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25.05.2001 - 

Kolumne

"Don Quichotte aus Redmond"

25.05.2001
Heinrich Vaske Chefredakteur CW

Eine unerwartete Attacke aus dem Hause Microsoft hat die Open-Source-Szene aufgeschreckt. Den Don Quichotte aus Redmond gab Craig Mundie, ein Topmanager, der unmittelbar mit Bill Gates zusammenarbeitet. Er erklärte in aller Öffentlichkeit, das Modell quelloffener Softwareentwicklung berge die Gefahr der Zersplitterung. Aus einer Codebasis entständen verschiedene, untereinander inkompatible Varianten eines Programms, die instabil und unsicher seien.

Natürlich lief die Open-Source-Gemeinde Sturm. Alles, was Rang und Namen in der Szene hat, meldete sich zu Wort. Microsoft habe nicht verstanden, wie die "GNU General Public License" (GPL) funktioniere, lautete der gnädigste Kommentar. Wenn Produkte instabil und unsicher sind, dann doch wohl die von Microsoft, polterten andere, und viele fragten erregt: Wie kann ein Softwareunternehmen, das die unterschiedlichen Versionen desselben Produkts absichtlich inkompatibel zueinander gestaltet, um abzukassieren, solche Vorwürfe erheben?

Die Wahrheit ist: Im Hause Microsoft geht die Angst um. Das Unternehmen versucht, die Massenbewegung der Anwender in Richtung Open Source aufzuhalten, indem es seinerseits Angst, Unsicherheit und Zweifel sät. Mundie gestand in seinen Einlassungen ja auch freimütig ein, dass die GPL eine Gefahr für die unabhängige Softwarebranche sei, da geistiges Eigentum verschenkt werde.

Was der Microsoft-Mann allerdings nicht erwähnte, ist die Tatsache, dass Unternehmen wie Microsoft, aber auch Oracle, Computer Associates und viele andere maßgeblich zur Blüte der Open-Source-Bewegung beigetragen haben. Diese Softwarehäuser konzentrieren sich ganz auf ihre proprietären Produkte, halten sich an keine offenen Standards und drehen beliebig an der Preisschraube, sobald sie sicher sein können, dass sie ihre Kunden an der Angel haben.

Anwender sind durchaus nach wie vor bereit, in Software zu investieren. Sie haben aber keine Lust mehr, sich am Gängelband einiger weniger Anbieter führen zu lassen und für gutes Geld keinen entsprechenden Gegenwert zu bekommen. Früher blieb ihnen keine Wahl, heute haben sie mit Open Source eine zunehmend interessante Alternative. Das wissen sie - und daran werden durchsichtige PR-Kampagnen nichts ändern.