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28.07.1995

Drahtlose Netze/Fuer jede Anwendung gibt es das richtige Uebertragungsverfahren

Die Angebot an drahtlosen Uebertragungsverfahren ist vielschichtig, teilweise auch unuebersichtlich. Die Satellitentechnik, Modacom, Mobitex, GSM, Dect und Wireless LANs haben jedoch jeweils spezifische Einsatzschwerpunkte und sind meist klar voneinander abgegrenzt. Ebenso wie bei festverkabelten Installationen gibt es Verfahren, die fuer lokale, regionale oder Weitverkehrs-Anwendungen praedestiniert sind. Detlef Klostermann* beschreibt Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme und zeigt Trends, die den drahtlosen Uebertragungstechniken endlich zu mehr Akzeptanz verhelfen koennten.

Zum Transfer von Nachrichten werden mittlerweile verstaerkt digitale Techniken eingesetzt. Doch nicht alle digitalen Verfahren fallen unter den Begriff Datenuebertragung. Auch im Bereich der Telekommunikation setzt sich die Digitalisierung der Dienstarten fuer den Sprach-, Bild-, Text- oder Datentransfer durch, denn die digitale Uebertragung von Information verlaeuft stoerungsfreier, ist preiswerter und wirtschaftlicher als die Analogtechnik.

Die Sprach- und Bewegtbilddienste heben sich von den Text- und Datendiensten durch ihre direkte Wirkung auf die menschlichen Sinnesorgane ab, die eine kontinuierliche (isochrone) Uebertragung der Information erwarten. Sprach- und Bewegtbilddienste werden aus diesem Grund leitungsvermittelt uebertragen, wobei fuer die Dauer der gesamten Verbindung exklusiv ein Uebertragungskanal zur Verfuegung steht.

Dagegen wirkt die Text- und Datenuebertragung nur mittelbar ueber Zwischentraeger auf den Menschen und benoetigt keine kontinuierliche Uebertragung. Dieses Merkmal laesst sich nutzen, indem Texte und Daten aeusserst effizient paketorientiert, also blockweise in unregelmaessigen Abstaenden, uebertragen werden. Beim paketvermittelten Transfer ist ein Kanal fuer mehrere Verbindungen zeitlich verschachtelt gleichzeitig nutzbar, womit sich die Kosten fuer die einzelne Verbindungen erheblich reduzieren.

Die effizienteste Methode der Datenuebermittlung ist demnach die paketorientierte, was gerade fuer das knappe und deshalb teure Medium Funk von besonderer Bedeutung ist.

Erste Datenfunksysteme waren nur Zusatzdienste

Die heute am Markt verfuegbaren leitungsvermittelten Datenfunksysteme sind Verfahren, die nachtraeglich als Erweiterung in bestehende leitungsvermittelte Sprechfunksysteme aufgenommen wurden. Es lassen sich somit zwei Klassen von Datenfunk definieren: die sprachoptimierte, leitungsvermittelte Methode und der datenoptimierte, paketvermittelte Datenfunk.

Die ersten Formen des Datenfunks haben sich als Zusatzdienst aus dem Sprechfunk durch gemeinsame Nutzung der Uebertragungswege entwickelt, die sprachoptimiert waren. Der Grund fuer das Entstehen des Datenfunks lag in dessen attraktiver Eigenschaft, Meldungen, Auftraege und Anweisungen effizient zu uebertragen. Diese Erweiterung entlastet den Sprechfunk und auch die Benutzer, da von einem Display gelesene Informationen sicherer aufgenommen werden als kurze Sprachdurchsagen.

Inzwischen wurden speziell fuer die Datenuebertragung optimierte Datendienste implementiert, die ausschliesslich paketvermittelt arbeiten. Die Abbildung auf Seite 26 zeigt die verschiedenen, zum Teil konkurrierenden Datenfunksysteme in Abhaengigkeit von ihrer Uebertragungsrate und Funkreichweite. Rechtecke weisen die sprachoptimierten Systeme aus, Ellipsen stehen in der Darstellung fuer datenoptimierte Loesungen. Eine Haeufung von Diensten ist bei Datenraten zwischen einem und 10 Kbit/s und einer Funkreichweite von 10 Kilometer zu erkennen.

Fuer die lokale Vernetzung von Rechnersystemen bieten sich Funk- LANs an, die aehnlich dem Ethernet konzipiert sind, bei denen das Uebertragungsmedium allerdings auf Funk statt auf Kabel basiert. Sie sind datenoptimierte Paketfunksysteme und dienen zur Vernetzung von PCs, insbesondere fuer mobile Einsatzfaelle. Ein Funk-LAN darf innerhalb der Grenzen eines Grundstuecks (siehe Kasten Seite 28) aufgrund einer Allgemeingenehmigung anmelde- und gebuehrenfrei betrieben werden. Die Uebertragungsraten liegen ueblicherweise bei

2 Mbit/s. Die Funkuebertragung findet im 2,4-Gigahertz-Band mittels Spreiztechnik statt, um einen stoerungsfreien Betrieb zu gewaehrleisten.

Zur Realisierung drahtloser LANs muessen Computer mit einem Funk- LAN-Modul ausgestattet werden, das als Einbaukarte mit ISA-Bus- Schnittstelle fuer den Desktop erhaeltlich oder aber als ein PCMCIA- Modul fuer Laptops oder Notebooks verfuegbar ist. Ueber eine mitgelieferte Diskette lassen sich die erforderlichen Treiber im Rechner installieren. Den Zugang eines Funk-LANs zu einem bestehenden verkabelten Netz stellt ein Hub beziehungsweise Access-Point her, der die Ueberleitung zwischen Funk-LAN und dem festinstallierten Netz adressselektiv durchfuehrt.

Die freie Funkreichweite betraegt etwa 100 Meter, sie kann sich unter unguenstigen Bedingungen aber auf 50 Meter reduzieren. Um grosse Flaechen auszuleuchten, lassen sich - in geeigneten Abstaenden - mehrere Hubs einsetzten. Die Roaming-Faehigkeit einiger Systeme sorgt, kombiniert mit einem automatischen Handover, auch in mobilen Einsatzsituationen fuer nahtlose Verbindungen innerhalb der Gesamtflaeche.

Ein weiteres Verfahren fuer aehnliche Einsatzfaelle ist im Dect- Standard (Digital European Cordless Telecommunication) beschrieben, eine Norm fuer schnurlose Telekommunikations- Anwendungen. Er definiert eine Funkzugriffstechnik auf leitungsgebundene Fernmeldenetze. Das System arbeitet sprachoptimiert und leitungsvermittelt auf zehn Frequenzen bei 1,9 Gigahertz. Auf jedem Frequenzkanal sind zwoelf Duplex-Zeitkanaele mit einer Uebertragungsrate von jeweils 32 Kbit/s angeordnet. Die Sprachdigitalisierung mit 32 Kbit/s liefert eine sehr gute Qualitaet.

Alternativ ist ein Dect-Kanal auch zur Datenuebertragung verwendbar, mehrere Zeitkanaele eines Frequenzkanals lassen sich zudem zusammenfassen, womit Uebertragungsraten von bis zu 384 Kbit/s moeglich sind. Die Funkreichweite einer Station liegt bei etwa 100 Metern. Die Systemtechnik erlaubt das Roaming und Handover, so dass mit mehreren Stationen auch groessere Flaechen nahtlos versorgt werden koennen. Dect-Anwendungen arbeiten grundstuecksbezogen als lokale Netze und benoetigen keine Genehmigung, so dass fuer den Nutzer weder Anmeldung noch Gebuehren anfallen. Der Einsatzbereich fuer Dect-Datenfunkanwendungen ist der grundstuecksbezogene Zugriff auf zentrale Rechner oder andere Datenendgeraete mit mittleren Uebertragungsraten. Gegenueber dem Funk-LAN haben Dect-Systeme jedoch einige Nachteile. Die drahtlosen lokalen Netze gestatten hoehere Transferraten, zudem existieren fuer sie spezielle Netz-Schnittstellen fuer Ethernet und Token Ring. Dect-Datenfunkmodems wird es als PCMCIA-Module oder auch als vollintegrierte Dect-Datenendgeraete geben, so dass sich auch tragbare Computer mit PCMCIA-Schnittstelle in die Netze integrieren lassen. Dect kann als sprach- und datentaugliches standardisiertes Inhouse-Zugriffssystem die ideale Ergaenzung fuer alle digitalen Wide Area Networks (WANs) darstellen, die zwar landesweit verfuegbar sind, im Inhouse-Bereich jedoch haeufig Versorgungsschwierigkeiten haben. So stellen Kombinationen aus den WAN-Verfahren Modacom, Mobitex, GSM sowie Dect als lokales Zugriffssystem eine interessante Loesung fuer manche Anwendung dar. Derzeit finden die ersten Versuche mit gemischten GSM- und Dect- Installationen statt. Sie haben das Ziel, kuenftig Dualmode-Geraete anzubieten, die sich automatisch auf das jeweils verfuegbare Netz aufschalten.

Waehrend Dect-Geraete einem oeffentlichen Standard genuegen, ist der Betriebsfunk eine proprietaere Einrichtung. Er ist fernmelderechtlich ein Teil des "nichtoeffentlichen mobilen Landfunks" (noemL), der sich noch in weitere Gruppen untergliedert. Zur Uebertragung stehen vier Frequenzbaender von acht Meter bis 70 Zentimeter zur Verfuegung. Die Funkfrequenzen muessen beim Bundesamt fuer Post und Telekommunikation (BAPT) vom "Bedarfstraeger" beantragt werden. Die Benutzung ist kostenpflichtig und schlaegt pro Funkstelle und Monat mit fuenf Mark zu Buche. Die Datenfunksysteme im Betriebsfunk beruhen auf Firmenstandards und werden vorwiegend in funktionellen Datenterminals realisiert, die mit normalen Sprechfunkgeraeten ueber eine serielle Schnittstelle verbunden sind. In der Regel wird eine Basisbandmodulation mit Frequenzumtastung (FSK = Frequency Shift Keying) und Uebertragungsraten zwischen 1,2 und 2,4 Kbit/s verwendet.

Die Datenfunkanwendungen des Betriebsfunks sind sehr stark betrieblich gepraegt, was zu einer Vielzahl von Loesungen gefuehrt hat. In den meisten Anwendungen werden nur kurze Datensaetze ausgetauscht, die beispielsweise Statusmeldungen, Fahrauftraege, Rueckmeldungen und Positionsdaten enthalten, so dass die geringen Uebertragungsraten keinen Engpass darstellen. Der Hauptvorteil des Betriebsdatenfunks liegt in seinen geringen laufenden Kosten. Die Funkreichweiten sind frequenzabhaengig sehr unterschiedlich, koennen jedoch bei guten Antennenstandorten bis zu 50 Kilometer betragen. Allerdings muss die Funkinfrastruktur vom Bedarfstraeger selbst bereitgestellt werden, was in manchen Faellen geringe Reichweiten aufgrund unguenstiger Antennenstandorte und damit eine ungenuegende Verfuegbarkeit des Datenfunks mit sich bringt.

Fuer die Infrastruktur des Buendelfunks, der als lizenzierter Dienst von verschiedenen Anbietern verfuegbar ist, sind dagegen die Netzbetreiber verantwortlich. Marktfuehrer ist hier DeTeMobil mit den "Chekker"-Netzen, die etwa 60 Prozent der Buendelfunknutzer bedienen. Die Chekker-Netze bieten drei Moeglichkeiten der Datenuebertragung: Short Data Message (SDM) mit maximal 25 Zeichen, Extended Data Message (EDM) mit bis zu 100 Zeichen und den Modembetrieb mit einer Nettouebertragungsrate von 1 Kbit/s. Die Nutzung des Buendelfunks wird ueber einen pauschalen Nutzungstarif verrechnet, der von Entfernung und Gespraechsanzahl unabhaengig ist. Der durchschnittliche Tarif fuer ein Geraet liegt bei 57 Mark pro Monat.

Die Netze der verschiedenen Netzbetreiber werden zunehmend ueber Roaming-Vertraege zu Grossregionen zusammengefasst, womit die Attraktivitaet des Buendelfunks erheblich steigt. Im Gegensatz zum Betriebsfunk ist im Buendelfunk der kostenpflichtige Uebergang ins oeffentliche Fernsprechnetz moeglich.

Auch Paging-Dienste sind Datenfunkanwendungen

Da der Buendelfunk einmal als reiner Sprechfunk begonnen hat, laufen die Datenanwendungen ueber sprachoptimierte leitungsvermittelte Kanaele. Die Buendelfunknetze arbeiten mit digitaler Signalisierung fuer die Verbindungssteuerung; dabei haben sich im regionalen Bereich der MPT-1327-Standard und im lokalen Bereich der AEG-Standard durchgesetzt. Die Uebertragungsraten liegen bei 1,2 und 2,4 Kbit/s.

Inzwischen konnten sich die Anbieter auch auf eine gemeinsame serielle Daten-Schnittstelle (MAP 27) einigen, die das Zusammenschalten von Datenendgeraeten und Funkgeraeten unterschiedlicher Hersteller erleichtert. Da der Buendelfunk auf Regionen beschraenkt ist, sind auch nur regionale Datenfunkanwendungen moeglich. Die Roaming-Vertraege mildern die Situation zwar, koennen jedoch keine landesweite Abdeckung bieten.

Eine weitere Variante des Datenfunks, die haeufig nicht als solche zur Kenntnis genommen wird, ist der Funkruf- oder Paging-Service. Die Dienste uebertragen ausschliesslich in eine Richtung, nur der Mobilteilnehmer empfaengt Daten. Diese Beschraenkung hat den Vorteil, dass nur mobile Empfaenger benoetigt werden, die sich so klein bauen lassen, dass sie im Gehaeuse einer Armbanduhr Platz finden. Da Paging kein vollwertiger Datendienst ist, wird er hier nur kurz dargestellt.

GSM-Netze warten mit Datendiensten auf

Neben Eurosignal und Omniport gibt es vom Marktfuehrer DeTeMobil den Cityruf mit der Vertriebsvariante Scall. Ueber Cityruf lassen sich numerische und alphanumerische Daten uebertragen, die in einem Display angezeigt werden.

Fuer viel Furore haben in den vergangenen Jahren die sprachoptimierten GSM-Netze gesorgt. Unter diesem Begriff verbergen sich in Deutschland die oeffentlichen lizenzierten Funktelefonnetze D1, D2 und E1, die nach dem Global-System-for- Mobile-Communications-Standard (GSM) arbeiten. Die Netze belegen Frequenzen zwischen 900 und 1800 Megahertz und werden zellular, landesweit sowie flaechendeckend aufgebaut. Weltweit haben derzeit 118 Netzbetreiber aus 69 Laendern ein GSM-Memorandum of Understanding unterzeichnet, das eine einheitliche Technik und Versorgungsguete festlegt.

Internationale Roaming-Vertraege stellen sicher, dass in fast allen europaeischen und vielen aussereuropaeischen Laendern unter der eigenen Rufnummer kommuniziert werden kann. Die GSM-Netze begannen als reine Sprechfunknetze, allerdings mit digitaler Sprachuebertragung. Die Sprachdigitalisierung hatte zur Folge, dass die Zuschaltung eines Modems zur Datenuebertragung problematischer als beim analogen Netz C ist. Die Daten durchlaufen Sprachdigitalisierer und werden dort stark verzerrt. So hat es nur wenige Versuche gegeben, im GSM-Sprachkanal Datenfunk zu betreiben, die erreichbaren Datenraten lagen bei 1 Kbit/s. Ein Paging-aehnlicher Kurznachrichtendienst (SMS=Short Messaging Service) nutzt den Organisationskanal zur Uebertragung von maximal 160 Zeichen.

Ende 1994 haben die deutschen GSM-Netzbetreiber in ihren Netzen unter Umgehung der Sprachdigitalisierer Datenkanaele geschaltet, die Uebertragungsraten von 2,4 bis 9,6 Kbit/s zulassen - allerdings noch leitungsvermittelt, was bei kurzen Informationen zeit- und kostenintensiv ist. Fuer Fax- und Datendienste wird jeweils eine zusaetzliche Rufnummer vergeben. Der Datendienst arbeitet im transparenten Modus mit 9,6 Kbit/s und laesst sich auch nichttransparent beziehungsweise fehlergeschuetzt mit 4,8 Kbit/s nutzen. Festnetzseitig koennen die Daten ueber standardisierte Leitungsmodems nach CCITT V.22bis oder V.32 empfangen werden.

Die Mobilgeraete werden ueber eine PCMCIA-Karte mit einem Rechner oder Faxgeraet verbunden. Beim Kauf von Zusatzgeraeten sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die GSM-Geraete-Schnittstelle haeufig nicht standardisiert und somit nicht kompatibel sei. Das gleiche gilt auch fuer die Treibersoftware des Rechners, auch sie muss auf das Geraet abgestimmt sein. Derzeit nutzen nur etwa ein Prozent der GSM-Teilnehmer die Fax- beziehungsweise Datendienste, bis zum Ende des Jahrzehnts rechnen die Netzbetreiber mit etwa zehn Prozent. Zur Zeit wird ein paketvermittelter Datendienststandard

(GPRS) entwickelt, der dann die Datenuebertragung in GSM-Netzen sehr viel kostenguenstiger und damit attraktiver machen wird. Mit der Einfuehrung des GPRS wird nicht vor 1998 gerechnet. Der Hauptvorteil der GSM-Nutzung fuer die Datenuebertragung duerfte in der weltweiten Verbreitung des Standards liegen, womit ueber Roaming-Vertraege eine internationale Verfuegbarkeit der Datendienste garantiert ist.

Fuer die landesweite Verfuegbarkeit von Datenfunkanwendungen gibt es neben den sprachoptimierten GSM-Netzen datenoptimierte Installationen. Das Modacom-Netz und die im Aufbau befindliche Infrastruktur der Gesellschaft fuer Datenfunk (GfD) sind Paketfunknetze nur fuer die Datenuebertragung. Beide Netze arbeiten auf Lizenzbasis, jedoch nach unterschiedlichen Industriestandards. Das Modacom-Netz entspricht dem Datatac-Standard von Motorola, wohingegen das GfD-Netz die Mobitex-Technik von Ericsson verwendet.

Die Netzbetreiber streben eine Flaechenversorgung aller wesentlichen Wirtschaftsgebiete Deutschlands einschliesslich der Autobahnen an. Die Netze arbeiten im 70-Zentimeter-Band auf jeweils 29 Kanaelen. Die Bruttouebertragungsrate liegt bei 9,6 oder 8,4 Kbit/s, was sich durch fehlersichernde Funkprotokolle auf etwa 4,8 Kbit/s Nutzuebertragungsrate reduziert. Waehrend sich das Modacom-Netz auf der Festnetzseite ausschliesslich auf das Datex-P- Netz stuetzt, weist das GfD-Netz eine feiner vermaschte Festnetzstruktur auf, was sich positiv auf die Leitungskosten auswirkt.

Die Endgeraete werden als Funkmodem bezeichnet. Sie stellen komplette Datenfunkgeraete dar, die eine genormte Schnittstelle zu einem Datenterminal aufweisen. Auch hier geht die Entwicklung hin zur PCMCIA-Schnittstelle, um leistungsfaehige Laptops beziehungsweise Notebooks anzuschliessen. Fuer international arbeitende Nutzer gibt es allerdings erhebliche Einschraenkungen, denn inkompatible Standards und nicht harmonisierte Frequenzzuweisungen lassen ein internationales Roaming nur in Ausnahmefaellen zu.

Waren die bisher beschriebenen Techniken ausnahmslos terrestrische Uebertragungsverfahren, so wird im folgenden die satellitengestuetzte Datenuebertragung beschrieben. Die stationaere Anwendungen VSAT (Very Small Aperture Terminal) benoetigt relativ kleine Antennen mit einem Durchmesser von 1,2 bis 1,8 Metern fuer die Aussenstationen. Ueber VSAT lassen sich prinzipiell alle Telekommunikationsdienste in Europa abwickeln.

Die zentral errichteten Bodenstationen nutzen terrestrische Leitungen zur Anbindung an die Kundennetze. Auf diese Weise lassen sich Aussenstationen von Niederlassungen in infrastrukturschwachen Laendern wie etwa Osteuropa an die Telematiknetze der Firmenzentrale anschliessen. Aber auch der Verkehr zwischen Aussenstationen ist inzwischen moeglich. In der Regel werden Uebertragungsraten bis 64 Kbit/s genutzt. Der Dienst kann nur stationaer betrieben werden, da die Antennen der Aussenstationen fest montiert und exakt auf den Satelliten ausgerichtet sein muessen.

Der Wettbewerb unter den lizenzierten Netzbetreibern ist gross, so dass sich Angebotsvergleiche lohnen. Fuer bestimmte Anwendungen kann VSAT sogar eine sehr interessante Alternative zu einer terrestrischen Loesung selbst bei guter Infrastruktur sein. VSAT- Netze sind private Netze fuer geschlossene Benutzergruppen ohne direkten Zugang zu oeffentlichen Fernmeldenetzen.

Die globale Organisation Inmarsat stellt dagegen Satelliten- Kommunikationsdienste fuer alle mobilen Anwendungen bereit. Der Organisation sind weltweit 76 Nationen angeschlossen, die ihre Fernmeldeverwaltungen mit der Wahrnehmung der Aktivitaeten betraut haben. Im Zuge der Deregulierung des Mobilfunks hat die DeTeMobil mittlerweile diese Aufgabe uebernommen und bietet hierzulande die Inmarsat-Dienste an.

Derzeit sind operationell fuenf verschiedene Standards verfuegbar:

Inmarsat-A ist ein analoger Standard zur Uebertragung von Sprache, Fax und Daten via Modem. Dazu sind jedoch relativ grosse ausgerichtete Antennen noetig, so dass nur quasi-mobiler Betrieb moeglich ist.

Der digitale Ersatz der A-Version ist Inmarsat-B, der mit verbesserten technischen Eigenschaften aufwartet. Als reiner Datendienst wurde dagegen Inmarsat-C konzipiert, der mit Uebertragungsraten von 600 Bit/s fuer den Einsatz in Nutzfahrzeugen zur Flottensteuerung gut geeignet ist. Die kleinen omnidirektionalen Antennen koennen problemlos auf jedes Wagendach montiert werden. Inmarsat-M, ein neuer digitaler Standard zur Uebertragung von Sprache, Fax, Daten und Text, arbeitet ueber Duplexkanaele. Die Sprache wird digitalisiert mit 6,4 Kbit/s uebertragen, die Daten, Fax und Texte mit einer Transferrate von 2,4 Kbit/s. Als Antenne werden flache elektronisch gesteuerte Array-Antennen verwendet, die nur eine grobe Ausrichtung durch den Benutzer erforderlich machen. Die komplette Station wird in einen Aktenkoffer eingebaut angeboten.

Inmarsat-Aeronautical ist ein digitaler Standard fuer die Langstreckenjets der zivilen Luftfahrt. Pro Anwendung stehen maximal sechs Kanaele fuer Sprach-, Fax-, Daten- oder Textuebertragungen mit jeweils 9,6 Kbit/s bereit. Fuer alle Inmarsat-Dienste gilt eine weltweite Verfuegbarkeit und ein direkter Zugriff auf die oeffentlichen internationalen Fernmeldenetze, die die Verbindung zu den stationaeren Kommunikationspartnern herstellen.

Trotz vielfaeltiger Angebote nur geringer Zuspruch

Fuer kuenftige Netze zur drahtlosen Datenuebertragung zeichnen sich verschiedene Standards ab: Neben den sprachoptimierten Netzstandards TETRA fuer den Buendelfunk und TFTS fuer die kontinentale Luftfahrt ist eine aus den USA stammende Ent-wicklung von besonderem Interesse: die CDPD-Systeme. Cellular Digital Packet Data beschreibt die Nutzung von freier Netzkapazitaet von analogen Funktelefonnetzen fuer einen datenoptimierten Paketfunk. Durch die Migration von Teilnehmern von analogen zu digitalen Netzen werden die gut ausgebauten Analognetze immer weniger ausgelastet und koennen so einer neuen sinnvollen Verwendung zugefuehrt werden. Fuer das deutsche C-Netz sicherlich auch ein interessanter Aspekt, zumal die Frequenzen mit ihren guten Reichweiten und die stabile Netztechnik eine ausgezeichnete Verfuegbarkeit fuer diesen neuen Datenfunk versprechen.

Die Darstellung der verfuegbaren Datenfunk-Moeglichkeiten zeigt, dass genuegend Alternativen fuer die verschiedensten Anforderungen bestehen. Es mag deshalb erstaunen, wie gering die Teilnehmerzahlen im Datenfunk gegenueber dem Sprechfunk sind. So nutzten nach ueber zweijaehriger Modacom-Betriebsdauer nur knapp 10000 Teilnehmer (Stand Maerz 1995) dieses spezielle Datenfunknetz der DeTeMobil. Dagegen standen 2,5 Millionen Sprechfunkteilnehmer im C-,

D1-, D2- und E1-Netz. Vielleicht ist die bislang schlechte Unterstuetzung des Datenfunks durch die grossen Softwarehersteller einer der Gruende dafuer. Doch das soll sich jetzt aendern. So werden bei Lotus, Oracle und Microsoft Applikationsversionen speziell fuer den Datenfunk herausgebracht. Dies kann der entscheidende Impuls fuer groessere Wachstumsraten sein.