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IBM und Microsoft gehen Kompromiß ein

DOS und Windows treiben OS/2 immer mehr in die Enge

12.10.1990

MÜNCHEN (jm) - Je undurchsichtiger die IBM und Microsoft um DOS und OS/2 taktieren, desto härter werden sie von unabhängigen Software-Entwicklern angegriffen. Mit dem Erfolg von Windows hatten wohl alle nicht gerechnet. Big Blue und die Gates-Company sahen sich deshalb zu einer Erklärung genötigt (vgl. auch CW Nr. 39 vom 28. September 1990, Seite 1).

Offiziell liest sich das so: IBM und Microsoft haben ihre Kooperation bekräftigt und die Lizenzabkommen für DOS, Windows und OS/2 erweitert. Darüber hinaus richten beide ihre jeweiligen Entwicklungsaktivitäten auf bestimmte Produkte, wobei die IBM die Führung bei OS/2 für alle Versionen übernimmt. Partner Microsoft soll Entwicklungsideen beisteuern. Mit dieser Aufgabenteilung sei man besser in der Lage, die Anforderungen der Kunden an das Desktop-Computing zu erfüllen, meinte IBM-Vice-President James A. Cannavino.

Microsoft kann sich auf den "shooting star", Windows 3.0, und auf das Evergreen-Betriebssystem DOS konzentrieren. Ihre Entwickleraktivitäten sollen die Softwarespezialisten um Gates zudem auf eine OS/2 Version richten, die sich auf andere Hardware Architekturen als die Intel-Plattform portieren läßt. Hier sei vor allem an RISC zu denken. Beide wollen gemäß Kooperationsabkommen die jeweiligen Produkte des Partners Iizenzieren.

Wie bisher halten beide Parteien an der Dreiteilung der Systemumgebungen fest, die vor allem durch die Kapazität des verfügbaren Arbeitsspeichers definiert wird. Bis 1 MB soll DOS als Standard-Betriebssystem gelten, zwischen 2 und 4 MB wird DOS unter der Erweiterung Windows 3.0 favorisiert und jenseits dieser RAM-Marke soll nach den Vorstellungen von Big Blue und Microsoft die OS/2-Umgebung Maßstab aller Dinge sein.

Interessanterweise taucht bei dieser Einteilung jedoch die abgespeckte sogenannte "OS/2-Lite" Version nicht auf, die mit einem Speicherbedarf von "unter 3 MB" exakt gegen Windows 3.0 positioniert werden müßte. Genau auf diesen Umstand verweisen Analysten und bemerken, daß die IBM verzweifelt versucht, OS/2 über die Lite-Version gegen Windows auf den Markt zu drücken.

Gegenüber bisherigen Meldungen, das "reduzierte" OS/2 stünde unmittelbar vor der Ankündigung, ist in dem nun veröffentlichten Kooperationspapier beider Unternehmen nur zu lesen, IBM "bekräftige die Absicht, die Systemvoraussetzungen für OS/2 auf 2 MB zu reduzieren". Fragt man Steve Balmer, bei Microsoft zuständig für das Betriebssystem-Geschäft, so macht eine OS/2-Version, die nur auf einen signifikant reduzierten Speicher zugreifen kann, allerdings keinen Sinn. Wesentliche Leistungsmerkmale von OS/2 seien bei einer Miniversion nicht mehr zu nutzen. Lieber solle man sich auf eine ausgereifte 32 Bit Version des Multitasking Systems konzentrieren. Diese Version 2.0 wird nun aber erst in einem Jahr für den Anwender verfügbar sein - - nach Meinung von Insidern ein weiteres Handikap für OS/2.

Das bringt Big Blue in die Klemme, denn die Client-Server-Strategie des Marktführers basiert auf OS/2. Folgerichtig wird es in der gemeinsamen Erklärung beider Unternehmen als unbedingtes Muß für Server-Umgebungen deklariert. Zudem stellt es ein fundamentales Element der SAA Strategie dar. Es sind wohl vor allem die Großkunden wie Daimler Benz, die OS/2 in Client-Server-Umgebungen einsetzen und Big Blue nun unter Druck setzen, endlich eine stabile Version des DOS-Nachfolgers zu präsentieren.

Auf der anderen Seite Windows 3.0: 800 000 Kopien sollen laut Balmer innerhalb von zwei Monaten ausgeliefert worden sein, Analysten - so zitiert das "Wall Street Journal" - rechnen mit fünf Millionen verkaufter Exemplare im ersten Jahr.

Bei Softwarehäusern wie Wordperfect, Ashton-Tate, Aldus, Samna und auch Lotus haben Windows-Applikationen erste Priorität. Microsoft selbst will ein Softwarepaket seiner erfolgreichsten drei Anwendungen - die Textverarbeitung Word, das Kalkulationsprogramm Excel und die Presentation Software Powerpoint - als Bündel unter Windows für 1000 Dollar anbieten. Bezeichnend ist der Name: Wohl in Anlehnung an IBMs Bürokommunikationspaket Officevision heißt es Office for Windows. Jedes weitere Anwendungsprogramm mit Marktbedeutung, das unter Windows auf den Markt kommen wird, sei - so meinen Marktbeobachter - ein Argument mehr gegen OS/2.

Nicht mehr als eine Absichtserklärung stellt nach Ansicht von Marktkennern auch das Ziel dar, LAN-Server- und LAN-Manager-Produkte zusammenzuführen. Nach der Ankündigung auf der Herbst-Comdex 1989 äußerten Experten umgehend Zweifel, ob eine Verschmelzung beider Netzwerk-Systeme überhaupt gelingen könne, da 30 Prozent der beiden Codes zu unterschiedlich seien.