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13.06.1986 - 

Unter MVS oder VSE mit VSAM, ACFVTAM und CICSVS

Disoss: IBM-Architekturelemente für Bürosysteme

Viele EDV-Hersteller haben auf der Basis existierender Netz-Architekturen dedizierte Bürokommunikationssysteme entwickelt. Auch internationale Normungs- und Standardisierungsorganisationen haben sich des Themas angenommen und Empfehlungen ausgearbeitet. Hier sei nur als Beispiel auf die CClTT-Empfehlung X.400 (Message Handling Systems) hingewiesen. Das "Distributed Office Support System/ 370" (Disoss) ist ein Programmprodukt der IBM zur Unterstützung der Organisation und Kommunikation im Rahmen eines "automatisierten" Büros. Dieser Artikel soll die Anwendungsmöglichkeiten dieses Produkts und die Struktur des "Disoss" Systems zeigen.

Disoss bietet im wesentlichen drei Hauptfunktionsbereiche an:

- das zentrale System zur Ablage, Speicherung und Wiederauffindung von Informationen (Dokumente, Texte, Bilder, Mitteilungen etc.).

- das integrierte Netzsystem zur Verteilung der Informationen an die peripher angeschlossenen Benutzer mit den unterschiedlichsten Endgeräten von einfachen "dummen" Terminals bis hin zur vollständigen EDV-Anlage;

- Zentrale Computerdienstleistungen für alle Teilnehmer wie Druck- und Formatierungs-Aufträge, Übermittlung von "Batch-Jobs" an die EDV-Anlage von den peripheren Arbeitsplätzen aus.

Jeder Disoss-Benutzer kann eine Reihe von Funktionen benutzen, um Dokumente, die aus Text- oder Bildinformationen bestehen können, zu speichern, zu suchen, zu löschen oder zu modifizieren. Diese Funktionen werden durch interaktive Dialog-Schritte zwischen Benutzer und der zentralen Ablage gesteuert.

Andere Funktionen, wie "Verteilen eines Dokuments" oder Senden einer Nachricht", ermöglichen die Kommunikation zwischen verschiedenen Benutzern. Zu diesem Zweck kann jeder Benutzer einen "Briefkasten" (Mail-Log) anlegen. Er ist dann der "Besitzer" dieses elektronischen Briefkastens. Disoss-Benutzer können auch über die zentrale Ablage kommunizieren.

Der Urheber eines im Netz befindlichen Dokuments ist sein sogenannter "Besitzer". Er hat die am weitesten gehenden Befugnisse zur Modifikation und Verteilung des Dokuments. Andere Benutzer können allerdings "Mitbesitzer" eines Dokuments sein, was sie zu Teilmodifikationen oder auch nur zum Ansehen des Dokuments berechtigt.

Logische Struktur

Die zwei Hauptelemente von Disoss sind:

- Dokumente, als Träger der Informationen und

- Benutzer, als Erzeuger und Konsumenten von Information

Disoss unterstützt beide Bereiche in Form von internen Elementen des Disoss Netzwerks, aber auch als externe Elemente des Systems (externe Dokumente). Externe Dokumente sind Dokumente in anderen Ablagen, wie zum Beispiel Papierdokumente in einem Archiv, einer Bibliothek, oder andere elektronische Datenträger, deren Beschreibung in Disoss gespeichert wird. Dies dient einer einheitlichen Verwaltung aller in Disoss abgelegten Dokumente. Genauso können externe Empfänger definiert werden, um zum Beispiel Verteillisten einheitlich verwalten zu können. Das Dokument kann einen externen Empfänger nicht innerhalb des Disoss-Netzes erreichen, jedoch kann das Dokument durch Drucken und Postversand zum externen Empfänger gelangen. Diese Philosophie der Integration von internen und externen Benutzern und Dokumenten erlaubt die zentrale, automatisierte Verwaltung einer heterogenen Ablage und erleichtert die Einführung automatisierter Funktionen im Büro.

Die Aufträge des Benutzers an das System werden registriert und stehen als Verwaltungsinformation zur Verfügung. Der Benutzer kann eine Funktion für sofortige oder spätere Ausführung in Auftrag geben (Request). Bei sofortiger Ausführung wird die weitere Interaktion mit dem System unterbrochen, bis der Auftrag komplett durchgeführt ist. Bei späterer Ausführung werden weitere Aufträge angenommen und in einer Warteschlange bearbeitet. Die Aufträge "Speichern", "Suchen" und "Verteilen" werden in getrennte Listen aufgenommen. Der Benutzers kann jederzeit diese Listen einsehen, um sich über den aktuellen Status seiner Aufträge zu informieren.

Dokumente und ihre Suche

Disoss kennt zwei verschiedene Arten von Dokumenten:

I. Text:

- Texte werden mit unterschiedlichen Programmen und über verschiedene Endgeräte erzeugt und formatiert,

II. Bild:

- Bilder werden mit einer speziellen Peripherie (Scanmaster I) erfaßt und angezeigt.

Die Dokumente werden in der zentralen Host-Dokumenten-Bibliothek abgelegt und für den Abruf zur Verteilung oder Modifikation bereitge halten.

Zusätzlich kann der Benutzer eigene Programme erstellen, die über die Disoss-Anwenderschnittstelle (API: Application Program Interface) Dokumente automatisch erstellt, sucht, abruft und aus der zentralen Bibliothek löscht. Weitere programmierbare Funktionen sind:

- Hinzufügen von Suchkriterien bei Suchvorgängen

- Ausdrucken ausgewählter Dokumente

- Empfangen von Dokumenten aus dem Netz (von anderen Benutzern)

- Versenden von Dokumenten über das Netz (an andere Benutzer)

Disoss erlaubt den Abruf dieser Funktionen durch spezielle Kommandos, die in dem Satz der sogenannten DlA-Kommandos zusammengefaßt sind (DIA: Document Interchange Architecture).

Beispiel für die Suche

Das Suchen von Dokumenten erfolgt mittels Suchkriterien. Um das Suchen nach Dokumenten zu erleichtern, können die Suchkriterien mit AND-, OR- und CUTOFF-Operationen aufgebaut werden. Die Verschlüsselung für diese Funktionen ist frei wählbar. Angenommen, sie wären so definiert, daß AND = " , ", OR = " / " und CUTOFF = " * " ist, dann könnte nach folgenden Suchkriterien, zum Beispiel nach den Autoren eines Dokuments, gesucht werden:

a) "Jürgen, Bernd" alle Dokumente mit Jürgen und Bernd als Autoren

b) "Jürgen/Bernd" alle Dokumente mit Jürgen oder Bernd als Autoren

c) "J* " alle Dokumente mit Autoren, deren Namen mit J anfangen.

Disoss verfügt also über eine Abfragesprache für die Dokumentensuche.

Struktur des Hostrechners

Disoss läuft zusammen mit dem TP-Monitor CICS/VS (Customer Information Control System/Virtual Storage). Disoss besteht im Prinzip aus CICS-Transaktionen, die für die Verwaltung der zentralen Dokumentenablage und die Verteilung von Dokumenten zuständig sind. Voraussetzungen für den Betrieb von Disoss sind hauptsächlich das Betriebssystem MVS oder VSE, die IBM-Produkte VSAM, ACF/VTAM und CICS/VS.

In dieser Umgebung gibt es vier Stufen der Steuerung des Informationsflusses;

- das Betriebssystem (MVS)

- der Transaktionsmonitor (CICS)

- das Dokumentationsverwaltungsund Verteilungssystem (Disoss)

- die Bürokommunikationsanwendungen (Disoss-API-Applications).

Alle Anwendungen, die durch die Programmschnittstelle (API) mit Disoss kommunizieren, müssen im gleichen CICS/VS-Adreßraum (Region oder Partition) installiert sein.

Disoss ist in folgende IBM-Architekturen integriert:

a) SNA (System Network Architecture) für die Kommunikation mit der Peripherie und anderen Systemen.

b) DIA (Document Interchange Architecture) für die Formatierung der Nachrichten zwischen SNA-Geräten und -Systemen. Die Nachrichten enthalten Angaben über die auszuführenden Funktionen.

c) DCA (Document Content Architekture) beschreibt die Formate der Dokumente. Zwei Formate werden von Disoss benutzt:

- "Revisable Form": Das Dokument befindet sich noch in Bearbeitung.

- "Final Form": Das Dokument kann nicht mehr geändert werden.

Neben den vom Benutzer erstellten Anwendungen, den individuellen Diensten und Kommunikationsfunktionen mit Personalcomputern (Personal Services/370 und /PC) und Disoss/370 selbst, kann zum Beispiel ein Telexzugang installiert werden. Damit erweitert sich die Disoss-Benutzerwelt auch im Bereich außerhalb des eigentlichen Disoss-Netzes. Die folgende Abbildung zeigt eine Übersicht über die Struktur eines Dioss-Hostrechners.

Das Netzwerk und seine Peripherie

Mehrere Disoss-Hostrechner können zu einem Disoss-Netzwerk verbunden werden. Durch Benutzer-Directories und Routing-Tables werden sie zu einer Einheit. Das Verteilen von Dokumenten und Nachrichten findet im gesamten Netzwerk statt. Abb. 2 zeigt ein Beispiel eines Disoss-Netzwerkes.

Das Disoss-Netz arbeitet nach dem "Store-and-Forward"-Prinzip, das heißt, eine Nachricht (oder ein Dokument) wird von einem Disoss-Benutzer an einen oder mehrere Empfänger gesandt. Die Nachricht kann einem lokalen oder entfernten Empfänger zugesandt werden. Für Empfänger in anderen Disoss-Hosts wird im Benutzer-Directory des jeweiligen Hosts der Name des Benutzers, dem die Nachricht (Dokumente) zugeschickt werden soll, gesucht. Ist der Benutzer nicht im Directory des jeweils geprüften Hosts verzeichnet, befördert das Netzwerk die Nachricht zum nächsten Disoss-Host weiter, bis die Nachricht einen Host erreicht, in dessen Benutzer-Directory der Empfänger als lokaler Benutzer bekannt ist.

Dabei ist die Nachricht immer in einem Knoten des Netzwerks gespeichert. Falls die Kommunikation zum nächsten Knoten nicht stattfinden kann, bleibt die Nachricht in diesem Knoten, bis die Verbindung wieder hergestellt werden kann.

Disoss bietet, wie oben erwähnt, außer der Standardbenutzerschnittstelle eine Programmschnittstelle(API). Diese erlaubt Erweiterungen des Disoss-Netzwerks. So ist Disoss in der Lage, mit PROFS/VM oder Telex-Teilnehmern zu kommunizieren. PROFS/VM ist das "Professional Office System", ebenfalls ein IBM-Bürokommunikationssystem. Anschlüsse an Bürokommunikationssysteme anderer Hersteller oder an Systeme entsprechend dem CCITT-Standard-X.400 MHS (Message Handling System) können auf diesem Wege implementiert werden.

Ein anderes Beispiel für die Vernetzung über die Disoss-Programmschnittstelle bietet das Programm "Personal Services/370", das den Anschluß von IBM-327x-Terminals an Disoss ermöglicht und andere Hostdienste anbietet (zum Beispiel Job Submission).

Folgende Peripheriegeräte und -Systeme können unter anderem an den Disoss-Host angeschlossen werden:

- 327x-Terminals

- Personalcomputer

- Displaywriter System

- Scanmaster I

- IBM 5520 Administrative System (Display)

- IBM 8100/DOSF (Distributed Office Support Facility)

- IBM Professional Office System (PROFS-Endgeräte)

Das Disoss-Netzwerk erlaubt also eine umfassende Integration der gängigen IBM- Bürosysteme und zusätzlich den Anschluß an andere Kommunikationsnetze.

*Jordi Vilardell, Jürgen Döring. beide c/o Danet GmbH, Beratung und Software- Entwicklung, Darmstadt.

/370-Büro

Zwar ist Disoss (Distributed Office Support System /370) die Bürokommunikationsarchitektur des Marktführers, dennoch satteln es auch andere Hersteller (zumindest als Verkaufsargument) auf, womit - betrachtet man einmal die Angebotslage, - der Eindruck eines Quasi-Standards suggeriert wird. Wie komfortabel dann die Anwendung tatsächlich ist, können die Konpatiblen allerdings nur selten nachweisen und das dann auch nicht in der ganzen Breite des Ansatzes. Um möglichst nahtlose Übergänge von den fremden Hard- und Softwaregebäuden älterer Herkunft zum "einheitlichen" Dissos-Dach sind derzeit, will man den klassischen Anbietern glauben, ganze Scharen von Systemhäusern und natürlich Hersteller bemüht, zum Beispiel Wang und Nixdorf.

Disoss-Funktionen

Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Benutzerfunktionen im Disoss-Netz:

Library Services

Filing, Searching, Retrieving and Deleting a Document

Distribution Services

Distributing and Receiving a Document

Scanmaster I Support

Filing, Distributing and Receiving an Image Document Printing a Text Document

Document Interchange (between IBM Systems)

Handling Naming Conventions Changing Data Streams

Definition of User Performing

Work for Others

Application Program Interface

Service Aids Display Names of a User, Route Nodes, Queue Contens and Document Type. Delete an entry from a queue. Locate a Request by originator or recipient

Host Services

Batch Job Submission. Host print/format facilities

Host User Profile

Add and Delete User. Change Passwords and Change affinity relations between users. Print, List and Backup the Host User Profile data set

Routing

Add, change and delete a routing entry Print, List and Backup the Routing data set.

Document Library Management

Backup and Restore Documents. List a Document Profile. Change Ohner of a Document Add, Change and Delete a Search Term

Distribution List Definition

Maintain Scanmaster I distribution list

Control of Search Arguments

Cross Reference of Search Terms and Documents

Maintain Accounting Information

Account Disoss transactions.