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Interwiev/


10.05.1996 - 

Drei Gründe, warum Gupta kein Geld verdient hat

CW: Vom florierenden PC-Distributor Ingram Micro sind Sie im vergangenen Jahr zum kriselnden Software-Anbieter Gupta gewechselt. Was hat Sie dazu bewogen?

Inman: Ich war sehr interessiert daran, in das Softwaregeschäft einzusteigen. Der Reifeprozeß des Softwaremarkts ähnelt dem, den der Hardwaremarkt bereits durchlaufen hat. Ich denke also, daß die dort erprobten Geschäftsführungs- und Marketing-Techniken auch hier Erfolg haben werden.

CW: Und wieso haben Sie ausgerechnet die Leitung eines Unternehmens mit schwachen Finanzen übernommen?

Inman: Ich wollte einen Anbieter aus dem Bereich Networking oder Client-Server-Entwicklung, weil ich dort große Wachstumspotentiale sehe. Außerdem reizte mich die Aufgabe, mit einem Unternehmen den Turnaround zu schaffen.

CW: Sie haben Ihre Ergebnisse für 1995 noch nicht veröffentlicht, aber angedeutet, daß Gupta im vergangenen Jahr wieder rote Zahlen schreiben mußte (Im Jahr zuvor lag der Verlust bei mehr als 20 Millionen Dollar, Anm. d. Red.). Wieso verdient ein Unternehmen, dessen Umsatz um zehn bis 15 Prozent jährlich wächst, eigentlich kein Geld?

Inman: Zum einen gab es weder eine richtige Kostenkontrolle noch eine Management-Struktur, die sichergestellt hätte, daß Verkauf, Marketing und Geschäftsführung auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiteten. Zum anderen versuchte das Unternehmen im vorletzten Jahr, neben dem Enterprise-Client-Server-Geschäft auch im Desktop-Markt präsent zu sein, wo Produkte wie Microsofts "Visual Basic" und Powersofts "Powerbuilder" dominierten. Man wollte zwei Märkte zur selben Zeit bedienen, und das kam teuer. Zum dritten wurde etwa gleichzeitig die Konkurrenz im US-Markt härter. Und wenn so etwas passiert, versuchen die Unternehmen, ihren Kopf oben zu behalten, indem sie große Summen für Marketing ausgeben.

CW: Der wichtigste Grund scheint mir der zu sein, daß Gupta in einen Markt einsteigen wollte, in dem es bereits starke Konkurrenten gab und der zudem andere Vertriebs- sowie Supportstrukturen erforderte.

Inman: Nehmen wir mal an, die Einnahmen-Ausgaben-Kontrolle sowie die Koordination von Marketing, Vertrieb und Geschäftsführung funktionieren vernünftig. Dann werden Sie, wenn Sie zwei Märkte zur selben Zeit bedienen, eben eine gewisse Menge Geld ausgeben. Sollten Sie aber die erwähnten Voraussetzungen nicht erfüllen, so laufen Ihnen die Kosten leicht aus dem Ruder - ob Sie konkurrenzfähig sind oder nicht. Das Unternehmen hatte einfach keine gute Infrastruktur.

CW: Haben Sie in dieser Beziehung schon etwas geändert?

Inman: Ja. Im ersten Quartal 1995 lagen unsere Geschäftskosten bei 26 Millionen Dollar, im ersten Vierteljahr des laufenden Jahres aber nur noch bei 16 Millionen.

CW: Der Firmengründer Umang Gupta hat sich kürzlich aus der Geschäftsleitung zurückgezogen. Prompt wollen Sie das Unternehmen in Centura umbenennen. Was soll das bewirken?

Inman: Wir wollen dem Markt mitteilen, daß sich das Unternehmen verändert und daß wir in der Lage sind, Client-Server-Produkte der nächsten Generation hervorzubringen.

CW: Ich glaube kaum, daß dazu ein neuer Firmenname notwendig ist.

Inman: Wollen Sie damit sagen, daß dieser Namenswechsel ein Fehler war?

CW: Möglicherweise war er das. Der Name Gupta ist im Markt bekannt - ein Vorteil, den Sie ohne Not aufgeben.

Inman: Ich habe untersucht, was die Leute weltweit mit dem Namen Gupta verbinden. Und dabei habe ich herausgefunden, daß er einerseits für herausragende Technologie steht, andererseits aber auch für ein Unternehmen, das sich nicht so gut auf den Markt hin und mit ihm bewegt hat, wie es sollte. Die meisten Leute äußerten die Ansicht, daß das Unternehmen eine evolutionäre Veränderung seiner Produktpalette benötige. (Der Nachfolger für das Entwicklungswerkzeug "SQL Windows" wurde ebenfalls Centura getauft, Anm. d. Red.).

CW: Aber glauben Sie wirklich, daß Sie auch nur eine Lizenz mehr verkaufen, weil Sie jetzt Centura heißen?

Inman: Der neue Name allein hat damit sicher nichts zu tun.

Sam Inman ist President und Chief Executive Officer der Centura Software Corp. (vormals Gupta). Die Fragen stellte CW-Redakteurin Karin Quack.