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30.05.2008

DMS-Zertifikate der SAP helfen wenig

Dienst am Kunden, Marketing oder schlicht Geldverschwendung? An der SAP-Zertifizierung für Archivanbieter scheiden sich die Geister.

Zu einer Sensationsmeldung stilisierte kürzlich der DMS-Anbieter Easy Software seine SAP-Zertifizierung: Mit über 820 000 archivierten SAP-Dokumenten pro Stunde sei das eigene Produkt "Easy Enterprise X" weltweit Spitze, hieß es in einer Pressemeldung. Das Unternehmen hatte zuvor die Verfahren "ArchiveLink Certification", "Ready for Solution Manager Test" sowie die "Archive Link Load Test Certification" absolviert. Diese Zertifikation verlangt oder empfiehlt die SAP zum Nachweis einer guten Integration externer Archivlösungen in ihre ERP-Umgebung. Allerdings hatten die Walldorfer Ende 2007 ihre Regeln geändert und über 100 Anbietern ihre bisherige Zertifizierung aufgekündigt.

Technisch keine Änderungen

Zudem hatte sich zu diesem Zeitpunkt technisch an den SAP-Schnittstellen nichts geändert, was eine Neuzertifizierung gerechtfertigt hätte. So ist die ArchiveLink-Schnittstelle, die von SAP zur Archivierung von gescannten Eingangsdokumenten, erzeugten Ausgangsdokumenten und Drucklisten für verschiedene Speichersysteme geschaffen wurde, weiter in Version "ArchiveLink for Archiving Systems 6.20" im Gebrauch, bestätigt Jobst Eckardt, SAP-Experte bei Zöller & Partner. Ebenso sei der ergänzende ArchiveLink Load Test bereits seit 2003 eine Option für DMS-Anbieter. Es handelt sich dabei um einen speziellen Lasttest für die Speicherung ausgehender SAP-Dokumente, Drucklisten und Archivobjekte sowie deren spätere Anzeige.

SAP bestätigt den erfolgreichen Test mit einem Zertifikat, das die Anzahl archivierter ausgehender Dokumente pro Stunde und die CPU-Belastung der verwendeten Server-Hardware nennt. Die Detailergebnisse wie beispielsweise der verwendete Prozessortyp, Hauptspeicher, Zeitangaben zu Drucklisten und Archivobjekten werden nur als Hinweis im OSS (Online Support System) der SAP veröffentlicht. Bisher haben sich nur wenige DMS-Anbieter dem Lasttest unterzogen. Zu ihnen gehört nun Easy Software, das mit seinen Sensationszahlen Wettbewerber wie den bisherigen Spitzenreiter SER herausfordern will.

Künstliche Testbedingungen

Als Unterscheidungsmerkmal zwischen den Archivlösungen im Markt eignet sich die ArchiveLink-Schnittstelle nicht, da praktisch alle Anbieter sie verwenden.

Noch schwieriger wird es mit der Bewertung des Lasttests, der laut SAP nicht als Benchmark zu verstehen ist. Aktuell ist dieser für Windows- und Linux-Server möglich, wobei SAP die Konfiguration der verwendeten Hardware ganz dem Anbieter überlässt. Dies führt dazu, dass die in den Zertifikaten der DMS-Anbieter veröffentlichten Ergebnisse für einen SAP-Kunden nicht vergleichbar sind. Vor allem aber erfolgen die Tests typischerweise unter so genannten Reinraumbedingungen, erklärt Berater Eckardt: "Keines der beteiligten Systeme hat in dieser Zeit etwas anders zu tun, als Dokumente zu produzieren (SAP) und Dokumente zu speichern (DMS), die Dokumente werden nur im Festplatten-Cache verwaltet. Dies entspricht nicht unbedingt einer typischen Nutzung der beteiligten Systeme im realen Betrieb."

Lasttest ohne Aussagekraft

Zudem sei fraglich, ob sich ein SAP-Anwender überhaupt für solche extrem hohen Durchsätze, wie sie Easy und andere melden, interessiere, wenn er keine High-end-Anforderungen bei der Massenverarbeitung von SAP-Dokumenten hat. Dies räumt auch Torsten Engers, Produkt-Manager bei Easy Software, ein. Das ganze Testverfahren spiegele keine realen Betriebsbedingungen wieder. Es gebe aber immer wieder Kunden, die nach solchen Zahlen fragten: "In der Praxis wären schon 100 000 archivierte SAP-Dokumente pro Tag ein hoher Wert."

Wettlauf der DMS-Hersteller

Dennoch entwickeln einige DMS-Anbieter erhebliche Energien, um sich durch den Lasttest von der Konkurrenz abzusetzen. "Da werden in einer Teststellung acht Sun-Server zu einem Archivsystem geclustert, oder ein Hersteller mietet sich bei IBM ein, um auf dem Schönsten und Besten zu testen, was IBM in seinen Forschungslabors zu bieten hat." Diese Szenarien hätten aber nichts mit einer typischen Umgebung in mittelständischen Unternehmen zu tun. Immerhin habe Easy das Archiv und das SAP-System zusammen auf einem "ESX Server" von VMware getestet, den auch der Mittelstand vermehrt einsetze, argumentiert Engers. Basis waren gängige Produkte wie ein Intel-Xeon-Quad-Core-Server unter Windows 2003 Server und Microsoft SQL Server beziehungsweise AIX und Oracle.

Nutznießer dieses Wettrennens ist in erster Linie SAP. Der Hersteller beteiligt sich nicht an den Tests und lässt die Archivanbieter auf ihren Kosten sitzen. "Die Schwierigkeit, die wir im Test hatten, war nicht das Archivsystem, sondern ein SAP-System zu finden, das solche Dokumentenmengen überhaupt produzieren kann", erzählt Easy-Manager Engers. Zudem habe die Doppelzertifizierung für Windows 2003 und AIX rund 20 000 Euro gekostet. Hinzu kommen Personalkosten, die beim Test anfallen. Durch die nun obligatorische Neuzertifizierung alle drei Jahre steigen diese Ausgaben für alle Hersteller weiter. Dies hat laut Insidern viele Anbieter aufgebracht und einige bewogen, sich nicht mehr zertifizieren zu lassen (offenbar in erster Linie solche, für die Archivierung nicht zum Kerngeschäft zählt). Offen trauen sich dennoch die wenigsten Hersteller, sich über SAPs Politik zu beschweren.

SAP verteidigt sich

Als Rechtfertigung kamen laut den Betroffenen von der SAP nur warme Worte und das Argument, durch das geänderte Verfahren die Qualität aller DMS-Komponenten steigern zu wollen. Auf Anfrage hieß es seitens der SAP dazu, dass das Prozedere auf denselben neuen Zertifizierungsgrundlagen basiere wie für alle anderen SAP-Schnittstellen. Auch sei der Preis für eine SAP-ArchiveLink Zertifizierung seit dem Jahr 2002 unverändert geblieben.

Doch selbst die SAP schränkt die Bedeutung ihres Lasttests ein: "Wir haben nie eine Ranking-Strategie verfolgt. Allerdings ergeben sich aus den verschiedenen Zahlen der einzelnen Hersteller natürlich verschiedene Bewertungen. Was die Archiv-hersteller, die SAP-Kunden oder der Markt daraus machen, bleibt ihnen überlassen."

Was wird getestet?

Die Zertifizierung der Schnittstelle mit der Bezeichnung "ArchiveLink for Archiving Systems 6.20" (BC-AL 6.20) hat sich auch nach der Einführung von Tests im Dreijahresrhythmus nicht geändert. Folgende Funktionsbereiche werden geprüft:

http-Content-Server;

SAP-Content-Server-Cache;

OLE-Frontend-Kommunikation;

Barcode-BAPI-Funktionen;

Solution-Manager Ready-Funktionen.

Ferner existiert mit dem "ArchiveLink Load Test" seit 2003 eine Option für einen zusätzlichen Lasttest. Mit ihm können DMS-Anbieter die Speicherung ausgehender Dokumente, Drucklisten und Archivobjekte sowie deren spätere Anzeige messen. Dabei haben sie weitgehend freie Hand bei der für die Teststellung genutzten Hardware. Im Gegenzug stellt SAP ein Zertifikat über die Zahl der archivierten ausgehenden Dokumente pro Stunde und der CPU-Belastung der verwendeten Server-Hardware aus.