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06.06.1986

Downsizing geht an bundesdeutscher DV-Praxis noch vorbei

"Downsizing" heißt das neue Schlagwort in den USA. Zahlreiche amerikanische DV-Experten glauben nämlich, der Einsatz kleinerer Computer sei oft wirtschaftlicher. Ihrer Meinung nach sollten Anwendungen auf die kleineren Rechner verlagert werden, um so den Anstieg der DV-Kosten reduzieren zu können. Dieser Prognose stimmen viele bundesdeutsche DV-Profis jedoch nur bedingt zu. Sie sehen hierbei die Hardwarekomponente zu sehr in den Vordergrund gestellt, während die organisatorischen Gesichtspunkte unberücksichtigt blieben. Doch drückt die hiesigen DV-Verantwortlichen besonders in diesem Bereich der Schuh. So beklagt Wolfgang Koppmeyer, Org/DV-Leiter aus Lörrach, den Mangel an Fachleuten, der sowohl in den Fachbereichen als auch in den DV-Abteilungen herrsche. Zudem fehlte, moniert Koppmeyer, den Sachbearbeitern noch das erforderliche Know-how, um ihnen "einfach einen PC an ihren Arbeitsplatz stellen zu können". Deshalb sei es vorrangige Aufgabe der DV-Chefs, sich verstärkt um die Ausbildung dieser Mitarbeiter zu kümmern. bk

Dr. Peter Bromann

Kienbaum Unternehmensberatung GmbH, Düsseldorf

Die These "Klein ist wirtschaftlich" geht an der Praxis - zumindest der deutschen Unternehmen - vorbei. Für bestimmte isolierte Anwendungen haben dedizierte Systeme, genauso wie kleinere Anlagen für Erstanwender, sicherlich in den meisten Fällen ein vergleichbar besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch ist ein Zentralsystem allein immer seltener die effizienteste Systemkonzeption.

Das dargestellte "Downsizing" im Sinne einer gezielten Reduzierung des Budgets von Org/DV ist jedoch unrealistisch. Neue Anwendungen im nennenswerten Umfang auf kleinere Systeme zu implementieren heißt einmal, die Systemvielfalt zu vergrößern und bedeutet somit Mehraufwand. Zum anderen zeichnen sich heutige Informationssysteme gerade durch einen hohen Integrationsbedarf zu bestehenden Anwendungen aus - die hierzu notwendige gemeinsame Datenbasis spricht zur Zeit noch deutlich in Richtung Mainframe.

Ebenso dürfte es eine Ausnahme sein, daß die Verlagerung bestehender Anwendungen auf kleinere Systeme zur Kostenreduzierung führt beziehungsweise Sprungkosten des Großsystems verhindert. Hier sind die Umstellungskosten in der Regel erheblich höher anzusetzen als mögliche Einsparungseffekte .

Dies trifft auch für die als "beispielhaft" genannte Verlagerung von (IBM-)Mainframes auf DEC, DG, HP oder Prime zu. Ohne die Leistungsfähigkeit dieser Hersteller in Frage stellen zu wollen, zeigt doch die Praxis, daß solche Systementscheidungen mit Recht nicht primär von "Mips" bestimmt werden, da dieser Maßstab allein zur Beurteilung von Hersteller- oder Systemleistungen ungeeignet ist. Selbst wenn man strategische Gesichtspunkte außer acht läßt, so sind doch zumindest alle maßgeblichen Kosten (zum Beispiel Systembetreuung) und Leistungsgroßen (zum Beispiel Netzwerkfähigkeit) einzubeziehen.

Eine solche Wirtschaftlichkeitsrechnung wird unter Berücksichtigung nicht nur der Anschaffungspreise, sondern auch der Restwerte von Anlagen das hier diskutierte "Downsizing" zumeist als abwegig erkennen lassen.

Artur Heidt

Strategisches Informationsmanagement, Arthur D Little International, Wiesbaden

Werden DV-Lösungen künftig schlanker und damit auch wirtschaftlicher? Nicht erst seit uns Amerika ein neues Schlagwort - Downsizing - geliefert hat, beschäftigt diese Frage die Org/ DV-Leiter deutscher Unternehmen.

Bereits seit vielen Jahren wird unter dem Begriff "Distributed Processing" auch darüber nachgedacht, wie der bestehende Anwendungsstau abgebaut, der Mainframe entlastet und die immer neuen Wünsche der Endbenutzer umfassender und effizienter erfüllt werden können.

Aus Sicht der Org/DV-Leitung ist diese Frage jedoch keine rein technische. Sicherlich können PCs wie Minis Mainframe-Applikationen teilweise übernehmen, jedoch ist diese Sicht der Zusammenhänge zu isoliert. Seit Jahren verfolgen wir bei den DV-Anwendungen den Trend zu immer höherer Integration von Daten und Anwendungssystemen. In diese Erfordernisse muß sich auch der Einsatz von Minis einpassen.

Aus den Erfahrungen im Bereich der individuellen Informationsverarbeitung, das heißt dem Einsatz von PCs zur Datengewinnung vom Host und Aufbereitung mit Spreadsheet- und Grafiksystemen sowie für Anwendungen der Büroautomation, zeigen sich noch viele ungelöste Fragen, die aus heutiger Sicht eine Verlagerung von operativen Anwendungen zu früh erscheinen lassen.

So bieten zwar Hersteller wie Softwarehäuser eine ganze Fülle von PC-Mainframe-Koppelungsmöglichkeiten an, von der erstrebten und notwendigen Datenintegration und Programm-zu-Programm-Kommunikation sind wir jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Neben leistungsfähiger Systemsoftware fehlt es vor allem an flexiblen Anpassungsmöglichkeiten an die bestehende DV-Welt in einem Unternehmen.

Auch die Frage der Wirtschaftlichkeit ist noch keineswegs gelöst. Wer hier die Kosten pro Leistungseinheit, also pro Mips, von PCs oder Minis unterschiedlicher Hersteller betrachtet, wird sicherlich der Sicht einer Org/DV-Führung nicht gerecht. Zum einen ist deren Handlungsfreiheit durch die bestehende DV-Welt meist schon sehr eingeschränkt, zum anderen müssen neben den Kosten der dedizierten Systeme auch die der notwendigen Mainframe-Anbindung betrachtet werden. Ob der PC in diesem Sinne überhaupt eine Entlastung des zentralen Host bringt, ist heute jedenfalls noch sehr umstritten. Noch schwieriger sind indes die Kosten-Nutzen-Betrachtungen auf Anwendungsebene. Hier zeigt sich, daß das althergebrachte Instrumentarium zu Wirtschaftlichkeitsberechnungen dringendst überholt werden muß.

Von entscheidender Bedeutung für den Einsatz neuer Systeme wird jedoch die Entwicklung von tragfähigen Konzepten sein. Neben den bereits angesprochenen Fragen müssen diese vor allem den Anwendungsmix festlegen. Auch die Probleme des Datenschutzes und der Datensicherheit gehören zu konzeptionellen Überlegungen. Vor allem aber müssen organisatorische Fragen gelöst werden. Noch über die Ansätze der Information-Center-Gedanken hinaus wird die Zusammenarbeit zwischen Org/DV und Endbenutzer neu gestaltet werden müssen.

Art und Umfang von Downsizing und des weitergehenden Einsatzes dezentraler Intelligenz wird entscheidend durch die Beantwortung dieser Fragen beeinflußt. Als Informationszentrale, zur Verwaltung zentraler Datenbanken und zur Abwicklung von Anwendungen mit hohem Transaktionsvolumen wird der klassische Mainframe jedoch unverzichtbar bleiben.

Vor allem die Mitarbeiter in den Fachabteilungen sind heute noch nicht soweit, daß man ihnen einfach einen PC an ihren Arbeitsplatz stellen könnte. Sie tun sich immer noch sehr schwer im Umgang mit solchen Systemen und verstehen kaum etwas :vom sogenannten Prototyping, das heißt, mit einfacheren Möglichkeiten Fachbereichslösungen selbst zu erarbeiten. Deshalb ist für uns die wichtigste Frage: Wie bilden wir unsere Mitarbeiter besser in Sachen Betriebssysteme, Prototyping oder auch Programmiersprachen der vierten Generation aus, damit sie überhaupt in der Lage sind, ihre Systeme zu verstehen und mit ihnen umgehen zu können? Einen PC zu kaufen und hinzustellen, ist somit die eine (leichte) Sache; dem Mitarbeiter jedoch das nötige Wissen zu vermitteln, aber auch entsprechende Problemlösungen liefern zu können, eine ganz andere.

Wolfgang Koppmeyer

Org/DV-Leiter, Schöpflin Großversandhaus, Lörrach

Mittlere und kleine Systeme werden in Zukunft verstärkt in die Unternehmen eindringen. Auch hat der PC ohne Frage in verschiedensten Anwendungesbereichen seinen Platz bereits erobert. Doch ob diese Geräte einen derartig hohen Stellenwert finden werden, wie unter anderem auch viele DV-Hersteller glauben machen wollen, ist für mich mehr als zweifelhaft.

Daß kleinere Systeme leistungsfähiger und billiger sind, wissen wir seit Jahren. Doch ausschließlich Mips-Raten und Preis-Leistungs-Verhältnis in Sachen Wirtschaftlichkeit anzuführen, ist der falsche Ansatzpunkt. Nicht nur, daß kleine und mittlere Systeme auch in Zukunft wohl kaum die Großdatenverarbeitung werden ersetzen können, unberücksichtigt bleiben bei solchen Diskussionen zudem immer wieder die organisatorischen Aspekte. Das bedeutet: Die Fachbereiche wollen mit Problemlösungen versorgt sein und müssen zudem über entsprechendes Know-how verfügen, um mit ihren PCs arbeiten zu können. Hier jedoch liegt der Hund begraben: Es fehlen die entsprechenden Fachleute, und dies sowohl in den Fachbereichen als auch in den DV-Abteilungen.