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01.10.1999 - 

Technik als Teil geschäftlicher Entscheidungen

Douglas baut Warehouse für viele Ladenketten

MÜNCHEN (uo) - Die ersten Ausbaustufen des konzernweiten Data-Warehouse sind fertig. Seit Mai dieses Jahres werten damit Controller die Verkaufs- und Finanzdaten von Douglas aus und seit Juni auch die der Drogeriekette Drospa. Das auf einer multidimensionalen Datenbank von Oracle basierende Vorgängersystem gehört nun zu den Altlasten der Douglas Holding AG, Hagen.

Rund 6,5 Millionen tagesaktuelle Filial- und Artikeldaten liefert allein die Drogeriekette Drospa pro Monat. Von der Parfümerie-Kette Douglas kommen rund 2,5 Millionen in demselben Zeitraum. Sie landen in verschiedenen Data-Marts, die künftig ein Data-Warehouse bilden.

Dafür überspielen zur Zeit rund 430 deutsche Douglas- und 250 Drospa-Filialen per Modem die Daten ihrer Scannerkassen nach Geschäftsschluß Bon-genau in eine relationale Oracle-Datenbank der Douglas Informatik & Service GmbH (DIS) im westfälischen Hagen. Bereits dort werden die Rohinformationen mit Hilfe von Eigenentwicklungen und gekauften Konverterprogrammen zu tagesaktuellen Informationen verdichtet. In derselben Nacht noch landen sie per SNA-Protokoll auf einem IBM-Host, wo die Nachzügler auch tagesaktuell aggregiert werden. Beim Überspielen werden fehlerhafte Datensätze, die etwa bei der Übertragung aus den Filialen zustande kommen können, aussortiert. Dieser Vorgang ist spätestens morgens um neun Uhr abgeschlossen.

SQL-Scripts lesen die Bewegungsdaten und stellen sie zu Textdateien zusammen. Diese aktualisieren die Daten in den Data-Marts beziehungsweise im Data-Warehouse. Die Parfümeriekette allein bietet insgesamt rund 70000 Artikel an. Jeden Sommer kommen pro Woche etwa 200 Artikel dazu. Parallel zum Einspielen der Verkaufsdaten füllt sich der Informationspool mit Stammdaten aus den betriebswirtschaftlichen R/3-Applikationen, die künftig die bisherigen Großrechner-Anwendungen ersetzen sollen.

Das bisherige Oracle-Auswertungssystem mit Datenwürfeln von mehr als 30 GB hielt solchen Volumina nicht stand. So ließ die multidimensionale Datenbank nur zwei Milliarden Zellen zu. "Das hört sich nach viel an", erläutert Claudia Bertram-Kretzberg, DIS-Abteilungsleiterin Management-Informationssysteme, "doch ist der Platz bereits mit Daten aus einem Jahr gefüllt." Zum multidimensionalen System gehören die beiden Analyse-Tools "Oracle Financial Analyzer" und "Oracle Sales Analyzer", die bei Douglas zuletzt in der Version 4.8.1 beziehungsweise 1.5.2 im Einsatz waren.

Werkzeuge und Datenhaltung sind zudem nicht Jahr-2000-fest. Doch ein Update wollte das Bertram-Team nicht. Zwar verläuft laut Oracle eine Migration auf ein Jahr-2000-festes Release unkompliziert und denkbar einfach, doch für die DIS-Mitarbeiter zeichneten sich größere Anpassungsarbeiten ab. "Wir hätten Wochen, vermutlich sogar Monate für die Umstellung auf eine aktuellere Version benötigt", hat Bertram berechnet.

Außerdem genügte die Oracle-Lösung den Ansprüchen der DIS-Informations-Manger noch in einigen anderen Belangen nicht. So kämpften sie mit zu langen Ladezeiten durch das vom Hersteller mitgelieferte Tool "Data Loader". Die Daten aus dem Informationspool waren bereits vier bis fünf Tage alt, bevor sie für Analysen zur Verfügung standen. Die Auswertungen selbst nahmen zum Teil zwei bis drei Tage in Anspruch und konnten nicht im Hintergrund laufen.

Es gab keine ereignis- und zeitgesteuerte Generierung von Reports. Die Berichte konnten nicht in das im Aufbau befindliche Intranet eingespeist werden. Die Integration von einzelnen Dateninseln, beispielsweise von Excel-Beständen, war schwerfällig, so daß die Daten teilweise redundant gespeichert wurden. Deshalb sagten die Douglas-Experten dem Oracle-System ade.

Die Grundlage des neuen Data-Warehouse ist das relationale Datenbank-Management-System "DB2 MDB 5.2 EEE" von IBM. Es läuft auf einer AIX-Maschine mit zwei SP2-Knoten. Neben den Bewegungsdaten aus den Filialen sowie den Ist- und Planungsdaten vom Host und aus R/3 füllen auch soziodemografische sowie Wettbewerbsdaten von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) das Warehouse. Zusätzlich soll ein in Entwicklung befindliches Planungsprogramm, das Warehouse-Daten auswertet, seine Ergebnisse in den Pool zurückliefern.

Außerdem hält das Bertram-Team aggregierte Daten, zum Beispiel auf Basis von Monaten und Produktlinien, vor. Für diese Verdichtung setzen die DIS-Mitarbeiter ein Tool des IBM-Systemhauses CGI Informatik Deutschland GmbH ein. Die Informations-Manager schätzen vor allem, daß sich hiermit leicht Verdichtungstabellen mit entsprechenden Hierarchien erzeugen, aber auch Reaggregationen vornehmen lassen.

Das ist beispielsweise notwendig, wenn ein Bereichsleiter seine Zuständigkeit wechselt. Um Veränderungen unter seiner Führung feststellen zu können, müssen sich die historischen Daten der übernommenen Filialen dem neuen Leiter zuweisen lassen.

Das eigentliche Data-Warehouse-Werkzeug ist allerdings "My Eureka" von Information Advantage. Es verbindet die verschiedenen Data-Marts unter einer Oberfläche und läßt sie somit zu einem Data-Warehouse zusammenwachsen. Insbesondere dann, wenn große Rankings erstellt werden müssen, zeige das Tool Performance-Vorteile gegenüber den Produkten des Wettbewerbers Microstrategy, erläutert Bertram.

In speziellen Tabellen für Metadaten legen die DIS-Informatiker den Aufbau und die Attribute der Daten für die Data-Warehouse-Analysen fest. Sie definieren, in welcher Tabelle und an welcher Stelle die Einträge für die Verkaufsflächen der Filialen hinterlegt sind und welche Begriffe die Warehouse-Befrager auf ihrem Bildschirm und im Report wiederfinden.

Für die Data-Marts mit den Warenwirtschafts-Informationen haben die Informations-Manager fünf Dimensionen mit bis zu fünf Hierarchieebenen eingerichtet: Organisation, Lieferanten, Warengruppen, Zeit und "Maße". Unter letzteren verstehen sie etwa die Warenmengen sowie den Einkaufs- und Verkaufspreis. Attribute lassen sich ohne weiteres auch nachträglich hinzufügen. So wollten die Drospa-Analysten zusätzlich etwa die Mehrwertsteuer und die jeweiligen Einkäufer benannt wissen.

Die Anwender klicken sich gewissermaßen ihre Anfragen zusammen. Bis jetzt arbeiten insgesamt 30 Controller und Einkäufer mit dem Warehouse. Sie erstellen die Berichte für die Geschäftsführungen und den Vorstand. Demnächst sollen jedoch Standardberichte auch den Bereichsleitern zugänglich gemacht werden. Dieser Personenkreis kann dann die Abfrageergebnisse so bekommen, wie sie im HTML-Format präsentiert werden, kann die Daten beispielsweise in ein Excel-Format konvertieren, aber auch Details etwa im Drill-down-Verfahren direkt auf dem Server recherchieren. Technisch sei das kein Problem, erläutert Fachfrau Bertram. Das Tool von Information Advantage stelle mit "Web-Olap" sowohl ein entsprechendes Abfrage-Utility als auch eine CGI-Schnittstelle zum Server bereit.

Kannibalisierungseffekte wurden offenbar

Die Akzeptanz des Informationspools hängt somit mehr von der Technikfreudigkeit des jeweiligen Bereichsleiters ab. DIS-Frau Bertram gibt sich angesichts der Flexibilität und Aktualität des Data-Warehouse zuversichtlich. Zudem überzeugten die Analyseresultate.

So fanden die Rechercheure heraus, daß zwar grundsätzlich der Warenbestand in den Filialen zu hoch war, von den Rennern im allgemeinen jedoch zuwenig vorgehalten wurde. Wenn ein Parfüm gut geht, so ein weiteres Ergebnis, heißt das noch nicht, daß sich auch die Begleitartikel wie Bodylotion und Duschgel gleichermaßen gut verkaufen. Manchmal traten auch bei Angebotsaktionen Kannibalisierungseffekte zu Tage, da diese den Verkauf anderer Produkte reduzierten.

Trotz alledem mußten die DIS-Informations-Manager mit der Entwicklung des Warehouse "in Vorleistung gehen", wie Bertram es ausdrückt. Das neue System mußte seine Qualität erst einmal beweisen. Dabei hatte das Vorgängermodell bereits den Boden geebnet, was die Akzeptanz unter den mittelständisch organisierten Firmen der Douglas Holding AG angeht. Außerdem konnten die DIS-Mitarbeiter auf der Struktur und der Qualität der Daten aufsetzen.

Im Januar 1999 begannen die DIS-Spezialisten mit dem Datenbankdesign, nachdem im Jahr zuvor die Evaluation der Data-Warehouse-Tools erfolgt war. Jetzt gibt es konzernweit einen gemeinsamen Filialstamm sowie bei Douglas und Drospa einheitliche Warengruppen. Darüber hinaus arbeiten die Informations-Manager auch an einem konzernweiten Stammdatenkonzept mit übereinstimmenden Schlüsseln, gemeinsamen Datenformaten und einem einheitlichen Kennzahlensystem.

Als größte Schwierigkeit bei der Gestaltung der Warehouse-Datenhaltung kristallisierte sich die Versorgung heraus: Wo sollen die Daten herkommen, wie zusammengeführt und auf welche Weise Fehler herausgefiltert werden? Jede Plausibilitätskontrolle beispielsweise verlangsamt das Einspeisen der Informationen ins Data-Warehouse. Was ist mit Daten, die hinterhergekleckert kommen? Letzteres Problem lösten die Techniker, indem sie solche Informationen getrennt von den regulär auswertbaren den Anwendern zur Verfügung stellen.

Die Pläne für das Data-Warehouse sehen weitere Möglichkeiten der Auswertung vor, zum Beispiel mit Hilfe von Data-Mining-Tools, aber auch durch die Einbindung von Lieferanten, um Waren flexibler und kostengünstiger liefern zu können. Als nächstes jedoch steht erst einmal die Einbindung der Buchladenkette Phönix-Montanus an.

Ringe, Röcke, Bücher, Binden, Düfte, Drops

Bald 18000 Mitarbeiter und nahezu 2000 Fachgeschäfte im In- und Ausland mit einem Bruttoumsatz von rund 4,5 Milliarden Mark bilden die Douglas-Gruppe. Zum Konzern gehören neben der Parfümerie-Kette Douglas auch die Drospa-Drogeriemärkte, der Schmuckhändler Christ mit der Gold Meister GmbH, die Buchhandlungen Phönix-Montanus, der Süßwarenhandel Hussel sowie die Confiserie Feller AG mit ihren Cafés und die Bekleidungsmarken Appelrath-Cüpper, Biba, Werdin, Sport-Vosswinkel, Pohland sowie Adam & Eve. Außerdem verfügt die Gruppe über eine Reihe von Dienstleistungsunternehmen, zu denen auch die Douglas Informatik- und Service GmbH (DIS) im westfälischen Hagen zählt. Ihre Marketing-Strategien entwickeln die mittelständisch organisierten Konzernbereiche gemeinsam mit der Dachorganisation, der Douglas Holding AG, Hagen.

Der Konzernname stammt von der Parfümerie- und Seifenfabrik J.S. Douglas Söhne, die 1821 in Hamburg gegründet wurde. Doch der Konzern hat eine süße Herkunft: 1951 machte das erste Hussel-Süßwarengeschäft auf. 1969 gab es 250 Naschwarenläden der Hussel AG, die zu diesem Zeitpunkt zwar 75 Millionen Mark Umsatz machte, aber keinen Gewinn. Auf der Suche nach einem zweiten Standbein übernahm das Unternehmen innerhalb eines Jahres die Parfümerie Hanhausen in Braunschweig sowie sechs Douglas-Parfümerien in Hamburg.

Nun folgten Übernahmen und Beteiligungen Schlag auf Schlag: 1979 zum Beispiel erwarb die Firma die Ladenkette Uhren Weiss sowie Anteile an Montanus, 1986 akquirierte sie die Er+Sie-Parfümerien und kaufte sich bei Appelrath-Cüpper ein. 1996 gingen die Herder-Buchhandlungen in das Firmenkonglomerat über, das seit 1989 unter Douglas Holding AG firmiert.