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21.05.2004 - 

Angebote für Mittelstand und Mainframe-Kunden

Documentum trimmt Software auf Storage

LISSABON (fn) - Die EMC-Tochter Documentum will in den nächsten Monaten ihre Content-Management-Software mit den Storage-Systemen der Muttergesellschaft integrieren. Damit sollen Anwender in der Lage sein, über Regeln festzulegen, wie Inhalte gespeichert oder archiviert werden. Auf der Anwenderkonferenz "Momentum" kündigte der Softwareanbieter zudem neue Produkte an.

Ziel der Entwicklungen von Documentum ist es, Anwendern Funktionen zu liefern, mit denen sie das Repository der Content-Management-Umgebung mit den Storage-Systemen von EMC koppeln können. So soll es möglich sein, über Regeln festzulegen, zu welchem Zeitpunkt welcher Content in welchen EMC-Geräten abgelegt wird. Je nach Status und Lebenszyklus eines Dokuments wird es von der Documentum-Software in ein kostengünstiges "Clariion"-System, ein Storage Area Network auf Grundlage der "Symmetrix"-Produkte oder ein "Centera"-Archiv überführt. Hierzu erweitert Documentum das Objektschema im Content-Repository um die für die Speicherung relevanten Attribute "Storage Options", "Protection Level" und "Migration".

Regelgesteuertes Speichern

Ein Objekt kann dabei ein komplettes Schriftstück, ein Absatz oder nur ein einzelner Satz sein. Die Storage Options vermerken, auf welchem Storage-System die Inhaltsobjekte zu speichern sind. Protection Level beschreibt, wie das Backup erfolgen soll, beispielsweise auf einem Platten- oder einem Bandsystem. Migration definiert, zu welchem Zeitpunkt archiviert werden soll. So lassen sich Dokumente nach 30 Tagen automatisch in ein Archiv überführen.

Einen Teil dieser Funktionen möchte Documentum mit dem nächsten Release 5.2.5 SP2 im Juli ausliefern. Zunächst realisiert der Anbieter die Storage-Kopplung für die EMC-Produkte, Anpassungen an die Systeme anderer Storage-Anbieter folgen später. Zudem sollen in den nächsten 18 Monaten Funktionen des Documentum-Repository in die EMC-Produkte wandern. "Auf diese Weise erhalten die Storage-Systeme ein intelligentes File System", erklärte Documentum-Chef Dave De Walt im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Künftig will man verstärkt kombinierte Lösungen aus Hard- und Software anbieten, beispielsweise ein Storage-Gerät mit Programmen zum Archivieren von E-Mails oder ERP-Daten. Diese Angebote würden dann über Distributionskanäle vertrieben werden. Bisher adressiert Documentum vor allem große Unternehmen, die Content-Management-Systeme im Rahmen von umfangreichen Projekten einführen.

An Kunden aus dem Mittelstand richtet sich das Produkt "Application Extender 5". Dabei handelt es sich um eine Software für Windows/.NET, mit der Anwender Papierdokumente scannen und archivieren können. Außerdem sind sie damit in der Lage, Office-Dokumente und E-Mails in einem Repository abzuspeichern.

Auch mit Mainframe-Kunden möchte Documentum verstärkt ins Geschäft kommen. Über Zusatzsoftware bindet der Anbieter auf Hosts lagernde Dokumente in das eigene Repository ein. Außerdem haben Host-Anwender die Möglichkeit, den Content-Server von Documentum in einer Unix-Partition auf dem Großrechner zu betreiben.

So wie andere Content-Management-Spezialisten, darunter IBM und Filenet, arbeitet auch Documentum an einem Konzept, um fremde Repositories in die eigene Umgebung einzubinden. In Zukunft soll es möglich sein, Daten aus ERP-Systemen, Datenbanken, Messaging-Software sowie den Content-Repositories von Wettbewerbern wie Open Text, IBM und Filenet in Documentums Lösung zu integrieren. Einen ersten Schritt in diese Richtung unternimmt der Hersteller mit dem "Federated Query Layer", der eine Suche über externe Repositories hinweg gestattet.

Viele Firmen wünschen sich Methoden, um verschiedene Datenspeicher über ein zentrales Content-Management-System anzubinden. Dies erleichtert es ihnen beispielsweise, Dokumente wie Verträge mit den entsprechenden Kundendaten aus CRM- oder ERP-Programmen zu verknüpfen. Auf diese Weise lassen sich Geschäftsvorgänge etwa im Kundendienst effizienter gestalten, da Sachbearbeiter leichter und schneller als bisher auf relevante Informationen zugreifen können, und zwar unabhängig davon, in welchem IT-System, Format oder Standort sie lagern. Um Abläufe nicht nur innerhalb der Documentum-Software, sondern auch systemübergreifend steuern zu können, verbreitert der Softwarehersteller sein Angebot für das Business-Process-Management.

Prinzipiell sollen alle Funktionen der Documentum-Software sowohl für das eigene als auch für die über Schnittstellen angebundenen Repositories anderer Hersteller verfügbar sein. Doch hier gibt es Einschränkungen. So ist es nicht möglich, die eingangs erwähnten Erweiterungen der Content-Management-Umgebung bezüglich Storage-Optimierung auch für Inhalte in externen Datenspeichern zu nutzen.

Flexibles Archivieren

Documentum erweitert sein Softwareangebot um Funktionen zum Verwalten und Archivieren von E-Mails. So wird es künftig eine auf dem Produkt "E-Mail Extender" von Legato aufsetzende Lösung geben, die es Anwendern gestattet, Mails wie Geschäftsdokumente im Repository zu speichern beziehungsweise zu archivieren. Legato wurde wie der Content-Management-Anbieter selbst von EMC übernommen. Bisher mussten Documentum-Kunden zur E-Mail-Archivierung auf Angebote von Drittherstellern zurückgreifen. Der Hersteller arbeitet an einer universellen Schnittstelle, über die künftig sowohl E-Mails als auch Daten aus ERP-Systemen von SAP und Peoplesoft sowie eingescannte Papierdokumente in das Repository eingefügt werden können.

Das künftige Angebot fasst das Softwarehaus unter "Compliance Archival and Retrieval Solution" zusammen. Hier fließt Technik der übernommenen Firma Trearc ein. Dazu gehört auch eine Lösung für Computer Output on Laser Disc (Cold). Dies ist ein Novum für Documentum, da sich die Firma bisher nicht mit dieser klassischen Disziplin des Dokumenten-Managements beschäftigt hat. Anbieter wie IBM, Filenet, Ixos Software (inzwischen übernommen von Open Text), Easy Software, Ceyoniq und viele andere liefern hier schon seit vielen Jahren Produkte aus. Mit Cold lassen sich beispielsweise Berichte aus operativen Systemen verarbeiten. So können die Produkte Druckströme aus einer Applikation archivieren.

Kommentar

Unverkennbar ist sich Documentum mit dem Schwergewicht EMC im Hintergrund seiner Stärken bewusst. Das Unternehmen zählte schon vor der Übernahme zu den Marktführern im Content-Management, hatte jedoch keine Lösungen für klassische Disziplinen im Dokumenten-Management-Umfeld wie Archivierung und Cold. Diese Lücke versucht der Hersteller nun zu schließen. Damit heizt das Unternehmen den Wettbewerb vor allem mit Schwergewichten wie IBM und Filenet an, die bereits über ein breites Produktsortiment verfügen.

Im Falle von Big Blue erstreckt sich die Konkurrenz auch auf den Bereich Storage. Was EMC und Documentum jedoch gegenüber dem IT-Konzern noch fehlt, ist eine J2EE-Infrastrukturplattform, wie sie IBM mit "Websphere" liefert. Filenet hat mit "P8" eine moderne Content-Plattform aufgelegt und so das klassische Dokumenten- mit Web-Content-Management verzahnt; diese Arbeit hat Documentum noch vor sich. Die Nase vorn hat Filenet mit seiner Workflow-Engine zudem noch beim Business-Process-Management.

Documentum hat sich als Anbieter von umfangreichen Lösungen vor allem in großen Konzernen einen Namen gemacht. Doch dabei will es EMC nicht belassen: Der Storage-Primus wird über seine weltweite Vertriebsorganisation Komplettpakete aus Software und Speicherprodukten vermarkten, die auch für mittelständische Firmen attraktiv sind. Darüber hinaus dürfte der Speicherspezialist versuchen, Kunden, die mit der Documentum-Software konkurrierende Systeme einsetzen, zu einem Umstieg auf Produkte aus dem eigenen Portfolio zu bewegen.

Wie sehr der Kauf von Documentum durch EMC die Branche bewegt hat, belegen die zahlreichen Partnerschaften, die andere Softwarehäuser mit Storage-Anbietern eingegangen sind. Möglicherweise werden EMCs Wettbewerber dem Beispiel folgen und ebenfalls Content-Management-Anbieter aufkaufen.

Frank Niemann

Redakteur CW

Abb: Content-Management bestimmt den Speicher

Documentum will den Lebenszyklus von Inhalten auf Content-Management- und Storage-Ebene abbilden. Dies soll zunächst für EMC-Produkte, später auch für Konkurrenzsysteme funktionieren. Quelle: Documentum