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12.11.1993

Don 039;t bet against open systems

Für eine wirkliche Erneuerung der IBM in bezug auf ihre Firmenstruktur sowie die Art und Weise, wie sie ihr Geschäft betreibt, gibt es keinerlei Beweise in dem Sinne, dass ein Nicht- IBMer bei Big Blue nachts unbemerkt unterm Bett gelegen hätte, was etwa ein Anwalt in Ehescheidungssachen allein gelten lassen würde. Es liegen Anzeichen vor, dass der Mainframer auf die veränderte Marktsituation reagiert, indem er die Gründe für das schlechte Abschneiden bei sich selbst, bei seinen Mitarbeitern sucht. Über die Problematik der Selbstdarstellung der IBM und der Resonanz darauf in den Medien ist schon viel gesagt worden. Warum gerade jetzt das Thema erneut aufs Tapet bringen?

Niemand wird bestreiten wollen, dass die Datenverarbeitung in vielen grossen Unternehmen jahrzehntelang mit der IBM-Elle gemessen wurde. Doch zuletzt konstatierten selbst bisherige Big-Blue- Begleiter wie die Marktforscher von Diebold "den Wegfall der Ordnungsmacht IBM". Sorgsamer Umgang mit solchen Aussagen ist geboten, was umgekehrt kein erneuertes Glaubensbekenntnis für Big Blue darstellt. Dafür sorgen schon andere. Da wundert sich laut "Fortune" ein Analyst von Merrill Lynch, dass IBM bei den Anwendern momentan mehr gelte als bei den Anlegern. Die darin liegende Frage "Wird Big Blue in der breiten Öffentlichkeit der nötige Respekt versagt?" impliziert ein einverständliches Kopfnicken.

Sorgsamer Umgang mit solchen Aussagen ist geboten. Für die Anwender geht es darum, bei und mit der eingesetzten Informationstechnik grösstmögliche Flexibilität, Einfachheit und Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Massstab ist das Unternehmensziel. Die stärksten Defizite gibt es dort, wo Herstellerabhängigkeit besteht, die aus proprietären Implementierungen resultiert. Die Frage muss gestellt werden dürfen, was IBM-Statements zu diesem Punkt wert sind. Warum nicht darüber berichten, wie die IBM das 370-Altlastenproblem lösen will, was sie mit der AS/400 vorhat und wie sie es überhaupt mit offenen Systemen hält? "Fragen wie diese sind wichtig, werden hier jedoch nicht behandelt", heisst es in einer Analyse der IBM-nahen britischen Marktforschungsgesellschaft Input. Die Fussnote ist aufschlussreich, schliesst doch das Papier mit der Beschwörung: "Don?t bet against IBM. They?re here today, and they most assuredly will be here, and stronger, tomorrow."

Wir müssen das nicht übersetzen. Der Ton erinnert fatal an die Zeit, in der die DV-Abteilung in Unternehmen "IBM-Abteilung" genannt wurde. Manches spricht dafür, dass nicht wenige IBMer und IBM-Partner unter Erneuerung etwas ganz anderes verstehen als Open-Systems-Befürworter - und das geht wiederum die Anwender an. Offenheit durch Portabilität und Interoperabilität der Anwendungen ist kein utopisches Ziel, sondern in einigen Fällen, wie die CW immer wieder berichtet, bereits Realität, die einer betrieblichen Notwendigkeit entspricht. Es ist denn auch nicht parteilich zu sagen: "Don?t bet against open systems." Man wird sehen, was dabei für die IBM herausspringt. Beruhigend zu wissen, dass das den Anwendern im Grunde egal sein kann.