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Deutsche Unternehmen erfolgreich


21.09.2016 - 

Drei Gründe, warum die Digitalisierung nicht klappt

Juliane Waack ist Fachredakteurin des Beratungsunternehmens ec4u expert consulting ag und schreibt zusätzlich für den Digitalisierungsblog der cloud world. Sie hat sich auf die Themen Digitalisierung, Customer Journey, Content Marketing und Datenschutz spezialisiert. Juliane Waack hat Anglistik/Amerikanistik, Kommunikationstheorie und Philosophie studiert.
Wer denkt, dass die deutsche Wirtschaft der Digitalisierung hinterherhinkt, der irrt. Der Ruf digitaler Transformation ist nämlich schlechter als ihr Status quo.

Glaubt man Politik und Medien, dann läuft es mit der Digitalisierung nicht so gut. Nach der Darstellung im deutschen Fernsehen, konkret dem "Tatort", ist sie sogar lebensgefährlich. Aber wissen Sie was? Daran, dass die Digitalisierung nicht klappt, sind wir selbst schuld, ganz ohne Mittelstand, KMU und Netz-Resistenz. Dafür gibt es drei Gründe.

Digitalisierung - das hässliche Entlein der deutschen Wirtschaft?
Digitalisierung - das hässliche Entlein der deutschen Wirtschaft?
Foto: Shutterstock.com - Katarina Christenson

1. Wir sind zu hektisch

Ob wir nun nach Silicon Valley schielen oder zu den Rocket-Internet-Brüdern, das moderne Geschäftsmodell soll angeblich von heute auf morgen aufgebaut werden, Veränderungen werden in Windeseile umgesetzt, wer auch nur eine Sekunde überlegt, an dem sind schon alle anderen vorbeigedüst.

Dabei bringen wir jedoch zwei Dinge durcheinander, die man niemals verwechseln sollte: Geschwindigkeit und Flexibilität. Ignorieren wir mal die digitalen Start-ups, die mit so viel Investitionsgeld überschüttet werden, dass sie sofort in 10 Ländern (durch-) starten können und schauen wir uns die großen Unternehmen an, wie sie auf die digitale Transformation reagieren. Das geht schrittweise, mit neuen Projekten, neuen Tochterunternehmen, die etwas agiler an Ideen arbeiten und Kollaborationen, um aus der Summe der Teile etwas Besseres zu zaubern. Diese Unternehmen sind flexibel.

Die schnellen Unternehmen, also diejenigen, die einen Hype sehen und sofort investieren, sind derweil nicht gerade die, die man als Erfolgsgaranten beschreiben würde. Die gesamte Buchbranche hat sich mit dem Hype um das eBook um Kopf und Kragen investiert und nun bestätigen die Umsätze, dass der Kunde zwar auch mal eBooks liest, aber sehr viel mehr für das physische Buch ausgibt.

2. Wir sind zu kritisch

Jetzt liegt die digitale Wirtschaft in Deutschland schon auf Platz 6 im internationalen Standortindex DIGITAL (Quelle: tns-infratest) und ist auf Platz 5, wenn es um Umsatzstärke durch digitale Geschäftsmodelle geht. Doch auch das reicht scheinbar nicht und überall kräht es, dass Deutschland sich vorsehen muss, sonst schwimmen ihm die Felle weg.

Der Mittelstand solle sich nicht ausruhen, sonst droht ihm dieselbe Katastrophe wie den Atomkraftwerken, so beispielsweise Oliver Marquardt, der sich anscheinend sehr darum sorgt, dass die mangelnde Digitalisierung erhebliche Risiken für die Menschheit bedeutet, oder warum würde er sonst diesen Vergleich ziehen?

Kritisch war auch der aktuelle Stuttgarter Tatort "Hal", der alles vom Darknet bis zur Massenüberwachung und bösartigen künstlichen Intelligenzen in einem abstrusen Verschwörungsplot unterbrachte und am Ende als einzige Lösung anbot, kein GPS zu nutzen und sein Smartphone auszuschalten. Leider stecken Unternehmen genau zwischen diesen beiden Stühlen, was Peter Diekmann beispielsweise schon auf Medium kritisiert hat. Einerseits sollen Neulinge so schnell wie möglich aufspringen, andererseits wird Ihnen der Sprung so schwer wie möglich gemacht. Wenn die Neulinge aber nicht betreut und an die Hand genommen werden, dann bleiben sie halt ohne GPS und niemandem ist damit geholfen.

Die digitale Transformation in deutschen Unternehmen wird derweil langsam aber sicher zum schönen Schwan und kann auch im internationalen Vergleich mithalten.
Die digitale Transformation in deutschen Unternehmen wird derweil langsam aber sicher zum schönen Schwan und kann auch im internationalen Vergleich mithalten.
Foto: Shutterstock.com - NaturesMomentsuk

3. Wir sind zu pessimistisch

"Mittelstand droht bei Digitalisierung den Anschluss zu verlieren" hieß es Mitte August unter anderem auch in der Computerwoche. Eine aktuelle Studie schien den Angstschweiß auf die Stirn der Tech-Journalisten getrieben zu haben. Das Ergebnis war hingegen weder ein Armutszeugnis für den deutschen Mittelstand, noch der Beweis, dass die Digitalisierung nicht fruchtet. Durchschnittlich 83 Prozent aller Mittelständer haben in den vergangenen Jahren Digitalisierungsprojekte durchgeführt, ein Fünftel gehört zu den digitalen Vorreitern und ein Drittel steckt im Grundstadium der Digitalisierung.

Wenn wir davon ausgehen, dass vor zwei Jahren kaum ein Unternehmen wusste, was die Cloud ist, ist es doch ein ziemlicher Fortschritt, wenn zwei Jahre später so gut wie jedes Unternehmen an digitale Transformation denkt oder bereits eigene Projekte eingeleitet hat.

Das knappe Fünftel der Vorreiter gibt es übrigens genauso in den USA, wir erinnern uns, das Land der ungeahnten digitalen Möglichkeiten, vor allem aber die Heimat des Silicon Valley. Dort ermittelte McKinsey, dass lediglich 18 Prozent aller Unternehmen die digitalen Möglichkeiten voll ausschöpfen. Ein Fünftel, also 20 Prozent unserer Unternehmen sind Vorreiter, 18 Prozent aller Unternehmen in den USA sind Vorreiter. Ich denke, wir können langsam aufhören, so zu tun, als würden wir hinterherhinken. Wir gehen mit sicheren Schritten der Digitalisierung entgegen und auch wenn nicht jedes Unternehmen gleichermaßen euphorisch, professionell oder erfolgreich dabei ist, ist das Glas halbvoll. (mb)

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Marquardt+Compagnie

Danke für die Erwähnung! Ja, ich sorge mich um unseren Wohlstand und damit auch um unseren Frieden. Und es wäre schön, wenn Sie mich dabei vollständig im Kontext zitieren :) dann versteht man auch mein Bild besser! Denn die Digitalisierung und vor allem ihre Randerscheinungen erwischen schon jetzt zu viele Mittelständler auf dem linken Fuß. Ich weiß es aus erster Hand, denn ich spreche mit inhabergeführten Unternehmen bis 500 Mitarbeitern. Und die Meisten erahnen nicht mal, was stattfindet oder fühlen sich schlicht überfordert. Genau wie die Atomindustrie wohl kaum mit derart heftigen Veränderungen gerechnet hat, sich geradezu lässig auf sein subventioniertes Geschäftsmodell verließ und nun hilflos da steht ;)

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