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31.03.2000 - 

Datenschutz im elektronischen Handel

Doubleclick schlägt in Deutschland sanfte Töne an

von Gerda von Radetzky* MÜNCHEN - Die deutsche Niederlassung der von Datenschützern kritisierten Doubleclick Inc. versucht, die Anwender von der Harmlosigkeit ihrer Vorgehensweise zu überzeugen. Das Ziel des Werbeplatz-Vermarkters bleibt jedoch unverändert, lückenlose Profile aller Nutzer zu erstellen, um dem Werbekunden One-to-One-Marketing ohne Streuverluste verkaufen zu können.

Der zum Vice President für West- und Nordeuropa beförderte Deutschland-Chef Arndt Groth bezeichnet Deutsche und Franzosen bei Datenschutzproblemen als "zimperlicher" als US-Amerikaner, die seien "wesentlich entspannter". Dabei war die Muttergesellschaft in den USA besonders heftig kritisiert worden. Datenschützer, Behörden und sogar die Aktionäre wandten sich gegen Pläne, die mit dem Direktvermarkter Abacus gekauften Online-Daten mit realen Namen zu verbinden. Groth argumentiert, man habe zulässigerweise nach dem Motto "Was nicht verboten ist, ist erlaubt" gehandelt.

Groth rechnet nun allerdings damit, dass sich spätestens in sechs Monaten die US-Industrie mit der US-Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) auf Regeln zum Schutz der Nutzer geeinigt haben werde. Aber Deutschland würde dies alles nicht tangieren, denn wenn der Nutzer eine von Doubleclick in Deutschland vermarktete Seite anklicke, würden anders als in den Vereinigten Staaten auf seine Festplatte keine Cookies, kleine Softwarepakete, geladen. Die Inhalte der Werbebanner würden lediglich auf die Rechner systematisch verteilt und ausgewechselt, ohne dass Doubleclick erführe, auf wessen Rechner sie landeten.

Unbedenkliche Cookies

Um die Kunden in Deutschland zu beruhigen, führen die Mitarbeiter zur Zeit den Datenschutzbeauftragten dreier Bundesländer ihr System vor. Klargemacht werden soll ihnen, dass Cookies "keine kritischen Daten enthalten", obwohl das Ziel, die lückenlose Information über den Nutzer, nicht aus den Augen gelassen wird. Schließlich ist ein Profil nach Groth etwa 1000 Mark wert.

Eine Verknüpfung realer Namen mit online gewonnenen Nutzerdaten bezeichnet Groth für Deutschland als "hypothetisch", weil der Kauf eines Direktvermarkters nicht geplant sei. Bedenklich ist das Konzept "Ein Auftrag - eine Rechnung", will heißen, ein Angebot für den Kunden, egal, wo er sitzt. Wählt sich der Deutsche bei Altavista.com ein, hat er das Cookie, wechselt er zu Altavista.de, wird es nicht etwa gelöscht. Das würde den direkten Eingriff auf die Festplatte bedeuten. Groth führt ins Feld, jeder Surfer könne über Doubleclick.net sein Cookie anonymisieren. Kritiker halten dagegen, das sei so, als bäte man einen "Spam"-Verteiler per E-Mail, von weiterer Mail abzusehen, und liefere ihm damit exakt die Daten, die er haben wolle.

Doubleclick könnte Probleme bekommen, sich in die Liste derer einzureihen, die sich den zwischen FTC und der EU ausgehandelten Richtlinien für elektronischen Handel unterwerfen. Eine der Regeln besagt nämlich, dass der Nutzer nicht nur jederzeit auf seine Daten zugreifen, sondern diese auch verändern können müsse. Letzteres sieht die Doubleclick-Software laut Groth nicht vor.

Die vier deutschen Doubleclick-Büros sollen dieses Jahr bis zu 450 Millionen Mark einfahren. Der Vize ist überzeugt, dass das bis dato verlustbringende Unternehmen bald schwarze Zahlen schreiben werde.

*Gerda von Radetzky ist freie Journalistin in München.