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24.10.1980

Distributed Processing im Entwicklungszentrum Weissach:Porsche fährt auf einem Harris-Terminal

STUTTGART - Vom Porsche, dem Sportwagen schlechthin, bis zum Kampfpanzer Leopard der Bundeswehr reicht die Skala der Projekte im Entwicklungszentrum der Porsche AG in Weissach bei Stuttgart. Im Auftrag vieler anderer Unternehmen der Automobilbranche wie auch aus verwandten Gebieten wird dort geforscht, konzipiert, entwickelt und getestet, was vielleicht erst in vielen Jahren auf den Markt kommt. Für Porsche ist das Zentrum ein bedeutender Geschäftszweig. Moderne Informationssysteme halten in Weissach die Erfahrungen von über vierzig Jahren jung und die jüngsten Ergebnisse für den raschen Zugriff bereit. So jedenfalls heißt es in einer Image-Broschüre des flotten Hauses.

Porsche verfügt neben einigen kleineren Systemen über eine Großanlage IBM 3031 mit 2 MB Hauptspeicher und rund 3 Milliarden Bytes Plattenspeicher sowie über 25 lokal oder remote angeschlossene Bildschirmterminals (3270 mit Grafikzusatz sowie einige für die grafische Darstellung geeignete Fremdgeräte).

Das System arbeitet in zwölf Partitions, von denen zwei für das Teilnehmer-(Timesharing-)System VSPC mit TSO vorgesehen sind; der überwiegende Teil der Arbeiten erfolgt im Batch. Der EDV-Betrieb ist zur Zeit noch weitgehend zentral ausgerichtet; für die technisch-wissenschaftlichen wie für die kommerziellen Aufgaben besteht ein gemeinsames Rechenzentrum in der Hauptverwaltung in Stuttgalt-Zuffenhausen.

Um den Nebenbetriebsstätten mehr Autonomie für ihre spezifischen DV-Aufgaben einzuräumen, beschäftigt man sich in Stuttgart intensiv mit dem Thema "Distributed Processing" . Erster Schritt dazu ist die Ausrüstung einiger Nebenbetriebe mit intelligenten Terminals, die vor Ort neben der Datenerfassung auch die Prüfung der Stammdaten ermöglichen und als Auskunftssysteme dienen.

Beträchtlicher Aufwand

Für das Entwicklungszentrum Weissach ist die Aufgabenstellung allerdings erheblich komplexer als etwa im Vertrieb oder Wareneingang. Hier war als Einstieg in das Distributed Processing ein leistungsfähiges Multifunktions-Terminalsystem erforderlich, das in der Lage ist, als Remote-Job-Entry-Station Ein- und Ausgabe-Operationen durchzuführen und zwar nicht nur zum eigenen IBM-Rechenzentrum, sondern auch zu externen Großrechnern anderer Fabrikate. Eine Anschlußmöglichkeit an mehrere Hostrechner mit paralleler Arbeitsweise ist deshalb erforderlich, weil die Entwicklungsarbeit den Zugriff auf zahlreiche Programme erfordert, die über große Service-Rechenzentren angeboten werden (zum Beispiel für die Berechnung finiter Elemente und ähnlichem). Als relativ kleines Unternehmen mit beträchtlichem Forschungsaufwand hat Porsche einen hohen Bedarf an externer Rechnerleistung. Hinzu kommt, daß viele Auftraggeber für ihre Forschungsprojekte die Benutzung bestimmter Software-Systeme vorgeben.

Elf schieden aus dem Rennen aus

Aufgrund dieser hohen, in einem ausführlichen Pflichtenheft formulierten Ansprüche an das Terminalsystem schieden viele der zwölf an der Ausschreibung beteiligten Hersteller bald wieder aus dem Rennen aus. Die Wahl fiel schließlich auf ein Harris-System 1670, das an mehreren Hostrechnern gleichzeitig als Station für Remote-Job-Entry-/Remote-Batch-

Verarbeitung betrieben werden kann und parallel dazu noch in der Lage ist, die angeschlossenen Bildschirmgeräte nach Wahl der Bediener entweder als lokale Ein-/Ausgabegeräte zu behandeln oder als IBM 3270-kompatible Terminals des zentralen Großrechners zu steuern.

Nicht zuletzt konnte Harris auch problemlos vorhandene CalcompPlotter anschließen - die entsprechende Software war verfügbar.

Die Konfiguration des Distributed Processing-Systems Harris 1670 umfaßt 128 KB Hauptspeicher, eine Winchester-Platte mit 24 MB, ein Magnetband 8-Kanal mit 800 bpi für die Datensicherung und gegebenenfalls den Datenträgeraustausch zu anderen Rechenzentren, einen Schnelldrucker mit einer Geschwindigkeit von 300 Zeilen pro Minute und einen Lochkartenleser mit 300 Karten pro Minute sowie vier Bildschirmterminals (demnächst sechs) mit eigener Steuereinheit für die 3270-Emulation, die damit nicht zu Lasten der CPU des Terminalsystems geht. Über den Konsoldrucker teilt das System, das ohne eigenen Operator betrieben wird, dem Personal Im benachbarten Prozeßrechenzentrum seine Betriebssituation mit.

Auf der Softwareseite wird das Betriebssystem Ecos und der Regal-Compiler eingesetzt. Außerdem verwendet Porsche folgende Emulatoren: IBM 360/25 RJE-Station für acht Ein-\Ausgabeströme und Konsolunterstützung, CDC 200 UT und - zeitweise - IBM 3780 BSC Multileaving Workstation. Der monatliche Mietpreis im Rahmen eines Dreijahresvertrages beträgt zirka 7000 Mark.

Die Verbindung zwischen dem Terminalsystem und dem zentralen Rechenzentrum für die Betriebsarten Emulation der RJE-Station 360/25 und Emulation der 3271 Terminal Control Unit unter BSC wird durch zwei HfD Leitungen mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 9600 Bit pro Sekunde hergestellt. Zu externen Rechenzentren werden Wählleitungen benutzt, die auf Automatik geschaltet sind, so daß ein direkter Kontakt zum betreffenden Rechner jederzeit schnell über Log-in hergestellt werden kann. Als Emulatoren werden hier vor allem 200 UT und 3780 benutzt. Auf dem Bildschirm des Harris-Systems wird praktisch die Steuerkonsole des dargestellten Terminals abgebildet. Die Datenfernübertragung kann sofort erfolgen, oder aber der Endbenutzer baut Verarbeitungsaufträge auf, die bei der nächsten Verbindung abgearbeitet werden.

Außerdem kann jederzeit von jedem Bildschirm aus durch Knopfdruck auf lokalen Betrieb umgeschaltet werden, denn das System 1670 ist auch ein komplett autonom einsetzbarer Rechner mit eigener Dateiverwaltung und eigener Programmierung/Verarbeitung im Batchbetrieb (Cobol) oder im Dialogbetrieb (Regal = Harris-eigene interaktive Sprache).

Erste Stufe erreicht

Diese Möglichkeit des lokalen autonomen Betriebs soll künftig in Weissach noch stärker genutzt werden und zwar für die Verwaltung der Entwicklungsprojekte. Für diesen Aufgabenkomplex erstellen die Anwender (Entwicklungsingenieure) zur Zeit eigene Programme. Ihre in der Ausbildung und der praktischen Arbeit gewonnenen EDV-Kenntnisse kommen ihnen dabei sehr zugute.

Die seit Anfang dieses Jahres mit dem Terminalsystem 1670 - dem leistungsfähigsten mit Multifunktionseigenschaften in der Harris-Terminal-Palette - gemachten Erfahrungen haben nach Aussage von Dr. D. Stumpfe, dem Leiter der Datenverarbeitung bei Porsche, die hohen Erwartungen voll erfüllt und die überlegenen Kommunikationsfähigkeiten bezeugt. Damit ist die erste Stufe des EDV-Dezentralisierungs-Konzeptes bei Porsche erfolgreich genommen worden.