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02.05.1997 - 

Interview

"Dreh- und Angelpunkt ist die Java Virtual Machine"

Die IBM hat vor einigen Monaten eine Netzwerk-Computer-Architektur inklusive Hard- und Software vorgestellt, mit der sich ein kostengünstiges und leicht administrierbares Client-Netz aufbauen läßt. Das Leichtgewicht mit der Bezeichnung "Netstation" wird seit Dezember letzten Jahres ausgeliefert. Doch noch fehlt es an den dringend benötigten Utilities, mit denen sich akzeptable Applikationen entwickeln lassen.

CW: Wo liegt der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Net PC und dem Network Computer?

Hester: Meines Erachtens geht es nur sekundär um die eingesetzte Hardware. Entscheidend sind die Application Programming Interfaces (APIs). Sämtliche PCs, ob Net- oder Desktop-PCs, werden künftig auf Wintel basieren. Sie setzen auch in Zukunft auf gewöhnlichem Binärcode auf, wie es heute mit Microsofts Betriebssystemen der Fall ist. Ein NC hingegen besitzt eine neutrale Architektur und basiert auf der Programmiersprache Java. Dies bedeutet, daß der Mikroprozessor und das Betriebssystem des NCs für Entwickler - anders als bei normalen PCs - eine untergeordnete Rolle spielen. Den Dreh- und Angelpunkt für Programmierer bildet einzig und allein die Java Virtual Machine der NCs, für die es ein Set an weltweit anerkannten Internet-Standards gibt.

Van Fleet: Der Unterschied liegt auch im Einsatzgebiet. PCs, ob vernetzt oder stand alone, erfordern individuelle Eingriffe wie etwa die Konfiguration der Systemumgebung seitens des Anwenders. Der NC ist schlicht ein Gerät zur Informationsgewinnung.

CW: Wie viele Server werden benötigt, um es 100 Net-PC-Anwendern zu ermöglichen, lokal zu arbeiten, oder um 100 NC-Terminals mit remoten Anwendungen zu versorgen?

Hester: Unsere Faustregel lautet: zehn bis 15 Anwender pro Prozessor. Im Einsatz mit symmetrischem Multiprocessing und vier Prozessoren können zwischen 40 und 60 Benutzer angeschlossen werden. Das hängt jedoch stark mit dem Einsatzbereich zusammen. Hinsichtlich Net-PCs existieren derzeit noch zu wenige Daten, um konkrete Angaben machen zu können. Man kann den Net PC so nutzen, daß sämtliche Applikationen sozusagen vorinstalliert ablaufen und das Netz lediglich für E-Mail sowie zum System-Management dient. In diesem Fall nimmt der Net PC die Rolle eines gewöhnlichen PCs ein.

CW: Welche Herausforderungen kommen auf IS-Manager zu, die die Server in solchen Konfigurationen verwalten müssen?

Van Fleet: Die Administration erfolgt ausschließlich ferngesteuert. Entsprechende Softwareprodukte gibt es bereits heute. Dementsprechend kommen Aufgaben hauptsächlich im System-Management und in der Überwachung der Netzauslastung auf Administratoren zu. Deshalb werden künftig zweifelsohne spezielle Tools auf den Markt gelangen, die sich für diese Anforderungen eignen und sich an den derzeit existierenden Werkzeugen orientieren.

CW: IBM hat die Java-basierte Kona-Suite für Thin Clients herausgebracht. Welche anderen Applikationen sind in den nächsten Jahren zu erwarten?

Hester: Wir tüfteln derzeit aus, welche industriespezifischen Java-Applikationen und -Tools wir noch entwickeln müssen. Anders als im Desktop-Bereich wird es wohl keine sogenannten Killerapplikationen geben. Der Vorteil von NCs besteht darin, schnell Pakete entwickeln zu können. Leider fehlt es noch an den Voraussetzungen, um entsprechende Software im großen Stil zu produzieren. Was wirklich gebraucht wird, sind Werkzeuge, mit denen sich diese Applikationen generieren lassen.

Van Fleet: IBM arbeitet bereits mit Independent Software Vendors (ISVs), die sich einen Namen in unterschiedlichsten Industriesegmenten machen konnten. Es gibt Anwendungsbereiche, die einem sofort einfallen, wie etwa Helpdesks. Im Retail-Bereich hat sich eine Gruppe zusammengetan, die demnächst Java-Bibliotheken vorstellen will. Dabei handelt es sich um Java-Komponenten, die für das Retail-Geschäft zugeschnitten wurden.