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28.05.1976

"Distributed Processing" - nur ein Schlagwort?

Die Kontroverse "Dezentralisation - Zentralisation" war Hauptthema der Messe. Ausgelöst durch IBM's Journalistenschelte (CW-Nr. 19 vom 7. 5.): "Trends in der Datenverarbeitung") eskalierte der Disput zum Glaubenskrieg: "Die EDV-Intelligenz am Arbeitsplatz des Disponenten ... wird sich ... vom Werbeslogan zur Anwendungswirklichkeit durchsetzen", konterte etwa Dr. Jürg Tschirren, Geschäftsführer der Honeywell Bull GmbH. Was gar Heinz Nixdorf vor eigener Mannschaft bei einer Hannover-Siegesfeier den Thesen des Marktführers entgegenstellte, hat des Sängers Höflichkeit zu verschweigen. Die Crux liegt schon im Begrifflichen: "Distributed Processing" (von einem Fachjournalisten mit "Verzweifeltes Processieren" übersetzt), "Verteilte Intelligenz", "Arbeitsplatz-orientierte Datenverarbeitung" - Schlag - für ein und dasselbe Konzept? In Sachen "Verteilte Datenverarbeitung" konnte der Messebesucher jedenfalls viel Grundsätzliches hören. CW notierte:

Walter Tietz, Ing. (grad) Leiter des CEPT-Büros "Ständiger Kern des europäischen Spezialkomitees für Datenübertragung beim Fernmeldetechnischen Zentralamt, Darmstadt"

"Distributed Processing", "Verteilte Intelligenz", Computer an den Arbeitsplatz": Alles im Kern identische Aussagen, unter denen jeder etwas anderes versteht. Wer keine eigenen Vorstellungen mitbrachte, kann eigentlich durch die verschiedenen Ansichten, die von einzelnen Herstellern (aber auch anderen kompetenten und inkompetenten Experten) dargeboten wurden, nur total verwirrt nach Hause gezogen sein.

Wenn hier von "Verteilter Intelligenz" gesprochen wird, dürfte dies wohl immer in Zusammenhang mit Datenfernverarbeitung stehen. Nun gibt es solche Ideen ja schon seit Jahren, einige Hersteller haben sogar darauf ihren Markterfolg gegründet.

Das Angebot an "Teminalcomputern" oder ähnlichen Einheiten ist ganz allgemein komplexer geworden und abseits der großen Herstellerfirmen schwer zu durchschauen.

Die dezentralen Einheiten werden immer besser ausgestattet (immer schlauer, sprich teurer) und bilden sich vielfach als eigene Netzknoten vor Ort aus. Das schon leicht abgenutzte Schlagwort vom "Computerverbund" geistert weiter durch die Gehirne, wobei man offenbar solche dezentralen Einheiten gedanklich mit einbezieht. Für einen Anwender dürfte es wahrscheinlich peinlich sein, wenn er erst sehr spät merkt, daß es dabei verschiedene fernmeldetechnische Gegebenheiten zu berücksichtigen gibt, auf die ihn niemand aufmerksam gemacht hat.

Reiner Daelen, Leiter ORG + Programmierung Datel GmbH, GS München

Dem Durchbruch zum intelligenten Bildschirmterminal mit Komfort und zum preiswerten Front-End-Rechner steht nichts mehr im Wege. Die technologische Beherrschung des Mikroprozessoren-Einsatzes mit modularer Peripherie wie Tastaturen, Druckern, Laufwerken für Magnetplatten oder Magnetbandkassetten und Bildschirmen in Verbindung mit anpassungsfähigen Datenübertragungsprozeduren ist so weit vorangekommen, daß wir 1976 entscheidende Fortschritte in der Integration unserer RZ-Dienstleistungen in den betrieblichen Ablauf de Anwender durch die Verbesserung der Datenvorverarbeitung, der Beleggewinnung und des Zugriffs auf unsere Standardprogramme am Arbeitsplatz bieten können.

Die RZ-Benutzer verwenden bereits Dialog-, Stapelverarbeitungs- und Datenerfassungsterminals sowie Front-End-Rechner, jedoch die erhebliche Verbilligung und die große Leistungssteigerung sowie die Geräuschminderung im Bereich der Drucker mit 30-200 Zeichen/ sec ermöglicht künftig den, Einsatz organisatorisch am Arbeitsplatz eingegliederter intelligenter Druckerterminals mit Speichermedium.

Die vielfach besprochenen Softwareprobleme der "Intelligenzverteilung" lassen sich auf ein Minimum reduzieren, da sich Terminals mit einfacher und wartungsarmer Erfassungssoftware wirtschaftlich programmieren lassen.

Wolfgang Neugebauer, Unternehmensberater der Mummert und Partner Gruppe

Der Trend - der zentralen Datenverarbeitung findet dort seine Grenzen, wo die Bearbeitung von singulären Massentätigkeiten Verzögerungen in der Bearbeitung mit sich bringt.

Häufig ist man bemüht, die Probleme durch größere Hardware-Konfigurationen und/oder Mehrschichtbetrieb aufzufangen.

In die Überlegungen des Preisverhältnisses, des einmaligen Umstellungsaufwandes und der laufenden Kosten empfiehlt es sich, die Möglichkeiten des "Distributed Processing" mit einzubeziehen. Im Distributed Process können einzelne Programme bis hin zu geschlossenen Anwendungskomplexen ausgelagert werden.

Lassen Sie mich dies an den Problemen der Versicherungswirtschaft erläutern: Einmalig auftretende Arbeitsschritte je Vertragsabschluß wie Eingabe und Prüfung, Berechnung und die Policenfertigung werden mit dem Distributed Processing übernommen und entlasten die zentrale EDV-Anlage zugunsten von permanent anfallenden Arbeiten wie Sollstellung, Provision, Inkasso, Schadenbearbeitung, Statistiken etc. Das Distributed-Processing-System läßt sich sowohl online als auch offline einsetzen. Bei Einsatz eines solchen Systems empfiehlt es sich, über einen Stufenplan unter permanenter Überwachung des Preis-/Leistungsverhältnisses zu einer homogenen Integration aller Arbeitsabläufe zu gelangen.

Ergebnis: Permanenter Dialogverkehr, tagfertiges Updating sämtlicher Dateien. Sofortige Policenerstellung.

H. Timmermann, Datenverwaltung Gemeinnützige Siedlungs AG (SAGA), Hamburg

Die Frage der Datenverarbeitung wird -hauptsächlich aus dem Aspekt des Kosten-Nutzen-Verhältnisses gesehen. Dies führte zur Entwicklung immer größerer Anlagen, mit dem Ergebnis, daß berechtigte Wünsche und Anliegen der Fachabteilung und der Bearbeiter häufig deswegen nicht berücksichtigt wurden, weil mit der Realisierung dieser Wünsche zu großer Programmierungsaufwand oder zu geringe Maschinenzeiten verbunden wären. Neben den Erfordernissen, jederzeit einen unkomplizierten Zugriff zu den Unternehmensdaten zu erreichen, haben auch diese Gesichtspunkte eine entscheidende Rolle gespielt, neben einer konventionellen Datenverarbeitungsanlage ein Informationssystem Inforex 5000 mit neun Terminals in Betrieb zu nehmen.

Durch die Ausgabe EDV-kompatibler Bände ist die Verbindung zur Datenverarbeitung unproblematisch. Die durchgeführten Arbeitsabläufe erweitern die Informationsmöglichkeiten im Unternehmen in erheblicher Weise, ohne daß vorhandene Programme der Datenverarbeitung geändert werden mußten. Wir versprechen uns von der zunehmenden Verlagerung der Datenerfassung und Datenspeicherung auf den Sachbearbeiter eine größere Transparenz des Betriebsablaufes und eine erhöhte Beteiligung am Betriebsgeschehen.