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02.12.1988 - 

Deutsche Krankenversicherung (DKV) trennt sich von Sternstruktur

DKV: Token Ring für mehr DV-Sicherheit

KIaus Anzinger leitet derzeit kommissarisch das Fachgebiet "Grundsatzfragen und interne Dienste" bei der Deutschen Krankenversicherung AG (DKV).

KÖLN - An die Stelle einer inzwischen als überholt betrachteten Sternstruktur tritt bei der Deutschen Krankenversicherung AG (DKV) aus Köln ein Token-Ring-Konzept auf der Basis eines IBM-Verkabelungssystems mit Glasfasern. Diese Lösung sollte vor allen Dingen ein schnelles und sicheres Umpoolen der DV in Backup-Fällen unterstützen.

Von rund 2000 Terminals sind heute etwa 1500 Bildschirme der zentralen DKV-Hauptverwaltung an den beiden Großrechnern IBM 3084-Q64 angeschlossen. Wie allgemein zu beobachten, so wuchs auch in der DKV in den vergangenen zehn Jahren ein umfangreiches Koax-Sternnetz heran. Von jedem Terminal der verschiedenen Stockwerke der Hauptverwaltung ging also eine Koax-Leitung zu den im Rechenzentrum installierten Lokal-Steuereinheiten. Neben zirka 140 000 TSO- sind täglich mehr als 400 000 CICS-Transaktionen im Lokalbetrieb zu bewältigen.

Die gestiegene DV-Abhängigkeit machte eine Überprüfung des Sicherheitskonzepts erforderlich. Da die jetzt 18 Jahre alte RZ-lnfrastruktur nicht nachhaltig verbessert werden konnte, entschied sich die DKV einerseits zu einem RZ-Neubau mit modernster Sicherheitstechnik, der neben der Hauptverwaltung entstehen sollte, und andererseits für eine externe Backup-Lösung bei der Info AG.

Eine Backup-Sicherung hatte wegen der Abhängigkeit der Sachbearbeiter von der Bildschirm-Unterstützung für die DKV aber nur einen Sinn, wenn diese Bildschirme bei einer Katastrophe dann auch weiterbetrieben werden können. Dies sollte übergangsweise mit Remote-Steuereinheiten bewerkstelligt werden, die für eine kritische Menge von 480 Bildschirmen von der Info AG ausgeliehen wurden. Unabhängig davon, ob die Backup-Lösung mit der Info AG nach Bezug des RZ-Neubaus von der DKV aufgegeben werden wird oder nicht, suchte die DKV nach einer flexiblen Netzlösung für

- das schnelle und sichere Umschalten in Backup-Fällen und

- das einmalige Umschalten auf das neue DKV-Rechenzentrum.

Sehr schnell wurde klar, daß der bisherige Lokalbetrieb in seiner Sternstruktur hierfür gänzlich ungeeignet war. Wenn schon ein ganz neues Netz, dann sollte dies auch die nächsten 15 bis 20 Jahre überdauern können. Zukunftssicherheit war also ebenfalls gefragt, um künftige Lösungen der Informationsverarbeitung zu ermöglichen.

Austausch von 50 Lokal-Steuereinheiten

An dieser Stelle alle Aspekte der verschiedensten LAN-Alternativen aufzuführen, würde diesen Berichtsrahmen sprengen. Aus Sicht der DKV sprachen folgende Punkte für ein Token-Ring-LAN auf Basis des IBM-Verkabelungssystems:

- durch die Ringstruktur kann der Standort von Rechnern und Terminals schnell und ohne großen Aufwand verändert werden,

- sehr sichere Datenübertragung durch doppelt abgeschirmte Kabeltypen und Lichtwellenleiter (Überspannungsschutz zum RZ!),

- verteilte Netzsteuerung minimiert Knotenabhängigkeit,

- internationale Normung minimiert Herstellerabhängigkeit,

- große Leistungsreserven für die Zukunft (16 beziehungsweise 100 MBit pro Sekunde),

- keine stochastische, sondern deterministische Performance,

- Peer-to-Peer-Kommunikation mit großer Geschwindigkeit,

- geeignet für die Übertragung von Grafiken und Festbildern (eine Video-Bandbreite ist aus unserer Sicht nicht erforderlich).

Weitere Argumente für die neue Vernetzung: einheitliche SNA-Netzsteuerung für Lokal- und Remotebetrieb, automatische Fehlerlokalisierung und gute Wartbarkeit, variable Ausbaufähigkeit mittels Backbone-Konfiguration, einheitliche Verkabelung für unterschiedliche DV-Geräte, leichte Erweiterbarkeit und dynamische Konfiguration und geringe Anschluß-, Netz- und Betriebskosten.

Test-lnstallation mit 128 Bildschirmen

Eine Abkehr vom bisherigen Netzbetrieb war in jedem Fall mit einem Austausch der mehr als 50 Lokal-Steuereinheiten IBM 3274 verbunden. Diese Modelle waren teilweise schon zehn Jahre im Einsatz und mußten sowieso einmal gegen neue mit verbesserten Funktionen ausgetauscht werden. Insofern paßte die Bestellung von neuen Token-Ring-fähigen TP-Steuereinheiten IBM 3174 auch aus dieser wirtschaftlichen Sicht gut in das Bild.

Bei einer durchschnittlichen BS-Transaktionsmenge von 5000 Zeichen, das sind

40 000 Bits, können mit der derzeitigen Token-Ring-Geschwindigkeit von vier MBit pro Sekunde theoretisch 100 BS-Transaktionen pro Sekunde stattfinden. Bei einer gemessenen Host-Spitzenbelastung von 24 Tr pro Sekunde würde rechnerisch eine maximale Auslastung von 24 Prozent erreicht werden.

Ein Test mit vier Steuereinheiten und 128 Bildschirmen in einer Fachabteilung sollte zur praktischen Gewißheit verhelfen. Die mit dem Response-Time-Analyzer gemessenen Antwortzeiten zeigten keine nennenswerten Unterschiede im Performance-Verhalten der Token-Ring-Testinstallation gegenüber der herkömmlichen Technik. Das in einer IBM

3725-001 zu diesem Test nachträglich eingebaute Token-Ring-Gateway funktionierte problemlos. Die Testergebnisse waren überaus positiv, so daß mit der Feinplanung im März 1988 begonnen werden konnte.

Bei der Netzkonzeption hat sich die DKV für eine Backbone-Struktur mit zwei Hauptringen in Glasfaser-Technik und sechs Nebenringen mit Typ-1-Kabel entschieden. Über Brücken-PCs können diese Nebenringe entsprechend den Sicherheitsanforderungen unterschiedlich zusammengeschaltet werden. Die beiden Hauptringe bedienen je zwei Token-Ring-Gateways an den beiden Kommunikationsrechnern IBM 3745-210, wobei jeder die Last des anderen mittragen kann. Der Einsatz von Glasfaserkabeln gibt uns mehr Sicherheit gegen äußere Störeinflüsse (Strahlenschutz, Überspannungsschutz etc.) und gewährleistet schnellere Ringgeschwindigkeiten in der Zukunft.

Bildschirme mittels Balun angeschlossen

Die BS-Steuereinheiten IBM 3174 stehen nun nicht mehr im Rechenzentrum, sondern in den Fachabteilungen, wo sie mittels Zeitschaltuhren elektrisch ein- beziehungsweise ausgeschaltet werden. Die auf den Etagen liegenden 93-Ohm-Koaxkabel wurden weiterverwendet. Im neuen RZ-Anbau wird generell das Typ-1-Kabel verwendet, auch wenn sich die Nokia-Bildschirme dort nur mittels Balun anschließen lassen.

Mit der gesamten Netzinstallation hatten wir die Firma Telenorma beauftragt, die diese Aufgabe schnell gut und preiswert erledigte. Die in knapp vier Monaten geschaffene Token-Ring-Infrastruktur kostete etwa 200 Mark pro Terminal, beim weiteren Ausbau ist nur mehr mit rund 100 Mark pro Terminal zu rechnen.

Hinsichtlich der Sicherheit, Zuverlässigkeit und Flexibilität dieser Token-Ring-Installation hat die DKV bisher die besten Erfahrungen gemacht. Die gemessenen Performance-Werte lassen darauf schließen, daß ein einziger Token-Ring mit vier MBit pro Sekunde wohl mehr als das Doppelte, das sind mindestens 3000 Bildschirme beziehungsweise eine Million Transaktionen pro Tag, unter ähnlichen Bedingungen gut bedienen können müßte.

Mit dem Token-Ring-LAN hat die DKV eine Infrastruktur geschaffen, die sowohl den gestiegenen Sicherheitsbedürfnissen, als auch den mittel- und langfristigen Anforderungen der verteilten Informationsverarbeitung entsprechen kann.

Sprachkommunikation für Manager-Arbeitsplätze

Für die nahe Zukunft sieht die DKV den Einsatz von Personalcomputern mit Großrechneranschluß vor allem bei den Planer-/Programmierer-Arbeitsplätzen. Filetransfer ist mit Token-Ring kein Problem mehr, auch nicht das Übertragen von Images. Die DKV ist also für die Zukunft bestens gerüstet.

Noch ein letztes Wort zur Verwendung von Telefon-Kabeln in der DKV: preiswert, nicht ganz so sicher, für kleinere dezentrale Organisationseinheiten durchaus interessant jedoch weniger für die Sachbearbeiter-Arbeitsplätze der Hauptverwaltung geeignet.

Bei Manager-Arbeitsplätzen steht mehr die Sprachkommunikation im Vordergrund. Mit 20 Multifunktions-Terminals Hicom 3510 kann dieser Personenkreis im Rahmen eines BK-Tests auch auf die Datenanwendungen des Großrechners zugreifen. Dazu wurde eine /3270-Verbindung zwischen dem Host und der ISDN-Anlage Hicom 3000-L geschaffen.

Sollte sich diese Netz-Koexistenz bewähren, kann eine Ausdehnung dieses Konzepts ins Auge gefaßt werden.