Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.01.1981 - 

Nach H-Ankündigung Tendenz zu MVS erkennbar:

DOS-Benutzer durch IBM 3081 verunsichert

MÜNCHEN - Die Ankündigung des nunmehr größten IBM-Rechners 3081 hat Unruhe bei DOS-Anwendern gestiftet, die mit einer leistungsstärkeren 4300er Maschine gerechnet hatten. Grund für die Aufregung: Der neue Prozessorkomplex wird von MVS unterstützt, woraus Marktbeobachter schließen, daß IBM "Multiple Virtual Systems" zum gemeinsamen Betriebssystemdach für die E- und H-Serienmodelle erheben will. So mögen insbesondere DOS/VSE-Benutzer nicht mehr so recht daran glauben, daß sie auf das richtige Betriebssystem-Pferd gesetzt haben, obwohl der Marktführer nach außen weiterhin an DOS als "Dauerläufer" festhält.

"Da ich eigentlich ein System 4351 erwartet habe, erläutert DV-Chef Franz Kermes von der Hirschmann KG in Esslingen, "hat mich die Ankündigung der 3081 ziemlich überrascht." Was dem 4341 -Anwender bei der IBM als "das derzeit Neueste und Beste" angepriesen wurde, erscheine ihm jetzt reichlich suspekt.

Der Trend ist für Kermes ebenso klar wie für den Waiblinger DV-Leiter Hans Friedrichs (Stiehl KG): "Die IBM will in Richtung MVS, und DOS/VSE wird sterben.

Einiges gewohnt ist Ex-IBM-Anwender Carsten Dierks. Über die Produktpolitik des Marktführers habe man schon immer nur staunen können, stichelt der Hamburger DV-Chef. Es hätte zwar noch nie eine klar erkennbare Entwicklungsrichtung bei der IBM gegeben, so Dierks, aber die Ankündigung der H-Serie unter MVS unmittelbar nach der 4300-Serie sei für ihn doch etwas verwirrend.

Gerhard Thomas, DV-Leiter bei der Koch-Bau und Beton KG in Freiburg, vermutet gar, daß die IBM "wohl selbst nicht weiß, wo es einmal langgehen soll . In Stuttgart sei man sich jedoch darüber im klaren, daß dem Gerüst aus den derzeitigen IBM-Betriebssystemen ein gemeinsames Dach fehle. Wie Thomas aus Gesprächen mit seinem VB herausgehört haben will, versuche man Übergangsmöglichkeiten zu schaffen, die den Anwender nicht zu stark belasten sollen. Schwierig sei jedoch auch die Situation des Marktführers. Die Besteller der 4341 könnten derzeit die Möglichkeit sehen, noch ein, zwei Jahre zu warten, um dann gleich eines der kommenden kleineren H-Modelle zu nehmen. Eine Überschneidung von E- und H-Maschinen sei vorauszusehen. DOS/VS-Anwender, die mit den 4300-Modellen in der Regel auf DOS/VSE gehen, könnten sich nach Meinung von Thomas diesen Umweg sparen und gleich auf MVS umsteigen.

Eine Zweigleisigkeit zwischen beiden Systemreihen sieht Wilfried Waldeyer, DV-Chef bei den Signal Versicherungen in Dortmund. Die IBM wolle seiner Ansicht nach die Crux loswerden, mehrere Betriebssysteme wurden zu müssen, und propagiere deshalb verstärkt MVS als ein Betriebssystem, das besser zu warten und zu pflegen sei als DOS/VSE. Hierfür gebe es sichtbare Zeichen, denn seit längerem biete der Marktführer MVS auch für die größeren 4300er Modelle an.

MVS sei jedoch nach heutiger Erkenntnis auch nicht "das Gelbe vom Ei", konstatiert 4341-Anwender Georg Dahlbokum. Die Weiterentwicklung auf dem IBM-Betriebssystem-Sektor könne vielmehr so aussehen, daß sich DOS/VSE und MVS überschneiden und dadurch ein neues Betriebssystem entsteht.

Indessen bezeichnet DV-Manager Günter Kaiser (Trinkhaus & Burkhardt Bankhaus, Hamburg) das DOS/VSE als eine "Totgeburt von Anfang an", die inzwischen zu einem Flop für den Marktführer geworden sei. "Die IBM hat hier ein Betriebssystem ausgeliefert", urteilt Kaiser, "das noch nicht fertig war." Es gäbe wohl kaum einen Anwender, der bei der Umstellung auf DOS/VSE nicht erhebliche Schwierigkeiten gehabt hätte. Kaiser glaubt daher, daß DOS/VSE innerhalb der nächsten fünf Jahre von der IBM ganz abgestoßen und der Anwender indirekt zu MVS gezwungen werde.

Mit "Händen und Füßen" würde sich Jürgen Lischka, DV-Leiter bei der Oberrheinischen Mineralölwerke GmbH, zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine Umstellung auf MVS wehren. Falls die IBM DOS/VSE sterben lasse, wie er bereits seit längerem vermute, müsse dem kleineren Anwender ein neues Betriebsystem angeboten werden, mit dem er problemlos zurechtkomme. Allein von der erforderlichen Manpower her sei der Einsatz von MVS für die meisten Unternehmen zu aufwendig.

Gegenüber DV-Chef Hans-Joachim Kaul (Faber Castell KG, Stein) haben IBM-Vertriebsleute den Trend in Richtung MVS bereits "vorsichtig angedeutet". Kaul glaubt jedoch, daß der Übergang ein langsamer Prozeß in Form eines Annäherungsverfahrens sein wird, weil die IBM bei einem Run auf MVS personalmäßig selbst ins Schleudern kommen würde.

4341-Fahrer Udo Lingemann von der Gödecke AG in Freiburg fühlt sich durch die 3081-Ankündigung vor den Kopf gestoßen: "Wir sind davon ausgegangen, daß die 4341 unter DOS/ VSE die Maschine sein wird, auf die wir uns langfristig festlegen können - aber die neuere IBM-Produktpolitik macht unsere Planung nun wieder etwas fragwürdig."