protokolle für TK- Anlagen vorschreibt. Trotzdem soll auf die Diskussionspunkte noch kurz eingegangen werden.

Die S(0)- Schnittstelle ist eine Geräte- Schnittstelle, sie ist vierdrahtig; ihre Reichweite liegt je nach Konfiguration (Punkt- zu- Punkt- oder Punkt- zu- . Mehrpunkt- Verbindung) zwischen 150 und zirka 850 Metern. Beim Hauptanschluß liegt S(0) aber nicht an der Vermittlungsstelle, sondern am NT, der die zwieträchtige Anschlußleitung abschließt. Eine ähnliche Einrichtung wie der NT, sie soll einfach Leitungsanpassung genannt werden, läßt sich auch in TK-Anlagen einsetzen, so daß auch dort eine zwieträchtige Führung und eine größere Reichweite zu erzielen ist.

Bei Einführung einer U- Schnittstelle direkt in das Gerät wird die Leitungsanpassung im Gerät erforderlich, und die Möglichkeit, weitere Endgeräte mit derselben Schnittstelle an

diese Leitung anschließen zu können, geht verloren, ebenso wie für " Hauptanschlußgeräte " .

Ein weiterer Streitpunkt ist das D- Kanal- Protokoll. Für den Start des ISDN in der Bundesrepublik - wie in anderen Ländern- war es erforderlich, ein bestimmtes Protokoll, oder besser einen bestimmten Stand des Protokolls, zugrunde zu legen. Das hat die DBP getan,` in der klaren Erkenntnis, daß in der Zukunft einmal eine Änderung notwendig sein würde. Sie hat auch schon erklärt, daß sie das neue Protokoll einführen werde, wenn es genügend stabil sei, und daß sie in einer Übergangsphase beide Protokolle parallel einsetzen werde, so daß ein reibungsloser Übergang für

den Kunden gewährleistet wird.

Ein " neueres" , aber ebenfalls nicht endgültiges Protokoll in TK-Anlagen ist möglich, schließt aber den Einsatz von " Hauptanschlußgeräten" aus.

Abschließend ist zu sagen, daß die Dauer und Intensität der Diskussion der Sache nicht mehr angemessen sind; die Diskussion muß deshalb schnellstens beendet werden. Die DBP wird prüfen müssen, ob sie auf den Begriff ISDN- TK- Anlage verzichtet. Denn eine andere Definition wird noch viel mehr Meinungsverschiedenheiten auslösen.

Diplom-Ingenieur Meinrad Adelmann ist Ministerialrat im Bundesministerium für das Post- und

Fernmeldewesen Diplom-Ingenieur Rolf Gerdau ist sein Mitarbeiter.

Alles Definitionssache?

Im Bundespostministerium wünscht man sich die S(0)/U(P0) - Schnittstellendiskussion, in der es allerdings auch noch um unterschiedliche Protokolle geht, zu beenden. Diese, die potentiellen künftigen aber auch schon heutigen Anwender von ISDN-fähigen Nebenstellenanlagen verwirrende Auseinandersetzung ist offenbar, wie nebenstehender Text aus dem Bonner Ministerium nahelegt, auf eine mißverständliche Definition der ISDNTK-Anlage zurückzuführen. Der Text aus dem Hause Schwarzschilling regt an, künftig völlig auf diese Bezeichnung zu verzichten.

Immerhin war der einflußreiche ZVEI (Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie), in dem die Hersteller des in Rede stehenden Equipments zusammengeschlossen sind, wegen zwingender Post-Vorschriften für ISDN-TK-Anlagen, die - so der ZVEI - auf eine nationale Zwischenlösung hinauslaufen würden, an die Öffentlichkeit gegangen (siehe CW Nr. 19/88, Seite 1). Gefolgt waren mit einem "Positionspapier" die Im Deutschen Telecom e.V. zusammengeschlossenen Großanwender. Darin waren beispielsweise "monopolistische Gedanken der Bundespost" angeprangert worden (siehe CW Nr. 20/88, Seite 1). Schließlich war ein Interview in der CW Nr. 21/88, Seite 49, überschrieben mit der Siemens-Forderung: S. darf nicht ausschließliches Kriterium einer ISDN-TK-Anlage sein."