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06.03.1987 - 

Großkunden, Kaufinteressenten und Personal sind verunsichert:

Dreiteilung von Radio-Schweiz macht Probleme

BERN (CWS)- Betrübliche Zwischenbilanz bei der Dreiteilung der Radio-Schweiz AG, einer 95prozentigen Tochter des Bundes: Verunsicherte Großkunden, verunsicherte potentielle Interessenten am Informatikbereich, verunsichertes Personal.

Für den Generalsekretär des federführenden Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartementes (EVED), Fritz Mühlemann, gilt die Devise: nach Lösungen suchen, die nicht mit Leistungsabbau verbunden sind. Die Großkunden der PTT sind sich da nicht so sicher. Sie ahnen Verdruß aus der Rücknahme von Diensten des Telekommunikationsbereichs ins PTT-Monopol. Das Stichwort heißt Mietleitungen.

Heute ist es für den Mietleitungskunden der Radio-Schweiz AG selbstverständlich, daß Unklarheiten auf der Gegenseite - Störungen, Konfigurationen - unverzüglich behoben werden, selbst wenn dies eine kurzfristige Überseereise bedingte. Diesen Service sehen die Kunden jetzt in Frage gestellt. Dazu Martial Sialm, Präsident der Schweizerischen Vereinigung von Fernmelde-Benutzern (Asut): "Stellen Sie sich vor, wie lange es dauert, bis bei den PTT einer die Bewilligung erhält, rasch in die Staaten zu fliegen, um nach dem Rechten zu sehen."

Die Antwort auf solche Bedenken liegt bereits vor. PTT-Generaldirektor Rudolf Trachsel (FdP): "Die PTT-Betriebe sind sich der Wichtigkeit der Mietleitungen für die schweizerischen Unternehmen bewußt. "Fest steht jedoch noch nicht, ob das heutige Mietleitungszentrum unverändert übernommen oder auf mehrere Städte aufgeteilt wird.

Auf dem Papier präsentiert sich die Dreiteilung der Radio-Schweiz AG folgendermaßen:

- Für die Flugsicherung wird eine neue Gesellschaft gegründet, an welcher die Eidgenossenschaft eine Mehrheitsbeteiligung erhalten soll.

- Die monopolrelevanten Fernmeldedienste, die heute von der Radio-Schweiz AG ausgeübt werden, gehen zurück an die PTT.

- Für den Informatikbereich (Datastar, möglicherweise VIP-Line oder Voice-Mail) sucht der Bund Käufer.

Während einerseits eine Arbeitsgruppe noch darüber brütet, was alles zum Informatikbereich gehören soll, verhandelt paradoxerweise eine Delegation der heutigen Radio-Schweiz AG bereits mit potentiellen Interessenten. Auf die konkrete Frage, wer über den Zuschlag entscheidet und wer als Verkäufer unterzeichnet, erhält man nur verschwommene Antworten.

Um den lnformatikbereich hat ein ziemliches Gerangel stattgefunden mit bis zu zwei Dutzend Interessenten aus der Privatwirtschaft. Übriggeblieben sind die Allgemeine Treuhand AG (Atag), die Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft, die Telekurs AG und Swissair.

Für die Datenbank Datastar zum Beispiel kommen folgende Zukunftsvarianten in Frage: ein Joint Venture, eine eigene Gesellschaft, eine Tochtergesellschaft der künftigen Radio-Schweiz AG oder schlichte Einverleibung in die künftige Radio-Schweiz AG. Kaufinteressenten fühlen sich entsprechend verunsichert. Und ohne Entscheid des Bundesrates geht gar nichts.

Ebenfalls nicht wohl in seiner Haut fühlt sich das betroffene Personal. Viele haben gekündigt und heuern bei "Golden Girl" PTT an. Die qualifizierten Fachleute sind bei der Radio-Schweiz AG jedoch um zwei Lohnklassen bessergehalten. Für Unruhe ist also gesorgt.

Die Radio-Schweiz AG beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter. Die Teilprivatisierung wird vorgenommen, weil 1984 ein Gutachten des Bundesamtes für Justiz zu dem Schluß gekommen ist, daß für einzelne Tätigkeitsbereiche der Radio-Schweiz AG die rechtlichen Grundlagen fehlen: Die Radio-Schweiz AG hat für den Bereich Telekommunikation eine Konzession des Bundesrates, die mit dem PTT-Monopol nicht vereinbar ist.