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18.12.1992

Downsizing: Interne Kosten sind nur schwer zu kalkulieren

Lars Landwehrkamp

Supervising Consultant, Price Waterhouse Unternehmensberatung GmbH, Stuttgart

Downsizing führt zur Senkung der DV-Kosten und zu einer Steigerung der Produktivität, so ist überall zu hören. Als simpelstes Argument für die enormen Einsparungsmöglichkeiten werden gerne die Kosten pro MIPS angeführt. Daß es mit dieser Rechnung allein nicht getan ist, ist heute jedoch unumstritten.

Bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen im DV-Bereich wird im klassischen Sinne nach externen und internen Kostenarten unterschieden. Fixe externe Kosten sind im Wesentlichen die Anschaffungskosten für Hard- und Software. Deren Höhe ist abhängig von Größe sowie Design der jeweiligen Systemumgebung, und damit schon innerhalb der Mainframe-, Midrange- und PC-Netzwerk-Welt sehr uneinheitlich. Wesentliche Unterschiede liegen etwa dort, wo es um Magnetplatten, Betriebssystem-Mieten oder Softwarelizenzen geht.

Da sich Anwender von Mainframe- oder Midrange-Systemen fast immer im proprietären Umfeld bewegen, fehlt es an preiswerten Clone-, OFM- oder Third-Party-Produkten, die etwa im PC-Bereich zuhauf vorhanden sind. Berücksichtigt man diese systemimmanenten Abhängigkeiten, so liegt bei den externen Kosten für Hard- und Software die traditionelle Mainframe-Plattform konkurrenzlos an der Spitze.

Schwieriger zu bewerten sind die internen Kosten. Hier schlagen beim Downsizing kaum meßbare Ausgaben für Hard- und Softwarewartung, für Neu- und Weiterentwicklung der Anwendungen, für Systemverwaltung und -betrieb, vor allem aber für Kosten, die beim Endanwender entstehen, zu Buche.

Diese Kosten, die bis zu einem gewissen Grad auch in proprietären Systemumgebungen entstehen, sind nicht zuletzt von organisatorischen und, personellen Gegebenheiten abhängig.

Trotz der kaum kalkulierbaren internen Kosten hat Downsizing einiges zu bieten. Beeindruckende Praxisbeispiele von "downgesizten" Anwendungen lassen das Herz jedes mit den Kosten kämpfenden DV-Verantwortlichen höher schlagen. Beim kompletten Ersatz einer Großrechnerlandschaft durch ein Client-Server-System wurde in einem mir bekannten Fall das DV-Personal auf weniger als die Hälfte reduziert.

Auch bei den jährlichen Wartungs- und Betriebskosten werden bei "downgesizten" Systemen Reduzierungsspannen von 30 bis 50 Prozent proklamiert. Die Produktivität der Software-Entwickler und damit die Reaktionszeiten auf Anwenderwünsche läßt sich signifikant verbessern. Der Endanwender hat mit den grafischen Benutzerschnittstellen einen besseren und vor allem flexibleren Zugang zu relevanten Daten.

Diese Einsparungen sind aber jeweils mit einer bestimmten Spielart des Downsizings erzielt worden und als das zu sehen, was sie sind, nämlich als Individualbeispiele. Dies heißt nicht, daß die Vorteile, die Downsizing zu bieten hat, angezweifelt werden. Die Rechnerleistung wird kostengünstiger, Software-Entwicklungs- und Antwortzeiten verkürzen sich, das DV-Personal kann reduziert werden. Möglich ist auch die Erleichterung des Datenzugriffs und die Kommunikation des Anwenders mit dem System.

Ebenso besteht jedoch die Möglichkeit, daß sich angestrebte Einsparungen in der Gewinn- und Verlustrechnung überhaupt nicht auswirken. Wenn nämlich die Arbeitsinhalte in andere Abteilungen verlagert werden, und das geschieht in der Regel beim Downsizing, darin ist es sehr schwer, die gesamten Auswirkungen auf die Kostenrechnung nachzuvollziehen und zu kalkulieren.

Bei der Betrachtung der mit Druckerschnittstellen und Kompatibilitätsproblemen kämpfenden Endanwender darf zumindest angezweifelt werden, ob dort an allen Arbeitsplätzen die Produktivität tatsächlich gesteigert wurde.

Zum Leidwesen vieler Finanz-Manager fehlt es in den Unternehmen generell an Systemen oder Verfahren, die eine wie auch immer definierte Produktivität in der Verwaltung meßbar und vergleichbar machen. Zwar lassen sich die Ergebnisse einiger Abteilungen zweifellos exakt messen und bewerten, aber die in Gemeinkosten-Tätigkeiten versteckten negativen Auswirkungen auf benachbarte Bereiche bleiben ohne einen ganzheitlichen Ansatz unberücksichtigt.

Erst durch die Zergliederung der Unternehmensstrukturen in Prozesse und deren entsprechende Bewertung (Stichwort: Activity Based Costing) lassen sich das Verlagern und Verschieben der Produktivität besser quantifizieren und damit auch die "Bottom-Line-Kosten" und Vorteile einer Downsizing-Strategie ermitteln.

Nachdem die großen Chancen, die im Downsizing liegen, offenkundig sind, sollten auch die eventuellen K.o.-Kriterien berücksichtigt werden. Auf die Frage, ob es Leistungsbereiche gibt, in denen der Großrechner unersetzlich ist, läßt sich nur mit einem klaren Nein antworten. Im Prinzip sind entsprechend konstruierte Downsizing-Systeme in der Lage, alle Leistungen eines Mainframes zu erbringen. Die Gretchenfrage lautet aber: Rechtfertigt der Nutzen einen solchen Aufwand?

Ist von großen Datenvolumina und intensiver Batch-Verarbeitung die Rede, so wird der Großrechner immer wieder in der Funktion eines Daten-Servers ins Spiel gebracht. Bei einer zentralen Datenhaltung ist das Daten-Management übersichtlich und einfach. Werden die Unternehmensdaten auf verschiedene Rechner verteilt, so das Argument, sind ausgefeilte Daten-Management- und Kommunikationssysteme notwendig. Handhabung und Zugriffspfade werden komplexer. Zur Garantie der Datenkonsistenz und -sicherheit müssen Kontrollsysteme zum Einsatz kommen, die ihren Preis nicht immer wert sind.

Datensicherheit und Systemstemstabität stellen zwei Domänen dar, in denen der angeschlagene Mainframe-Riese als überlegen gilt. In einem oder mehreren miteinander verknüpften Netzwerken mit unterschiedlichen Topologien sind diese Aufgaben auch mit Hilfe von ausgeklügelten Netzwerkkontroll- und Diagnose-Tools gegenwärtig nur unter Schwierigkeiten auszuführen.

Ein Downsizing der Plattform kann unter Umständen ein Upsizing der administrativen Prozesse bedeuten. Von wem wird die komplexe Systemlandschaft aber betreut und die ordnungsgemäße Datenverarbeitung kontrolliert? Wer übernimmt die Verantwortung für Fehler und hilft, diese zu beheben? Wie wirklich sich eventuelle DV-Probleme auf die Kosten aus? Ein großer Vorteil der Großrechner-Systeme ist letztlich, daß die stolze Höhe der Kosten wenigstens bekannt ist - so makaber dies auch klingen mag.

Die indirekten Kosten einer Umstellung auf eine komplett dezentral organisierte Systemlandschaft darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Neben der Anschaffung von neuen Softwarebausteinen und Datenbanken müssen Programme, Funktionen und Daten auf verschiedene Rechnerebenen optimal verteilt werden. "Suche Netzwerk-Manager - Mainframe-Spezialisten unerwünscht" - so etwa dürfte die Stellenanzeige der Zukunft lauten. Sie weist auf einen kostspieligen Engpaß hin.

Kosten sind keine statischen, sondern dynamische Größen. Ihre positive Beeinflussung stellt auch für den DV-Manager eine Herausforderung dar. Zukünftige Kostenentwicklungs-Trends müssen bei dem Vergleich Mainframe und "downgesiztes"

System einbezogen werden. Bis Ende 1993, sollen "große Systeme" zur Verfügung stehen, bei denen die MIPS-Kosten ähnlich günstlich sind wie beim PC.

Die Kosten, die beim Endanwender entstehen, sollen mit den immer leistungsfähigeren und komplexeren Anwendugsfunktionen, die ihm zur Verfügung stehen, steigen. Dies mag sich bewahrheiten oder nicht. Tatsache ist aber, daß es neben dem Downsizing auf einen PC, eine Workstation oder eine Unix-Plattform auch noch andere Möglichkeiten gibt, DV-Kosten zu reduzieren und Unternehmensabläufe effizienter zu gestalten.

Trotz dieser Einwände ist das Downsizing ein Instrument zur Realisierung von Kosten- und Wettbewerbsvorteilen. Letztlich muß jedes Unternehmen für seine Ziele die richtige DV-Komposition kreieren. Basis für eine erfolgreiche Informations-Verarbeitung - ob "downgesizt" oder nicht - sind Kosten- mit Zielklarheit. Schließlich ist die Datenverarbeitung nicht Selbstzweck, sondern Dienstleistungsfunktion im Unternehmen.