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21.11.1986 - 

Organisatorische Randbedingungen machen Pilotanwender zu schaffen:

Doppelte Arbeit führt zu Akzeptanzproblemen

KULMBACH - Die Datenverarbeitung zieht verstärkt in die Krankenhäuser ein. Als Grundproblem muß dabei die teilweise mangelnde Akzeptanz der Benutzer bewältigt werden. Das Krankenhaus in Kulmbach hat als Pilotanwender in der Bundesrepublik bereits einschlägige Erfahrungen gemacht. Gerade eine der jüngsten Neuerungen stößt bei den Ärzten auf wenig Gegenliebe.

Seit kurzem müssen die Ärzte im Kulmbacher Krankenhaus auf Wunsch der Krankenkassen die Enddiagnose bei der Entlassung eines Patienten in ein Terminal eingeben. Der Hausarzt wünscht jedoch eine "normale" Diagnose, da er mit der verschlüsselten Form nichts anfangen kann. Früher war das ein Arbeitsgang, da mit Durchschlag gearbeitet wurde.

Ärzte sehen Nachteile für die Krankenkassen

Assistenz-Ärztin Dr. Dagmar Roth dazu: "Viele Kollegen gehen jetzt beim Ausfüllen per Bildschirm dazu über, nicht mehr die gesamte Diagnose aufzuschreiben. Dies liegt in erster Linie an der Zahlenkombination, die eine genaue Bezeichnung nicht zuläßt. Beispielsweise, wenn ein Patient eine Herzinsuffizienz hat, kann man mit dem Terminal nur Herz- und Kreislaufbeschwerden ankreuzen. Ich glaube, damit können die Krankenkassen nicht mehr viel anfangen, und für uns Ärzte ist das auch sehr unbefriedigend." Dies soll sich ändern. In Kulmbach wollen die DV-Leute eine Software ausprobieren, die auch die gesamte Diagnose verarbeiten kann.

Auf lange Sicht kündigt sich noch eine weitere Neuerung an: die Pflegedokumentation. Das Konzept sieht vor, daß die Krankenschwestern festhalten, wann sie welche Arbeiten gemacht haben und wie lange es dauerte. Bis jetzt ist nicht abzusehen, inwieweit die Schwestern dieses Programm akzeptieren werden.

Sobald sich das Pflegepersonal aber in seiner Arbeit behindert fühlen sollte, ist mit einem Boykott zu rechnen. "Ich würde micht bestimmt wehren, wenn der Apparat mir vorschreiben würde, wann ich was zu tun hätte. Schließlich habe ich es mit Menschen zu tun", betont Krankenschwester Hildegund.

Sinnvolle Aufgeschlossenheit gegenüber der DV zahlt sich jedoch in barer Münze aus. Dies zeigt der Leistungsbereich Labor. Denn das vom Softwarehaus Update entwickelte und in Kulmbach getestete Laborsystem setzen inzwischen auch andere Krankenhäuser ein. Ein Teil des Verkaufserlöses der Software fließt in die Kasse der Kulmbacher.

Dr. Ulf-Joachim Vollmer, leitender Arzt für das Labor, erklärte grundsätzlich zur DV: "Dem Arzt bringt die EDV primär nicht viel. Einen sekundären Vorteil sehe ich aber darin, daß beispielsweise die Chirurgie am Jahresende ihre Arbeitsbelastung sehr schnell exakt nachweisen kann. Eventuell kommt man so früher zu einem neuen Kollegen. Langfristig ist auch eine Qualitätskontrolle möglich. Das heißt: Man kann die Komplikationsraten herausfinden."

Ein Zukunftstraum von Dr. Vollmer: Die DV steuert die Medikamentenausgabe für jeden einzelnen Patienten. Dabei achtet dann das System darauf, daß keine überflüssigen Nebenwirkungen auftreten. Bislang läßt sich das in Deutschland nicht realisieren, da noch rechtliche Fragen offen sind.

Momentan bemängelt Dr. Vollmer, daß in Kulmbach nicht auf jeder Krankenstation ein Drucker steht. Wenn beispielsweise ein Patient auf eine andere Station verlegt wird, können die erforderlichen Daten am Terminal zwar abgerufen, aber nicht auf der Station ausgedruckt werden. Die Krankenschwestern müssen heute noch ihren Wunsch an die Verwaltung oder das Rechenzentrum melden, die daraufhin die gewünschten Daten ausdrucken und per Rohrpost an die Station verschicken. Der Vorgang kann bis zu fünf Minuten dauern.

Die Einführung der DV im Krankenhaus in Kulmbach war von Anfang an nicht leicht. Deshalb versuchten die DV-Fachleute zunächst, die Hemmschwelle bei den Betroffenen mit Schulungen abzubauen. Ferner beteiligten die Operatoren die Ärzte und Schwestern am Entscheidungsprozeß.

Im Gespräch wurde abgeklärt, was das System alles können sollte. Verwaltungsdirektor Herbert Schmidt zieht folgendes Resümee: "Zu Beginn waren ein Drittel der Beschäftigten für die Einführung der EDV, ein Drittel verhielt sich abwartend und ein weiteres Drittel war dagegen. Inzwischen sind nur noch einzelne ablehnend."