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15.07.2005

Drei Tage arbeiten, drei Tage studieren

Hochschule und Großbanken arbeiten in Frankfurt am Main Hand in Hand. Sie bilden Wirtschaftsinformatiker aus, die in der IT und der Geldwirtschaft zuhause sind.

Ein lockeres Studentenleben hat Michael Barrios bisher noch nicht kennen gelernt: Drei Tage die Woche programmiert er in der Dresdner Bank, drei Tage studiert er an der Business School of Finance in Management (HfB) Wirtschaftsinformatik, samstags inklusive. Das vergleichsweise teure Studium an der privaten Hochschule, das 4700 Euro pro Semester kostet, kann sich der 25-Jährige nur leisten, weil er arbeitet und zudem sein Arbeitgeber bis zu 50 Prozent der Studiengebühren übernimmt.

Praxis vom ersten Tag an

Die Kombination aus Studium und Arbeiten ist nicht aus der Not geboren, sondern entspricht der Philosophie der HfB in Frankfurt am Main: Wer sich zum Beispiel für den Bachelor-Studiengang Wirtschaftsinformatik entscheidet, kann vom ersten Tag an parallel eine Lehre als Fachinformatiker absolvieren. Falls er diese schon abgeschlossen hat, besteht die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, wie es Barrios tut. Die Studenten müssen zwar nicht mehr in die Berufsschule, sondern bekommen das Ausbildungswissen in Zusatzkursen an der Hochschule vermittelt. Nach vier Semestern beenden sie ihre Lehre und arbeiten Teilzeit bis zum Examen weiter.

Barrios hatte seine Ausbildung zum Fachinformatiker schon abgeschlossen, bevor er sich für das Studium an der HfB entschied. Die Dresdner Bank ist heute wie damals sein Arbeitgeber, und doch hat er das Gefühl, als habe sich vieles geändert: "Während der Lehre drehte sich alles um das IT-Wissen. Erst durch das Studium wurde mir klar, welche betriebs- und volkswirtschaftlichen Aufgaben eine Bank hat. Man erkennt und versteht die Zusammenhänge."

Zusammenhänge verstehen

Diesen Aha-Effekt erwartet auch die Deutsche Bank, die mit anderen deutschen Großbanken die HfB einst gründete, von ihren IT-Mitarbeitern. Horst Stein, der bei der Deutschen Bank für die IT-Ausbildung der HfB-Studenten zuständig ist, umschreibt dies so: "Unsere IT-Profis müssen nicht nur zwischen IT und Business vermitteln, sondern auch IT-Leistungen einkaufen sowie Dienstleister beurteilen können." Aufgaben an den Schnittstellen fallen verstärkt an, seit die Deutsche Bank ihr Netzwerk an T-Systems, ihr Rechenzentrum an die IBM und die Betreuung der Arbeitsplatzrechner an die Siemens-Tochter Sinius ausgelagert hat. Im vergangenen Jahr hat die Bank begonnen, ihre Bachelor-Studenten für einige Monate zu einem ihrer Dienstleister zu schicken. Dort begegnen sie den IT-Aufgaben, die sie später vergeben sollen. Denn viele typische Tätigkeiten wie das Programmieren gibt es laut Stein in der Deutschen Bank nur noch vereinzelt. "Außerdem lernen die Studenten dadurch auch eine andere Unternehmenskultur kennen", sagt Stein.

Auslandssemester auf Hawaii

Den Blick über den Tellerrand soll auch das Auslandssemester öffnen, das die HfB-Studenten im fünften Semester absolvieren. Für Michael Barrios ist es der Höhepunkt seines bisherigen Studiums. An der Partneruniversität auf Hawaii darf er zum ersten Mal den Luxus genießen, nur zu studieren. Zumindest einige Monate, bevor es weiter nach Malaysia zum Auslandspraktikum geht.

Über seine Karrierechancen braucht Barrios vorerst nicht nachdenken. Sein Vertrag bei der Dresdner Bank ist unbefristet. Andere HfB-Studenten, die derzeit bei der Deutschen Bank arbeiten, müssen hoffen, dass ihr Bachelor-Abschluss zeitlich nicht mit Umstrukturierungen in der IT zusammenfällt. Zur Übernahmequote kann Ausbildungsleiter Stein darum noch nichts Konkretes sagen: "Wir haben in die Studenten viel investiert, darum wäre es ungewöhnlich, wenn wir sie bei erfolgreichem Abschluss nicht weiterbeschäftigen würden." (am)