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11.05.1990

DOS-Kenntnis macht noch keinen Online-Rechercheur

11.05.1990

Über 4000 kommerzielle Datenbanken, verfügbar auf mehr als 500

Gastrechnern (Hosts), stehen für gewerbliche Informationsvermittler und

Endbenutzer zur Verfügung. Diese jedoch sind vorsichtig. Gerade kleine und

mittelständische Betriebe, bevorzugte Zielgruppe der Datenbank-Dienstleister,

greifen noch kaum online auf die Ware "Daten" zu: Der Nutzen der Online-Recherche wird von vielen und oft zu recht angezweifelt. Ebensoviele aber mögen

es sein, die sich über die Voraussetzungen der Nutzung solcher

Informationsdienste noch nicht im klaren sind.

Beläßt man es bei der Aufzählung der benötigten Technik, scheint kein Entschluß einfacher realisierbar zu sein als der, Online-Datenbanken (OLDB) zu nutzen: Einen PC hat inzwischen fast jede Firma; zu beachten ist bei dem Gerät allerdings, daß es eine Zulassung des Fernmeldetechnischen Zentralamtes (FTZ) besitzt: Ansonsten ist der Betrieb über ein Modem nicht zugelassen. Als Ausweichmöglichkeit bietet sich in diesem Fall die Verwendung eines FTZ-geprüften Akustikkopplers an, wie Wolfgang Kmuche in seinem informativen Leitfaden "Umgang mit externen Datenbanken" (3. Auflage 1990, WRS-Verlag Planegg, 29,80 Mark) empfiehlt.

Eine serielle V.24-beziehungsweise RS-232-Schnittstelle, absolutes Muß für die Daten- Fernübertragung, stellt ebenfalls kein Beschaffungsproblem dar. Mit einem Modem - ab 1000 Mark erhältlich - oder, wie erwähnt, mit einem Akustikkoppler hat man alle Voraussetzungen beisammen, sich den Dienstleistungsanbietern zuzuwenden. Derer zwei sind es, mit denen sich der User in Verbindung setzen muß: die Post und der Datenbankbetreiber. Der gelbe Servicebetrieb läßt die Wahl zwischen drei möglichen Verbindungen zum Datenbank-Host: Die einfachste ist eine normale Telefonleitung. Eigens für die Datenübertragung gedacht sind die Post-Telekom-Netze Datex-P und Datex-L. Das paketvermittelnde Datex-P-Netz hat die geringsten Betriebskosten, weil Verbindungen nur für die Zeit berechnet werden, in der tatsächlich Datenblöcke unterwegs sind.

Eine einmal aufgenommene Verbindung aktiviert sich also eigenständig nur dann, wenn der Host ein Datenpaket fertig geschnürt hat und auf den Weg schickt. Ansonsten verharrt sie in Wartestellung. Zu den reinen Datex-P-Kosten kommt die Gebühr für die telefonische Verbindung zum nächstgelegenen Datex-P-Knoten hinzu.

Für die Telefonvermittlung reicht - wie für Datex-P - ein Modem, unter Umständen sogar ein Akustikkoppler (ab 150 Mark). Bei dieser Lösung schlagen allerdings im Vergleich zu den reinen Datennetzen die Zeiten, in denen eine Verbindung zwischen dem Rechner des Datenbank-Users und dem Host besteht, überproportional zu Buche: Es gelten im Ortsbereich der Acht-Minuten-Takt, bei Fernverbindungen die gestaffelten Tarife.

Anders als bei den Datex-Netzen kosten den Telefon-User also auch zwischendurch nicht genutzte Leitungsverbindungen bares Geld, und davon unter Umständen nicht wenig - immerhin gibt es Datenbankanbieter zum Beispiel auch in Übersee. Außerdem: Zumindest im Fernbereich sind die Verbindungen störungsempfindlich (bei Telefongesprächen leicht nachzuvollziehen), wodurch Fehler bei der Übertragung der Anfrage- oder Ergebnisdaten auftreten können. Will ein Anwender jedoch ausschließlich Datenbanken im Telefon-Nahbereich nutzen, erledigen sich womöglich die Probleme der Störanfälligkeit und der hohen Verbindungskosten eines Telefon-Hauptanschlusses. In diesem Fall ist ein solcher die am einfachsten zu realisierende und billigste Alternative.

Neben dem Equipment benötigt der Online-Benutzer eine Software für die Datenübertragung.

Die Übertragungs-Parameter betreffen die Geschwindigkeit des Datentransports, gemessen in Baud, die übertragene Bitbreite der Daten, die Anzahl der Stopbits, die Art des Prüfbits, Duplex- oder Halbduplex-Betrieb und die Belegung der Kommunikations-Ausgänge am PC (Com1 oder Com2).

Gespeichert werden können einmal vom User vorbereitete Anfragen (Retrievals), zum anderen die gesendeten Recherche-Ergebnisse. Die erste Möglichkeit ist nur dann sinnvoll, wenn die Struktur und die Spezifikationen des Datenbankrechners ganz genau bekannt sind. Ansonsten besteht die Gefahr, daß vorgespeicherte automatische Anfragen ins Leere laufen, wenn sie auch nur den geringsten Syntaxfehler enthalten. Im Dialogbetrieb wird der Anfragende dagegen sofort per Fehlermeldung auf falsche Eingaben hingewiesen.

Nur in dringenden Fällen online überspielen lassen

Auch die Fähigkeit, Recherche-Ergebnisse online zu empfangen und abzuspeichern (Downloading), sollte nicht in jedem Fall genutzt werden, rät Gerd Hartung vom Münchner Arbeitskreis Information und Dokumentation (MAID). Die kostengünstigere Alternative, berichtet er, ist meistens, nach der Anfrage die Verbindung zum Host abzubrechen, die Ergebnisse dort auszudrucken und sich mit der Post zustellen zu lassen.

Als interner Informationsvermittler in der Abteilung Technische Gase der Linde AG in Mün- chen hat er die Erfahrung gemacht, daß der Nutzen einer unmittelbaren Verfügbarkeit von Recherchedaten stark relativiert wird, wenn man die Kosten längerer Anschalt- und Verbindungszeiten berücksichtigt. Zu den Postgebühren für die Telefon- oder Datex-Nutzung kommt nämlich immer noch eine CPU-Gebühr, die - von Host zu Host verschieden - zwischen 50 und 300 Mark pro Stunde liegt. Nur in ganz dringenden Fällen, so Hartung, sollte man sich daher seine Daten online überspielen lassen. Die anderenfalls einzukalkulierende Wartezeit von fünf bis sieben Tagen ist nach seiner Erfahrung bei vernünftiger Rechercheplanung kein Drama.

Es müssen Nutzungsverträge geschlossen werden

Als weitere Alternative bietet inzwischen eine Reihe von Datenbankbetreibern die Möglichkeit, Daten auf Disketten oder optischen Disks (CD ROMs) zuzustellen. Wie beim Downloading hat der Nutzer dann die Möglichkeit, die Ergebnisse ohne vorherige Neu-Erfassung auf seinem Rechner weiterzuverarbeiten. Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß vor Ort ein Datenbanksystem vorhanden ist, das die Fremddaten übernehmen kann. Zuvor müssen diese von Host-spezifischen Steuerzeichen befreit werden, wofür einige Datenbankanbieter entsprechende Software bereithalten .

Sind Hardware und Kommunikationsprogramm vorhanden, müssen noch die entsprechenden Nutzungsverträge geschlossen werden. Die Post gibt per Benutzerkennung und Password den Zugang zum Datex-P-Netz frei oder schaltet einen Telefon-Hauptanschluß. Gleichfalls zweiteilig ist in der Regel der Schlüssel zum Datenbank Host: Auch von dieser Seite erhält der User eine Kennung und ein Password, wenn er sich unter den angebotenen Bedingungen entschlossen hat, Online-Dienste in Anspruch zu nehmen.

Mit vergleichsweise geringen Investitionen und organisatorischen Anstrengungen lassen sich all diese Voraussetzungen schaffen. Problematischer wird es für neue Online-Benutzer bei der Bereitstellung des nötigen Know-hows der Mitarbeiter. "Ganz Blinde da hinzustellen, die nur ein paar MS-DOS-Befehle kennen, reicht nicht aus", so die deutliche Feststellung von Gerd Hartung.

Wichtig sind, da stimmt ihm Michael Kuckartz, Datenbank-Rechercheur beim Innovations- und Patentcentrum der Handelskammer Hamburg, zu, neben der Kenntnis der verschiedenen Retrieval-Sprachen sowie Informations- und Kommunikations-Strategien ebenso Erfahrungen mit Dokumentationssystemen.

Auch das Wissen über unterschiedliche Datenbankstrukturen - hierarchisch, relational - und die Kombination logischer Suchoperatoren ist unverzichtbar.

Retrieval-Sprachen

sind ein Ärgernis

Die Retrieval-Sprachen sind ein Ärgernis selbst für erfahrene Rechercheure: Allein für das Beenden einer Host-Verbindung gibt es eine Menge unterschiedlicher Befehle. Nutzt jemand auch nur zwei oder drei Datenbankrechner, kommt er zwangsläufig ins Schleudern, entweder mit den Retrievals oder mit einer entsprechenden Anzahl gedruckter Anleitungen. Nur vereinzelt helfen grafische Benutzerführungen .

Einfacher - und auch billiger - für die Anwender wäre es, würden sich die Anbieter endlich auf eine seit Jahren diskutierte "Common command language" (CCL) einigen. Bisher sieht es nicht so aus. Für wenig erfahrene Nutzer, weiß Michael Kuckartz, steigen die Kosten pro Recherche oft in unvernünftige Höhen; denn statt gezielter Anfragen mit einer durchdachten Strategie findet hier des öfteren ein Fischen im Trüben statt.

Die Hemmschwelle, die jedes neue Angebot beim Kunden zu überwinden hat, bleibt dadurch in einer Höhe, die eine breite Nutzung von Online-Datenbanken verhindert.