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25.04.1986 - 

Mangelnde Strategie und Konsensfähigkeit gehören zu den Stolpersteinen:

Dreizehn wesentliche Akzeptanzhürden im DV-Unternehmen

Akzeptanz markiert die Nahtstelle zwischen moderner unternehmerischer Gestaltung und den Zweifeln des Mitarbeiters an der neuen Technik. Dies trifft für alle hierarchischen Ebenen zu. Wenn der nötige Anklang fehlt, dann zeigen Unternehmen Mangelerscheinungen - etwa an Sensibilität den Veränderungen auf dem Markt oder technischen Entwicklungen gegenüber. Dreizehn (dunkle) Punkte zählt Wolfgang Erdmann, Mitglied der Geschäftsführung bei der Kienbaum Unternehmensgruppe, auf.

- Erste Hürde auf dem Weg zur Technikakzeptanz ist - ein langjähriges gutes Betriebserlebnis. Insbesondere bei der zweiten und dritten Unternehmergeneration besteht eine starke Neigung, auf den eingefahrenen erfolgreichen Wegen fortzuschreiten. Dabei wird verkannt daß jede überkommene Erfolgsserie einmal zu Ende geht.

- Zweite Hürde ist die fehlende Sensibilität gegenüber Veränderungen im Markt, in den Bedürfnissen der Verbraucher und Abnehmer, in der Konkurrenz, in der Technologie.

- Dritte Hürde ist die Überheblichkeit. Stolz und Arroganz, die höchste Technik werde bereits im Betrieb eingesetzt und kein Konkurrent könne mithalten, verführen dazu, den Einsatz neuer Techniken zu verpassen.

- Als vierte Hürde gilt der fehlende unternehmerische Mut. Eine nicht hinreichend ausgeprägte Wagnisbereitschaft steht manchem Schritt in neue Technologien entgegen.

- Fünfte Hürde ist die Unkenntnis über professionell organisierte Technologiequellen. Viele Unternehmer haben noch keinen Zugang zum Beispiel zu internationalen Datenbanken; sie wissen nicht, wie sie anzuzapfen sind.

- Sechste Hürde ist die mangelnde Erkenntnisfähigkeit. Die Geschäftsführung muß die jeweils zweckmäßige Technologie für ihr Unternehmen erkennen und dabei Spreu vom Weizen trennen. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen sind die Führungskräfte wegen der Überlastung in der Tagesarbeit oft nicht in der Lage, die Zeit für solch wichtige Entscheidungen zu erübrigen. Wenn sie sich dann lange mit dieser Problematik nicht mehr auseinandergesetzt haben, verlieren sie zum Teil sogar die Fähigkeit, solch eine systematische, in die Zukunft reichende Denkarbeit zu vollziehen.

- Siebte Hürde ist die mangelnde Konsensfähigkeit im Unternehmensführungsbereich. Im Führungskreis eines Unternehmens gibt es vier typische Gruppen, die einzuteilen sind in Machtpromotoren, Fachpromotoren, Katalysatoren und Moderatoren. Diese vier Gruppen müssen untereinander zu einem Konsens fähig sein. Dies ist nicht oder nicht immer ausreichend der Fall. Für den Erfolg des Unternehmens ist aber entscheidende Voraussetzung, daß ein konsensbreites und ein konsensfähiges Team zusammenarbeiten.

- Achte Hürde ist die mangelnde Überzeugungsfähigkeit. Die innerbetrieblichen Initiatoren und Promotoren, aber auch der professionell eingesetzte und von außen kommende Transfermanager, müssen die notwendige Überzeugungsfähigkeit im Unternehmen haben.

- Neunte Hürde ist die mangelnde Motivationsfähigkeit. Noch so gute Ideen können nicht durchgesetzt werden, wenn wichtige Entscheidungsträger nicht bereit sind, neue Ideen auch zu akzeptieren.

- Zehnte Hürde ist die operative Handlungsfähigkeit. Innerbetrieblich muß eine methodische Verfahrensweise zur Findung, zur Auswahl, zur Anpassung, zur Vorbereitung, zur Einführung und zur Kontrolle eingeführter neuer Technologien gefunden werden. Wenn diese operative Handlungsfähigkeit nicht methodisch betrieben wird, sondern nur sporadisch, gibt es Rückschläge. Diese Rückschläge wirken sich dann aus bei weiteren Versuchen, die damit oft schon im Keim erstickt werden. Ein klarer Erfolg eines gut ausgeführten Projektes ist die beste Grundlage für ein zweites Projekt.

- Elfte Hürde sind die Zeitprobleme. Auch eine noch so beschäftigte Geschäftsleitung muß sich die Zeit für die Beschäftigung mit neuen Technologien nehmen. Was sie hier an Zeit einsetzt, spart sie später beim Krisenmanagement.

- Zwölfte Hürde ist die mangelnde Akzeptanzstrategie. Nur bei einem klar definierten Geschäftsziel sind die Mitarbeiter in der Lage zu erkennen, welchem Ziel der Einsatz neuer Technologien dient. Damit kann auch verhindert werden, daß nur einseitig ein möglicher Arbeitsplatzabbau beziehungsweise eine Arbeitsplatzveränderung gesehen wird. Nur Mitarbeiter, die das Geschäftsziel kennen und sich damit identifizieren, sind bereit, Änderungen ihres Arbeitsplatzes zu akzeptieren.

- Die dreizehnte Hürde ist die Einbeziehung des Betriebsrates. Fragen des Betriebsverfassungsgesetzes und die rechtliche Einbeziehung des Betriebsrates beziehungsweise der Personalvertretung sind oft von entscheidender Bedeutung bei der Schnelligkeit der Umsetzung und der Akzeptanz neuer Technologien durch die Mitarbeiter.

Keine Hürde indes ist das oft gehörte Stichwort "Fehlende Finanzmittel". Dies ist - nochmals - keine primäre Hürde, sondern höchstens eine sekundäre.

Multifunktionale Manager gesucht

Wenn man nachweisen und glaubhaft versichern kann, daß die aufgezeigten Hürden im Hause nur in geringem Maße gegeben sind, wird sicher das notwendige Kapital auch zur Verfügung gestellt werden, und zwar nicht nur von Venture-Capital-Organisationen und fortschrittlich orientierten Kreditinstituten, sondern auch von konservativen und eher zurückhaltend operierenden, berufsständischen Kapitalmittlern und Anlegern.

Die Klage einer Geschäftsleitung über fehlende qualitative und quantitative Personalausstattung, mangelhafte Kapitalausstattung und fehlenden Zugang zu Kapitalergänzungen und demzufolge unzureichende Technologieausstattung und -entwicklung wirft die Frage nach der Suche einer zeitgerechten Führung auf, die von Erfolgen nicht geblendet, hinreichend sensitiv, wach und kreativ, mutig und geduldig, facherfahren, integrierend, motivierend und methodisch ihr Geschäft betreibt.

Der Autor trug diesen Beitrag als Referat auf dem DIHT-Fachsymposium 1985 Herausforderung Technologie - Neue Aufgaben für die berufliche Weiterbildungö, veranstaltet vom Deutschen Industrie- und Handelstag in Köln, vor.

Ein skeptisches Ja

Nach einer Marplan-Untersuchung aus dem Sommer 1985 stehen 22 Prozent der Bevölkerung neuen Techniken positiv gegenüber und glauben, daß durch sie neue Arbeitsplätze geschaffen werden. 45 vom Hundert meinen, daß ohne neuen Technologien noch mehr Arbeitsplätze verlorengehen, und 32 Prozent stehen der Einführung neuer Techniken, gleich welcher Art, negativ unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsplatzvernichtung gegenüber. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen einerseits, daß ein relativ großer Teil der Bevölkerung - nämlich 67 Prozent - bereit ist, die neuen Techniken aufzunehmen. Anderseits hegt eine noch größere Gruppe - immerhin 77 Prozent - Zweifel an den neuen Techniken.