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03.10.1975

Dr. Peter Schnupp Mitgeschäftsführer Softlab, München DB1980 CODASYL oder "Relational Data Base"? DatenbankenTP-Monitore

1969 verabschiedete Codasyl das berühmte "Proposal" für ein Datenbanksystem der 70er Jahre. Jetzt haben wir die Mitte des Jahrzehnts erreicht doch eine begeisterte Aufnahme des Vorschlags von Seiten der EDV-Gemeinschaft läßt auf sich warten. Bis in die 80er Jahre - oder für immer?

Daß die großen EDV-Hersteller sich zurückhaltet - von völliger Abstinenz bei IBM und Siemens bis zu halbherzig unterstützten Subset-Realisierungen bei Univac und Philips - ließe sich noch mit dem "not invented here"-Effekt erklären. In Systemen wie IMS und SESAM steckt viel Aufwand für Entwicklung, Wartung, Schulung und Einführung. Aber wie steht es mit den Anwendern und der wissenschaftlichen Informatik?

Auch auf den großen Fachtagungen ist Codasyl mehr ein Nebenthema. Und die ihm gewidmeten Vorträge beschäftigen sich meist damit, was sich mit welchen Codasyl-Sprachmitteln nicht ausdrücken läßt.

Warum diese Abneigung? Zwei Grunde fallen mir hierzu ein. Der eine ist eine naheliegende Variante der bekannten Definition für ein Kamel: "ein Pferd, das von einem Kommittee erfunden wurde". Codasyl ist ein bißchen IDS, ein bißchen IMS, ein bißchen assoziatives Datenbanksystem und eine Menge sehr guter Ideen vieler sehr guter Leute.

Und das macht es kompliziert - während man für das Verständnis eines der üblichen Datenbanksysteme ein ausgebildeter Fachmann sein muß, verstehen Codasyl auch die meisten Fachleute nicht mehr . . .

Dies leitet zum zweiten Grund über. Fast gleichzeitig mit Codasyl entstand eine viel verständlichere Datenbank-Idee: das "Relationen-Modell". Wahrend Codasyl und die meisten anderen Datenbank-Systeme vom Benutzer viel ' wissen über die verwendeten physikalischen Datenmanagement-Methoden, über Zeiger, Listen, Indizes, Bäume und Netze verlangen, ist das Relationen-Konzept ein "highlevel"-Datenmodell.

Was bedeutet das? Bömmel, der lebensnahe Physiklehrer aus der "Feuerzangenbowle", hätte es etwa so erklärt: "Wat is ene Datenbank? Da stelle mer uns janz dumm un sage so. Ene Datenbank, dat is ne jroße schwarze Kasten, un da drin sin lauter Tabellen...".

Da EDV-Leute sich besser nicht ganz dumm stellen, bezeichnen sie die Tabellen lieber mathematisch als "Relationen". Aber das ändert nichts am Grundgedanken der Benutzer eines Datenbanksystems soll sich den Inhalt der Datenbank als eine Reihe von Tabellen vorstellen können. Seine Bedienungssprache, die "Data Base. Sublanguage", soll ihm einfache Operationen zur Verfügung stellen, mit denen er Einträge in diesen Tabellen findet, Tabellen sortiert, manipuliert und neue Tabellen definiert. Wie diese Benutzerwunsche in der physikalischen Datenspeicherung realisiert werden, braucht er nicht zu wissen - das ist das Problem des Implementierers des Datenbanksystems.

Für den ist es allerdings wirklich ein, oder besser sogar eine Reihe von Problemen. Schwierige Effektivitätsfragen sind wohl der Hauptgrund dafür, daß wir bis jetzt noch keine Relationen-Datenbanksysteme kaufen können. Aber die Lösungen zeichnen sich bereits ab. Eine Implementierung der US-Army auf dem Multics-System brachte einige gute Ideen zur Beschleunigung des zeitaufwendigen Suchens in den "unphysikalischen" Tabellen. Und Codd, einer der geistigen Väter des Relationenmodells, zeigte, wie man mit drei "Normalisierungsoperationen" die im System zu haltenden Datenstrukturen bezüglich des Speicherbedarfs und für den Änderungsdienst optimiert.

Schon seit mindestens einem Jahr glaubt der Gerüchte-Markt von einem freigabereifen "Relationen-DBS" der IBM zu wissen, einschließlich Umsetzprogrammen für alte IMS-Datenbestände. Prophezeiungen sind bekanntlich "schwer - vor allem, wenn es sich um die Zukunft handelt". Aber falls ich Wetten eingehen soll -für die 80er Jahre scheint mir das Relationen-Modell der Favorit, und Codasyl bestenfalls ein Außenseiter.